Fahrbericht Opel Astra K (2015)

Wie der neue Golf-Gegner fährt

Opel Astra 2015 Bratislava Fahrbericht Foto: Jonas Greiner 20 Bilder

Opel nimmt erneut Anlauf, um die Spitze des Kompaktsegments zu erobern. Wir durften ans Steuer des neuen Astra und sogar das neue Wunderlicht bei Nacht probieren. Wie nah kommt der Astra Jahrgang 2015 ran, an den Klassenprimus VW Golf?

Alles wird größer. Smartphone-Displays, Anforderungen an Berufseinsteiger und eben oft auch Autos. Nicht so der neuste Opel Astra. Das Kompaktmodell schrumpft in der Länge um fünf und in der Höhe um zwei Zentimeter. Den Bauchspeck hat sich der Rüsselsheimer zudem abtrainiert und ist je nach Modell mindestens 140 Kilo leichter geworden. Komplett neue Motoren gibt´s oben drauf. Also ran an den (abtrainierten) Speck und auf zur Testfahrt.

Schon beim Einsteigen gefällt der Neue mit luftigem Raumgefühl. Trotz des Minus bei Länge und Höhe haben alle Passagiere bequem Platz, sowohl vorne als auch hinten. Bei der Innenraumgestaltung haben die Rüsselsheimer nachgelegt: Das Cockpit sieht gut aus und fühlt sich gut an - die Wertigkeit der Materialien ist spürbar gestiegen.

Opel Astra 2015 Bratislava Fahrbericht
Fahrtermin Opel Astra 1:50 Min.

Opel Astra bringt weniger Leistung als erwartet

Unser Testwagen war mit dem neuen 1,4 Liter Vierzylinder-Turbo ausgestattet. Dieser Benziner leistet 150 PS - fühlt sich aber nicht so an. Die Erwartungen, ordentlich Turbopower könnte zusammen mit Gewichtseinsparungen für ein rasantes Fahrgefühl sorgen, wird enttäuscht. Aus dem Drehzahlkeller klettert der Astra etwas bemüht. Erst auf Landstraßen lässt er sich durchaus spritzig durch Kurven und über Kuppen scheuchen. Das erfordert aber ordentlich Schaltarbeit mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe. Wer sportlich unterwegs sein will, muss bis 120 km/h die Gänge 5 und 6 auslassen.

Super: die Vordersitze. Der Fahrer kann von der Neigung der Sitzfläche bis hin zu der Enge der Seitenwangen stufenlos durchregulieren, sich massieren, lüften oder aufheizen lassen. So bleibt man auch auf unebenen Straßen fest im Sattel und kann sich den potentiellen Angstschweiß wegkühlen lassen. Weniger entspannt sitzt es sich im Fond. Nicht weil es dort an Platz mangelte, sondern weil es einiges holpriger zugeht - zur Verbesserung des cW-Wertes wanderte die Hinterachse näher an den Fahrzeugboden. Jetzt scheint es ein wenig an Federweg zu fehlen.

Das Fahrwerk macht Meldung

Ansonsten macht das Fahrwerk einen sehr guten Job. Einfache Unebenheiten werden weggebügelt, das Gefühl für die Straße bleibt dabei nicht auf der Strecke. Der Asphalt darf immer noch ein bisschen Rückmeldung bis zum Fahrer durchschicken. Die Bedienung des Infotainment-Systems ist ein klarer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Trotzdem bleibt Luft nach oben. Dass sich im Navi gespeicherte Routen beispielsweise hinter dem Icon "Kontakte" verbergen, macht auf Anhieb nicht wirklich Sinn. Zudem fehlt ein Button, um direkt auf Navi zu schalten, unterhalb des Displays. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass sich dieser auf dem Touchscreen von oben ausklappt, sobald man den Bildschirm berührt.

Sonst lässt sich der Astra aber gut bedienen. Die Schalteranordnung ist sinnvoll und gut platziert, auch Neulinge dürften sich im Cockpit des neuen Opel Astra schnell zurechtfinden. Das Service-System Onstar, das mit dem neuen Astra seine Premiere in Deutschland feiert, bringt drei neue Tasten mit sich. Sie sitzen vor dem Innenspiegel am Dach und stören die Strukturierung des Cockpits nicht. Der Dienst könnte bei den Kunden ein echtes Bedürfnis erfüllen. So kann man sich durch einen Knopfdruck mit einen Onstar-Mitarbeiter verbinden lassen, der einem dann bei Bedarf eine Route ins Navi laden oder den Zustand des Fahrzeugs rapportieren kann. Das funktioniert auf Anhieb sehr gut und unkompliziert.

Opel Astra reguliert den Leuchtkegel

Das hoch gepriesene Intellilux LED-Licht ist in dieser Klasse ein echtes Alleinstellungsmerkmal und bei Opel ein wichtiger Teil der Kommunikationsstrategie. Auf ebenen Pisten weiß die Technik zu beeindrucken. Man fährt quasi mit Dauer-Fernlicht, das System blendet vorausfahrende und entgegenkommende Fahrzeuge aus dem Lichtkegel aus. Das Ergebnis ist eine deutlich verbesserte Sicht. Zaubern kann auch auch Intellilux nicht. Bei unseren ersten Fahrten ließ die Reaktionszeit des Systems noch etwas zu wünschen übrig. Und in Kurven und an Kuppen kommt die Technik an ihre physikalischen Grenzen und erkennt andere Verkehrsteilnehmer eben erst, wenn deren Lichtkegel auf den Intellilux-Sensor trifft. Gefühlt ist das aber zu spät. Immerhin: Die kontinuierliche Regulierung der Ausleuchtung lässt sich bei Bedarf ausschalten.

Apropos Sichtverhältnisse: In Sachen Rundumsicht lässt der Astra einige Konkurrenten hinter sich. In alle Richtungen ist ein ausreichend großes Sichtfeld vorhanden.

Fazit:

Der Opel Astra der fünften Generation ist ein gutes Auto. Optisch und technisch ist der Kompakte aus Rüsselsheim am Puls der Zeit. Verarbeitung und Gestaltung machen einen sehr guten Eindruck. Das Raumgefühl ist wohl einer der größten Pluspunkte des Astra, der 1,4-Turbo-Benziner weniger. Fürden Alltagsgebrauch reicht er natürlich völlig aus. Ambitionierte Fahrer sollten aber wahlweise zum 1,6-Liter mit 200 PS oder zu einem vermutlich durchzugskräftigeren Dieselaggregat greifen - zusammen mit den sonstigen Qualitäten eine vielversprechende Kombination in der Kompaktklasse.

Fazit

Der Opel Astra der fünften Generation ist ein gutes Auto. Optisch und technisch ist der Kompakte aus Rüsselsheim am Puls der Zeit. Verarbeitung und Gestaltung machen einen sehr guten Eindruck. Das Raumgefühl ist wohl einer der größten Pluspunkte des Astra, der 1,4-Turbo-Benziner weniger. Fürden Alltagsgebrauch reicht er natürlich völlig aus. Ambitionierte Fahrer sollten aber wahlweise zum 1,6-Liter mit 200 PS oder zu einem vermutlich durchzugskräftigeren Dieselaggregat greifen - zusammen mit den sonstigen Qualitäten eine vielversprechende Kombination in der Kompaktklasse.

Technische Daten
Opel Astra 1.4 DI Turbo Start/Stop Dynamic
Grundpreis 24.330 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4370 x 1809 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 370 bis 1210 l
Hubraum / Motor 1399 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Verbrauch 5,1 l/100 km
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