Opel Corsa, Seite Thorsten Weigl

Opel Corsa (2019) im Fahrbericht

So fährt die 6. Corsa-Generation

Als erstes eigenständiges, unter PSA-Regie entwickeltes Modell rollt im November der neue Opel Corsa zu den Händlern. Nach einer Ausfahrt mit Prototypen des Kleinwagens lässt sich sagen: Früher war nichts besser.

Ruhe. Auch mal schön. Das Achtstufen-Automatikgetriebe lässt den 130 PS starken Turbobenziner mit 2.200 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute arbeiten, dessen erst im oberen Bereich kerniger Klang nun stark abgesoftet in das Interieur dringt. Du sitzt bestens hinter dem Lenkrad positioniert, nicht zu hoch, die Rundinstrumente informieren über alles Wesentliche, die Klimaautomatik hält die Temperatur leise bei 20 Grad Celsius.

Draußen pladdert es. Das Fahrwerk mit den 17-Zoll-Rädern bekommt zuweilen heftige Anregungen von den nur mäßig eben asphaltierten Straßen, verarbeitet sie sauber, gerade noch angemessen straff, frei von pseudo-sportlicher Härte. Kein Poltern, kein Trampeln. Lenkung, Motor und Getriebe arbeiten im Normal-Modus, alternativ ließen sich die Modi Eco, Sport und Manuell zur Wahl. Bei letzterem könntest du die Gänge per Paddel am Lenkrad wechseln, was mit kurzen Reaktions- und Schaltzeiten möglich wäre. Doch dann wäre ja die Ruhe weg.

Klingt alles nach einer ausgewachsenen Mittelklasse-Limousine? Klingt so. Die Realität: Opel Corsa, sechste Generation. Ab November beim Händler und das erste Produkt, das Opel als jüngstes Familienmitglied des französischen PSA-Konzerns (Peugeot, Citroën, DS) als eigenständiges Modell entwickelt.

Neue Basis, größere Außenabmessungen

Opel Corsa, Front
Charlie Magee
Fahrdynamisch hat der neue Corsa ordentlich zugelegt. Er fährt sich nicht nur agiler als sein Vorgänger, sondern hat auch beim Fahrkomfort noch eine Schippe draufgelegt.

Die Basis bildet die so genannte CMP-Architektur, die es mit drei verschiedenen Radständen, zwei Spurweiten sowie drei unterschiedlichen Heckträgern gibt – und einen rein elektrischen Antriebsstrang ermöglicht. Opel modelliert darüber eine 4,06 Meter lange Karosserie (plus vier cm), 1,43 Meter hoch (fünf cm flacher) und mit knapp 1,80 Meter breiter. Eine exakte Breitenangabe steht noch aus, aber da der Kofferraum um über sieben Zentimeter breiter wird (Volumen 309 statt 285 Liter), dürfte auch die Karosserie die ihres Vorgängers (1,75 Meter) deutlich übertreffen. Der Radstand legt um drei Zentimeter auf 2,54 Meter zu. Ebenfalls eine Folge der neuen Architektur: Der Hüftpunkt sinkt um knapp drei Zentimeter. Da darf dann auch die Motorhaube kürzer ausfallen und die Windschutzscheibe nach hinten rutschen, das Platzangebot bleibt tadellos, die Kopffreiheit wächst sogar. Um bescheidene drei Millimeter – immerhin. Mit weiteren Fakten möchte Opel noch nicht herausrücken, da die Homologation des Corsa noch aussteht.

Ein Versprechen gibt es aber schon mit auf den Weg: Alle Antriebe unterbieten in ihrer Effizienz selbst die genügsamste Variante des Vorgängers (75 PS-Benziner, 4,8 L/100km, 108 g/CO2 ). Wer sind denn „alle“? Zum Marktstart können Corsa-Käufer zwischen drei Benzinern (75, 100, 130 PS) und einem Diesel (100 PS). Ja, ein Diesel. Sei vor allem für südeuropäische Märkte wichtig, sagt der Hersteller. Hier hingegen dürfte er sich nur für unerschrockene Vielfahrer (schätzungsweise 40.000 Kilometer Jahresfahrleistung) rechnen.

Opel Corsa (2019) im Fahrbericht
6:00 Min.

