VW Polo 1.6 Blue Motion Technology Hans-Dieter Seufert
VW Polo 1.6 Blue Motion Technology
VW Polo 1.6 Blue Motion Technology
Opel Corsa 1.3 CDTi Ecoflex
VW Polo 1.6 Blue Motion Technology
Opel Corsa 1.3 CDTi Ecoflex 19 Bilder

Opel Corsa 1.3 CDTi Ecoflex und VW Polo 1.6 TDI Blue Motion

Zwei CO2-Sparversionen im Fahrbericht

Die Sparversionen von Opel Corsa und VW Polo brillieren mit CO2-Werten unter
100 Gramm/Km und guten Allroundeigenschaften. Welche bietet den höheren Nutzwert?

Sie zählen zu den Musterknaben der Nation, der Opel Corsa 1.3 CDTi Ecoflex und der VW Polo 1.6 TDI Blue Motion Technology. Warum? Sie sind klein und kompakt, bieten aber dennoch Platz für eine vierköpfige Familie. Ihre Dieselmotoren sind mit knapp unter 100 PS der Papierform nach kräftig genug, um ansprechende Fahrleistungen zu realisieren. Und sie gehen zudem ganz besonders geizig mit Kraftstoff um, wie ihre verheißungsvollen Zusatzbezeichnungen verraten. 

Opel Corsa mit Feintuning im Detail

Sie kommen mit der berühmten weißen Weste daher – der viertürige Opel Corsa mit einem CO2-Ausstoß von 98 g/km und der ebenfalls viertürige VW Polo mit 96 g/km. Die Kostverächter der Kleinwagen-Kategorie setzen dabei keineswegs nur auf moderne Dieseltechnik, sondern auch auf Feintuning im Detail. Die Karosserie des Opel Corsa beispielsweise ist um 20 Millimeter tiefergelegt und weist an der Front eine zusätzliche Spoilerlippe auf. Beide Maßnahmen dienen der aerodynamischen Optimierung. Außerdem fördert die längere Getriebeübersetzung des Opel eine drehzahlschonende Fahrweise, die sich ebenso positiv auf den Verbrauch auswirkt wie die Schmalspur-Bereifung 175/70 im 14-Zoll-Format.

Opel und VW verzichten auf ein Sechsganggetriebe

Auf Spezialreifen rollt auch der Volkswagen. Seine Pneus (185/60 R15) sind rollwiderstandsoptimiert, aber breiter als die des Rivalen. Zudem bietet der VW Polo serienmäßig eine gut funktionierende Start-Stopp-Automatik, die den Motor abschaltet, wenn der Wagen steht, und die erfahrungsgemäß vor allem im Stadtverkehr den Konsum messbar um einige Zehntelliter reduziert. Dagegen verzichten beide Konkurrenten auf ein Sechsganggetriebe. Es könnte den Konsum zwar in der Praxis sehr wohl weiter verringern, hätte aber auf den im ECE-Prüfstandslauf ermittelten Normverbrauch keinen positiven Einfluss. Allein das ist für die Autohersteller Grund genug, sich die Mehrkosten von geschätzten 50 Euro zu sparen. Schade.

Mit dem VW Polo sind unter fünf Liter Verbrauch möglich

Da mag man sich damit trösten, das es auch mit fünf Gängen flott und kommod vorwärtsgehen kann, wie der VW Polo eindrucksvoll demonstriert. Sein neuer 1,6 Liter großer TDI-Motor, ausgerüstet mit moderner Common-Rail-Direkteinspritzung, begeistert bis auf eine Anfahrschwäche nicht nur mit gleichmäßiger Leistungsentfaltung und prima Fahrleistungen, sondern auch mit überragender Kultiviertheit. Er läuft überraschend leise, sehr vibrationsarm und mechanisch auffallend sanft. Überhaupt kein Vergleich zu den ungehobelten Manieren der mit Pumpe-Düse-Technik bestückten Vorgänger. Obendrein geht der TDI sehr verantwortungsbewusst mit Kraftstoff um. Im Fahrbericht genehmigte er sich 5,3 Liter pro 100 Kilometer. Das ist ein Wort. Wer gar vorausschauend fährt und das Gaspedal gefühlvoll behandelt, kommt spielerisch einfach auf Verbrauchswerte mit einer Vier vor dem Komma.

Opel Corsa mit durchschnittlich 5,5 Litern Verbrauch

Das schafft auch der Opel Corsa, der unter Versuchsbedingungen mit durchschnittlich 5,5 L/100 km nur unwesentlich mehr Durst entwickelte. Ansonsten tut sich der Common-Rail-Diesel aber schwer, ein Lächeln auf das Gesicht seines Fahrers zu zaubern. Zu groß ist seine Durchzugsschwäche bei niedrigen Drehzahlen, zu sehr nervt die Unkultiviertheit seiner Maschine, die sich in rauem, lautem Lauf, aufdringlichem Kaltlauf-Nageln sowie ständigen, in Gaspedal, Schalthebel und Lenkrad spürbaren Vibrationen äußert. Das Hubraum-Manko kann der 1,3-Liter trotz variabler Schaufelgeometrie seines Turboladers und kurzer Getriebeübersetzung nicht ausgleichen, was auch die deutlich schlechteren Elastizitätswerte zeigen.

