Nissan Qashqai

Mix und Fertig

Foto: Uli Jooß 14 Bilder

Nissan überrascht in der Kompaktklasse mit einer schicken Mischung aus Van und Offroader. Was der Qashqai am besten kann, klärt der Fahrbericht.

Was wollen Autokäufer wirklich? Großstädter setzen zunehmend auf kompakte, aber schicke Autos mit leistungsstarken Motoren, ausreichend Platz und guter Übersichtlichkeit. Ältere Kunden – und das werden immer mehr – wollen höher sitzen. Wer außerhalb wohnt, will vielleicht mal einen Hänger ziehen und die Abkürzung über einen Feldweg nehmen können. Und das Ganze soll auch noch bezahlbar sein.

Renault-Partner Nissan glaubt, mit dem Qashqai (sprich Kasch-kai) die Lösung gefunden zu haben. Denn der Neue kann von allem etwas. Nur zehn Zentimeter länger als ein Golf, bleibt er ein Kompakter. Er wirkt aber keineswegs wie eine brave Familienkutsche, sondern wie ein schicker kleiner Sport Utility. Abgesehen von der Kunststoff-Beplankung im unteren Bereich – ein Muss angesichts der Unübersichtlichkeit des stämmigen Autos, die schnell zu Einparkremplern führen kann – fehlt es aber an martialischen Zutaten. Äußerlich gibt es derzeit kaum Parallelen zu anderen Autos, doch die Mischung stimmt.

Das Design ist attraktiv, nicht polarisierend und alles andere als langweilig. Nie war ein Nissan modischer – womöglich hat er sogar das Zeug zum Trendsetter. Kritik verdient indes der Zugang zum Gepäckabteil: Zum einen schwingt die Klappe nicht weit genug nach oben. Zum anderen lässt sich der Kofferraum nur nach Überwinden einer hohen Kante und einer sich anschließenden Stufe beladen.

Das Interieur erinnert an einen Pkw – praktisch, ansprechend, aber mit hoher Mittelkonsole und erhöhter, relativ aufrechter Sitzposition auf nicht zu weichem Gestühl. Davon profitiert das Raumgefühl. Zwei große, übersichtliche Rundinstrumente dominieren das Cockpit, die Zahl der Funktionstasten und Schalter ist überschaubar. Nur das winzige Display für Wegstreckenmesser, Thermometer und Kraftstoffvorrat lässt sich schwer ablesen.

Ablagen sind genügend vorhanden, und die Sicherheitsausstattung umfasst neben Gurtstraffer, aktiven Kopfstützen vorn und sechs Airbags auch Isofix-Kindersitzaufnahmen. Hinten ist Platz für maximal drei Mitfahrer. Allerdings ist die Kopffreiheit im Fond für Langgewachsene viel zu knapp – ein Tribut an die coupéhafte Dachlinie.

Drei Ausstattungsversionen stehen zur Wahl: Visia als preiswerter Einstieg, Acenta mit den wichtigsten sinnvollen Extras und das Rundum-glücklich-Paket Tekna. Radio/CD, Klimaanlage und Bluetooth-Ausrüstung sind jeweils serienmäßig. Ein fest stehender Farbbildschirm, dazu Klimaautomatik mit Umluftschaltung, Navigation und Rückfahrkamera, schlüsselloser Zugang sowie ein nicht zu öffnendes Panorama-Glasdach zählen zu den Optionen.

Die asymmetrisch geteilten hinteren Lehnen – nicht aber die Sitzflächen – lassen sich umlegen und erweitern den Gepäckraum von guten 410 auf stattliche 1513 Liter. Der Qashqai basiert auf der Gemeinschaftsplattform C von Renault und Nissan, wie sie ab Ende 2008 auch der nächste Renault Megáne nutzen wird. Komfortabel, aber nicht zu weich wirkt das Fahrwerk – vorn mit einer Federbein-, hinten mit einer Mehrlenkerachse. Die Seitenneigung ist minimal, die leichte Tendenz zum Untersteuern überrascht nicht.

Serienmäßig wird neben der Fahrstabilitätsregelung ESP einschließlich Bremsassistent auch die elektrische Servolenkung eingebaut. Sie ist zielgenau und zumindest in der Allradversion nicht zu leichtgängig; das Lenkrad lässt sich in zwei Richtungen justieren. Als überraschend klein erweist sich der Wendekreis – das erleichtert das Rangieren. Die gegenüber den gängigen Kompakten leicht vergrößerte Bodenfreiheit von 200 Millimetern reicht aus, um problemlos auch unbefestigte Straßen zu meistern.

Den optionalen Allradantrieb mit sperrbarem Durchtrieb à la Nissan X-Trail oder Hyundai Tucson braucht man eigentlich nicht. In der Basisausstattung beschränkt sich der Qashqai darum auf den Frontantrieb, für den sich laut hausinterner Prognose 70 Prozent der Käufer entscheiden werden. Vier Motoren stehen zur Wahl: Die 1,6- und der Zweiliter- Benziner stammen von Nissan, die 1,5- und Zweiliter-Diesel steuert Renault bei. 60 Prozent aller deutschen Qashqai- Käufer dürften für ein Modell mit dCi-Triebwerk votieren, mindestens zur Hälfte für den preisgünstigen 106-PS-Einstiegsmotor.

Laut Werksangabe soll er nur 5,4 Liter/100 km verbrauchen. Mit dem durchzugsstarken und erfreulich lei sen 150-PS-Diesel sind selbst eiligere Naturen bestens bedient; er hat keinerlei Probleme mit den bis zu 1,6 Tonnen Leergewicht. Der Zweiliter-Selbstzünder ist aber nicht vor Juni lieferbar, auch Partikelfilter stehen erst ab diesem Zeitpunkt zur Verfügung.

Neben dem optionalen Allradantrieb gibt es auch eine Automatik nur mit den beiden Zweiliter-Motoren. Beim Benziner handelt es sich um ein stufenloses CVT-Getriebe, beim Diesel um eine Wandler-Automatik. Serienmäßig sind Schaltgetriebe mit fünf (Einstiegs-Benziner) oder sechs Gängen. Der relativ lange Schalthebel erlaubt exakte Gangwechsel, wenngleich die Schaltung selbst knorrig arbeitet.

Auf dem deutschen Markt sollen ab Ende Februar 15 000 Stück pro Jahr ihre Käufer finden. Das wäre ein Viertel aller Nissan- Verkäufe und mehr, als der brave Almera in den letzten Jahren je erreicht hat. Doch so, wie der im britischen Sunderland gebaute Qashqai dasteht, hat er gute Chancen, viele Neukunden von anderen Marken zu holen. Auch mit seinen günstigen Preisen (Basismodell ab 19 790 Euro, Allrad ab 22 840 Euro) ist er in seinem Umfeld gut platziert. Die 30 140 Euro für das teuerste Modell (Tekna 2.0 dCi 4WD) sind zwar ein selbstbewusster Tarif, aber dafür ist die Versicherungseinstufung (Haftpflichtklasse 16 und 17 für die Einstiegsversionen) verlockend. Und das spielt eine große Rolle bei einem Auto, das in erster Linie von „preissensiblen Kunden jenseits der 50“ – so Nissan-Deutschlandchef Rainer Landwehr – gekauft wird. Dabei hätte es durchaus auch viele junge Fans verdient

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