Abgesehen davon: Die beiden Turbobenziner bereiten schon arg viel Freude. Und es lässt sich schnell ein Favorit einkreisen, denn das 130 PS ist in so einem Kleinwagen absoluter Luxus, erst recht in der Kombination mit der akribisch abgestimmten Achtstufen-Automatik von Aisin. Bereits der Standard-Modus lässt neben der entspannten auch eine engagierte Fahrweise zu, die Lenkung arbeitet präzise mit angenehmen Haltekräften und guter Rückmeldung.

Das Dreizylinder-Aggregat entwickelt ab etwa 2.000/min ordentlich Druck, das Getriebe wählt schnell und sanft die passende Übersetzung. Mehr Feuer? Dann Sport wählen – und die Sinne schärfen. Denn allzu groß fällt die Differenzierung nicht aus. Die Lenkung festigt sich ein wenig, der Motor reagiert etwas unmittelbarer, das Getriebe lässt hier und da den kleineren Gang etwas länger drin. Und nun?

Über 100 kg leichter

Opel Corsa, Seite
Thorsten Weigl
Die leichteste Variante soll dank neuer Plattform unter einer Tonne wiegen. Und mit bis zu 130 PS geht der kleine Blitz dabei mehr als ordentlich voran.

Entweder bis zum Marktstart nachschärfen. Oder? Ach, ganz lassen. Weil der 100 PS starke Benziner mit manuellem Sechsganggetriebe dich ebenso mitreißt, schließlich entwickelt er ein maximales Drehmoment von 205 Newtonmeter – und der neue Corsa soll ganze 108 Kilogramm leichter geworden sein als sein Vorgänger, wiegt mindestens 980 kg. Wie viele Pfunde es am Ende auch sein mögen, er fühlt sich definitiv leichter an, steifer ebenso, lebendiger, erwachsener.

Auch weil die Ingenieure aus Segment-typisch einfacher Fahrwerks-Hardware (MacPherson-Achskonstruktion vorne, Verbundlenkerachse hinten) das Maximum herausholen, zumindest dann, wenn alltagstauglicher Federungskomfort erhalten bleiben soll. Dafür wählen die Entwickler Straßen entlang der Deutsch-Französischen Grenzen, die mit fiesen Verwerfungen unterschiedlichster Amplituden das Fahrwerk anregen. Ja, der Opel Corsa federt straff, verbindlich, aber eben auch: ungerührt, bemerkenswert souverän.

Opel Corsa-e
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Und du freust dich auf die nächste Kurve, die hier nie lange auf sich warten lässt. Schaltest herunter, wünscht dir eine etwas präzisere Führung des Schalthebels, freust dich über das lässige Einlenken, den homogenen Lenkkraftaufbau, darüber dass du mit konstantem Lenkwinkel durch den Scheitelpunkt witschen kannst. Der Aktuator der elektromechanischen Servolenkung sitzt nicht mehr auf, sondern am unteren Ende der Lenkstange. Das ermöglicht ein authentischeres Lenkgefühl. Muss alles nicht sein? Nein. Muss es nicht. Ist doch aber schön, wenn es geht.

Wenn dann auf der Geraden der Motor sich jenseits von 4.000/min in Rage pröttelt, dabei aber nicht ärgerlich laut wird und nur wenige Vibrationen weiterleitet. Kurven klatschen sich in schneller Reihenfolge ab, der Opel Corsa nimmt sie alle mit geringen Aufbaubewegungen, ernster Traktion und hoher Fahrsicherheit. Doch mit zunehmender Fahrtdauer wünscht du dir etwas fester gepolstertere Sitze, ein wenig mehr Seitenhalt noch dazu. Aber sonst?

Eigentlich nichts. Außer, dass Opel sich nicht allzu weit vom Preisniveau des Vorgängers (ab rund 13.000 Euro für einen viertürigen 75 PS-Benziner). Und dass er sich im ersten Vergleichstest wacker schlagen möge. Einzig der Wunsch nach Ruhe, der ruht. Mögen die nächsten Kurven kommen.

Opel Corsa, Front
Opel Corsa, Front Opel Corsa, Front Opel Corsa, Front Opel Corsa, Seite 19 Bilder

Fazit

Mag sein, dass es Kleinwagen gibt, die komfortabler federn und agiler um die Ecken wetzen. Aber beides zusammen? Eher nicht. Die Corsa-Prototypen aus der zweiten von vier Vorserien wirken schon sehr reif, fahren unterhaltsam, aber auch erwachsen. Tja, und das geht sogar mit deutlich reduziertem Fahrzeuggewicht. Daher reicht der 100 PS-Benziner völlig. Was noch fehlt? Festere Sitze und eine etwas weniger luschige Führung des Schalthebels.

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