Keine Fahrfreude mit dem Opel Corsa Ecoflex

Das Streben nach Sparsamkeit erkauft sich der Opel Corsa auch mit anderen Nachteilen, die in erster Linie aus der schmalen, kleinen Bereifung sowie aus den kürzeren Federwegen seiner tiefergelegten Karosserie resultieren. Bei zügiger Gangart etwa mangelt es nicht nur seiner Lenkung an der gewünschten Präzision, sondern der im Fahrwerksbereich modellgepflegte Opel Corsa schiebt in Biegungen auch kräftig über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand. Das macht ihn zwar nicht grundsätzlich fahrunsicher, denn er kündigt das Untersteuern früh an und bleibt beim Gaswegnehmen gut kontrollierbar, aber es will eben auch keine Fahrfreude aufkommen. Außerdem federt der straff abgestimmte Opel Corsa auf kleinen Unebenheiten wenig geschmeidig und rollt geräuschvoll ab.

VW Polo und Opel Corsa sind keine Sänften

Auch der VW Polo ist keine Sänfte, wirkt aber insgesamt verbindlicher. Seine weichere Federung spricht feinfühliger an, kann jedoch auf langen Wellen vor allem bei hoher Zuladung Wankbewegungen der Karosserie nicht unterbinden. Andererseits umrundet er Kurven wesentlich neutraler als der Opel Corsa, folgt Lenkbewegungen präziser und unterstreicht damit seine fahrdynamische Überlegenheit.

Wie erwachsen der VW Polo geworden ist, demonstriert er beispielsweise auch mit angenehmer Sitzposition, ausgezeichnet profilierten, auch auf langen Strecken bequemen Sitzen, sehr übersichtlich gezeichneten Instrumenten, vorbildlicher Ergonomie seiner leichtgängigen, exakt rastenden Schalter und Drehregler sowie einem Material- und Verarbeitungseindruck, dessen Güte in dieser Klasse keinesfalls üblich ist und klar die Maßstäbe setzt.

Das Kostenkapitel gewinnt der Opel Corsa

Da streckt sich der Corsa vergebens. Ein wenig Klavierlack im Cockpit, schön – aber auch viel Hartplastik, die unübersichtlichere Bedienung mit teilweise kleinen, verstreut platzierten Schaltern, zu eng geschnittene Sitze und in Details nicht jene Verarbeitungssorgfalt, die ein perfektes Finish ausmacht. Allein in Sachen Raumangebot hat der Opel Corsa die Nase vorn. In seinem Fond geht es luftiger zu, er bietet deutlich mehr Bewegungsfreiheit für Füße und Beine. Pari beim Kofferraum (um 280 Liter), größere Transporte aber lassen sich mit dem Corsa dank 1.100-Liter-Laderaum entspannter abwickeln. Die Kosten-Wertung ist das einzige Kapitel, das der Opel wegen seines um 1.120 Euro günstigeren Preises gewinnen kann. Eine hübsche Stange Geld, gar keine Frage. Aber die ist in der Nummer eins unter den Musterknaben besser angelegt.

Fazit

Dieser Vergleich hat einen unangefochtenen Sieger: den VW Polo. Er überzeugt mit einer Ausgewogenheit, die an seinen größeren Bruder Golf erinnert. Vor allem seine harmonische, sparsame Antriebseinheit weckt Begeisterung, aber auch Fahrwerk und Karosserie zeigen kaum Schwächen. Der Opel Corsa bietet mehr Raum und ist in der Anschaffung deutlich preisgünstiger.

Technische Daten

VW Polo 1.6 TDI BlueMotion Technology Comfortline BlueMotion Technology Opel Corsa 1.3 CDTI ecoFLEX Selection
Grundpreis 17.900 € 15.690 €
Außenmaße 3970 x 1682 x 1462 mm 3999 x 1737 x 1488 mm
Kofferraumvolumen 280 bis 952 l 285 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4200 U/min 70 kW / 95 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 177 km/h
0-100 km/h 11,3 s
Verbrauch 3,7 l/100 km 3,7 l/100 km
Testverbrauch 5,3 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Kleinwagen Tests Fiesta, Corsa, 207 und Polo im Test Vier Eco-Kleinwagen im Vergleich

CO2-Werte unter 100 Gramm pro Kilometer allein reichen nicht, denn...

Opel Corsa
Artikel 0
Tests 0
Generationen 0
Alles über Opel Corsa
Mehr zum Thema CO2
Porsche Produktion
Politik & Wirtschaft
Porsche CO2 Ausgleich Green Collage Dschungel Eisbär
Politik & Wirtschaft
Nicht dann fahren, wenn alle fahren: Clevere Routenplanung hilft gegen die Staufalle.
Politik & Wirtschaft