Nissan X-Trail 2014 im ersten Test

Kann der es besser?

Nissan X-Trail 2014 Fahrbericht / Test Foto: Nissan 34 Bilder

Der neue Nissan X-Trail muss einschlagen. Entsprechend grundsätzlich wurde an seinem Konzept gefeilt. Wir waren mit dem Jahrgang 2014 auf erster Testfahrt

Diesmal kommt die Pflicht nach der Kür: während die Renovierung des extrem erfolgreichen Nissan Qashqai praktisch ein Selbstläufer war, folgt wenige Monate später eine echte Baustelle: der Nissan X-Trail, eine Klasse höher angesiedelt als das Erfolgs-SUV Qashqai, muss richtig punkten. Dass Nissan für den X-Trail weiterhin einen Platz am unteren Tabellen-Ende der Zulassungsstatistik anstrebt wie beim Vorgängermodell, darf man ausschließen. Entsprechend gründlich fällt die Richtungsänderung aus, denn der Jahrgang 2014 des Nissan X-Trail hat mit den beiden Vorgänger-Generationen praktisch nur noch den Namen gemeinsam.

Der Nissan X-Trail 2014 bricht mit seinen Ahnen

Zu seinem Erscheinungsdatum 13 Jahre zuvor war der Nissan X-Trail noch ein Verkaufsschlager. Kompakt- und Mittelklasse-SUV waren rar, der VW Tiguan noch nicht einmal ein Glänzen in den Augen seiner Entwickler und das Offroader-Geschäft in Deutschland fest in Händen der kernigen Geländewagen. Entsprechend sah der X-Trail I aus: aufrecht, kantig und mit dem Anspruch, es trotz seines untersetzungslosen Antriebs auch abseits der Straße wissen zu wollen.

Anderthalb Jahrzehnte später sind SUV eine Massenbewegung und ein schmeichelweicher Alltagsauftritt gefragter als Steinbeißer-Qualitäten. Folgerichtig überschaubar fiel in der jüngeren Vergangenheit der Verkaufserfolg des bisherigen Nissan X-Trail aus, der trotz einer umfangreichen Überarbeitung auch in der zweiten Generation noch ausgesprochen vierschrötig daherkam. Was seine Fans nicht zu Unrecht als Charakter-Merkmal goutieren, einem fundamentalen Verkaufserfolg beispielsweise bei Umsteigern vom Familien-Van aber nicht unbedingt zuträglich ist.

Deshalb sieht der Nissan X-Trail 2014 eben so aus, wie er nun aussieht. Gefällig, geglättet und abgerundet nach aktuellem SUV-Mainstream, nicht uneigenständig und durchaus erkennbar ein Nissan, aber kein Charakterkopf mehr. Um die erwähnten Van-Umsteiger zu erreichen, mutiert der Nissan X-Trail 2014 gegen Aufpreis zum Siebensitzer und bekommt damit gleich eine hübsche Mitgift von Mutter Nissan: jene treuen Kunden, die bisher in großer Zahl zum verlängerten Nissan Qashqai +2 griffen (den es in der neuen Modellgeneration nicht mehr gibt) sollen nun zum X-Trail überlaufen. Es ist daher nicht vermessen, den 2014er Jahrgang des Nissan X-Trail als einen Qashqai XL zu bezeichnen.

Nissan X-Trail 2014: Qashqai XL

Dem kleineren Bruder hat der Nissan X-Trail 2014 allerdings einige hübsche Technik-Highlights voraus. So gibt es in der Top-Version LED-Scheinwerfer, das neue Multimedia-System mit App-Einbindung und Smartphone-Integration, einen brauchbaren Allradantrieb, passable Bodenfreiheit und ein erheblich wandlungsfähigeres Innenleben. Die Rücksitze lassen sich einzeln verschieben, die Lehnen in der Neigung verstellen, der Kofferraum lässt sich mit den integrierten Bords in drei Ebenen organisieren und abteilen. Und wer 800 Euro extra bezahlt, klappt aus dem Untergeschoss zwei Notsitze aus. Dort finden zwar allenfalls Kinder Platz, wenn die reguläre Rücksitzreihe nach vorne geschoben wurde, doch genau dafür wurde diese Möglichkeit gemacht. Wer jemals den Nachwuchs nebst Freundeskreis zum Fußballtraining oder ins Schwimmbad spedieren musste, wird diese Variabilität sehr zu schätzen wissen.

An Assistenzsystemen mangelt es natürlich nicht, der neue Nissan X-Trail beobachtet die Spurhaltung und den rückwärtigen Verkehr, achtet auf Verkehrszeichen und erkennt Gefahrensituationen, die er mit entsprechenden Bremsmanövern entschärft. Das aktive Fahrwerk arbeitet wie auch beim Nissan Qashqai mit (im Fahrbetrieb unmerklichen) Bremsimpulsen, um Nick- und Schwingbewegungen zu unterdrücken.

Fein gemacht hat sich auch der Innenraum. Soft-Touch-Oberflächen, eine mit im Sonnenlicht etwas glitzerig wirkendem Lack überzogene Mittelkonsole, sportlich-komfortable Sitze, moderne Instrumente samt mittigem Info-Display in Farbe. Das wirkt beim hinsehen und –fassen hochwertig, auch wenn in Details (Innenleben des Mittelstaufachs, Türverkleidungen) wiederum etwas sparsamer mit dem Material umgegangen wurde und Plastikfeeling aufkommt.

Im Vergleich zum Vorgänger hat vor allem eine Dimension zugenommen: der Radstand. Der wuchs um 76 Millimeter, während die Außenlänge lediglich um acht Millimeter zulegte. Höhe und die Bodenfreiheit – 210 Millimeter, hierauf ist man bei Nissan besonders stolz – bleiben gleich. Der Zuwachs an Radstand ist im Innenraum deutlich spürbar, vor allem in der zweiten Reihe. Wird diese ganz nach hinten geschoben, gibt es eine fast schon fürstliche Beinfreiheit, überhaupt sitzt es sich hinten ausgesprochen bequem und dank etwas erhöhter Sitzposition auch mit gutem Überblick.

Motorseitig fällt der Kaufentscheid überaus einfach: zum Verkaufsstart des Nissan X-Trail im Juli 2014 gibt es ausschließlich einen 1,6-Liter großen Turbodiesel mit 130 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment. Der lässt sich in drei Varianten ordern: Frontantrieb als Sechsgang-Schalter, mit der stufenlosen Automatik oder gegen 2.000 Euro Aufpreis als Allrad-Modell, nur zu haben mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Mit diesem waren wir auf unserer ersten Testfahrt unterwegs. Der Allradantrieb des Nissan X-Trail 2014 wird wie beim Vorgänger über einen Drehregler bedient. Frontantrieb, automatisch zuschaltender Allrad und eine Sperre mit fester 50:50-Verteilung sind wählbar.

Nissan X-Trail 2014 mit Einheits-Motor

Der Dieselmotor klingt auf den ersten Metern etwas blechern-heiser. Erst bei höherem Tempo jenseits der Stadtgrenze tritt er in den Hintergrund, wird von den Fahrgeräuschen überlagert. Insgesamt ist der neue Nissan X-Trail jedoch ein ziemlich leises Auto, Wind- wie Abrollgeräusche sind auch bei schneller Fahrt sehr dezent.

Antriebseitig gibt es Licht und Schatten. Der verhältnismäßig kleine Dieselmotor ist im unteren Drehzahlbereich weitgehend ratlos. Verwertbaren Schub gibt es erst ab rund 1.600 Umdrehungen, untertourig im großen Gang durchbeschleunigen kann man getrost vergessen. Das etwas knorpelig zu schaltende und etwas unexakt geführte Schaltgetriebe macht diesen Umstand nicht besser.

Einmal in Fahrt, geht es allerdings bei Bedarf rasch voran, wenn man die Drehzahl nicht unter 2.000 Umdrehungen fallen lässt. Dann zeigt der neue Nissan X-Trail 2014 sein zweites Gesicht: er kann auch flott. Wer ihn fest am Gas hält, erntet erstaunliche Dynamik. Im Rahmen der Möglichkeiten, welche die 130 PS-Maschine bereit stellt, lässt sich der Nissan X-Trail durchaus zügig bewegen, unterstützt von einer sehr direkt agierenden, dennoch nicht zu festen Lenkung. In Kurven muss man jedenfalls kaum ein anderes SUV fürchten, die geht der Nissan X-Trail sehr neutral, haftstark und wankfrei an, das ESP hebt erst dann den Zeigefinger, wenn es wirklich arg wird.

Nissan X-Trail 2014: Preis ab 26.550 Euro

Das dynamische Kurvenverhalten erkauft sich der Nissan X-Trail mit einer etwas stuckerigen Unbeholfenheit auf Unebenheiten, schlechte Straßen und Schlaglochstrecken poltern deutlich wahrnehmbar zu den Passagieren durch. Eine Sänfte ist er nicht.
Preislich sortiert sich der neue 2014er Nissan X-Trail im Umfeld der Wettbewerber ein, hat aber ausstattungsseitig mehr zu bieten. Los geht es bei 26.550 Euro für den Nissan X-Trail Visia, der mit allen Extras ausstaffierte Nissan X-Trail Tekna zieht bei 34.650 Euro den Schlussstrich. Allrad kostet 2.000 Euro zusätzlich, nach Ansicht von Nissan werden rund 50 Prozent der Käufer nicht auf das überlegene Antriebssystem verzichten.

Fazit:

Der neue Nissan X-Trail 2014 entfernt sich sehr deutlich von seinen Vorgängern, ist eher ein Qashqai XL mit mehr Luxus-Optionen. Das Raumangebot und die Variabilität überzeugen, die Dynamik-Reserven des Fahrwerks sind der Leistungsfähigkeit des einzig verfügbaren Motors deutlich überlegen. Der Preis ist fair, die optional erhältliche Ausstattung käme auch eine Klasse höher gut an. Abseits der Straße sollte man allerdings nicht mehr zu viel wagen ­– trotz zum Vorgänger identischer Bodenfreiheit und gleichartigem Allradsystem ist wegen der langen Überhänge jenseits ausgefahrener Feldwege sehr schnell Ende Gelände. Wir wetten trotzdem: der wird sich richtig gut verkaufen.

Fazit

Der neue Nissan X-Trail 2014 entfernt sich sehr deutlich von seinen Vorgängern, ist eher ein Qashqai XL mit mehr Luxus-Optionen. Das Raumangebot und die Variabilität überzeugen, die Dynamik-Reserven des Fahrwerks sind der Leistungsfähigkeit des einzig verfügbaren Motors deutlich überlegen. Der Preis ist fair, die optional erhältliche Ausstattung käme auch eine Klasse höher gut an. Abseits der Straße sollte man allerdings nicht mehr zu viel wagen ­– trotz zum Vorgänger identischer Bodenfreiheit und gleichartigem Allradsystem ist wegen der langen Überhänge jenseits ausgefahrener Feldwege sehr schnell Ende Gelände. Wir wetten trotzdem: der wird sich richtig gut verkaufen.

Technische Daten
Nissan X-Trail 1.6 dCi Visia Nissan X-Trail 1.6 dCi Tekna Nissan X-Trail 1.6 dCi 4x4 Tekna
Grundpreis 26.790 € 36.990 € 38.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4640 x 1820 x 1710 mm 4640 x 1820 x 1710 mm 4640 x 1820 x 1710 mm
KofferraumvolumenVDA 550 bis 1982 l 550 bis 1982 l 550 bis 1982 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 188 km/h 186 km/h
Verbrauch 4,9 l/100 km 4,9 l/100 km 5,3 l/100 km
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