Foto: Reinhard Schmid
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Opel GT Cabrio im Fahrbericht

Konsequente Offenheit mit 264 Turbo-PS

Muskulöse Optik, konsequente Offenheit plus 264 Turbo-PS: Der rassige Roadster Opel GT beschleunigt nicht nur den Puls treuer Markenfans, sondern besitzt Eroberungspotenzial.

Herzensbrecher, Filou und Macho zugleich: Endlich hat Opel mal wieder einen Emotionsbeschleuniger im Programm. Einen, der mit scharfem Blick auch mal erfolgreich im Konkurrenzrevier wildert und schon im Showroom für feuchte Hände sorgt – wenn er überhaupt dort landet. Denn die meisten GT, die ab März aus dem amerikanischen Wilmington nach Deutschland geliefert werden, sind bereits fest versprochen.

GT und USA, da war doch mal was? Genau, 1968, als GT Nummer eins die Opel-Behäbigkeit ebenso schwungvoll wegwischte wie die revoltierenden Studenten den Muff von tausend Jahren. Dynamisch, frech, selbstbewusst und mit einem Spritzer US-Aroma. Coke-Bottle-Design traf Kadett-Technik, heraus kam eine Baby-Corvette mit hessischem Zungenschlag. Und großem Erfolg in den USA. 70 % der Produktion des Zweisitzer-Coupés gingen bis 1973 nach drüben.

Heute läuft die Sache andersherum. In den USA wuscheln die Geschwister des Opel GT im GM-Konzern – Pontiac Solstice und Saturn Sky – den Roadster-Fans schon seit längerem die Haare durcheinander. Im Gegensatz zum Solstice mit seinem rundlichen Marshmellow-Gesicht grinst der GT allerdings deutlich markanter, während sich hinter der Macho-Mimik des Cabrio bereits der Turbomotor warmläuft.

Zwei Liter groß, 264 PS stark – also eine Doping-Version des 240-PS-Brenners aus Astra und Zafira OPC? Weit gefehlt. Unter der langen Haube steckt ein neues Vierzylinder-Triebwerk, das mit den wesentlichen Zutaten zeitgenössischen Maschinenbaus versehen ist – sprich Direkteinspritzung, variable Nockenwellen (Cam Phase) sowie zweiflutigem Turbolader (Twin Scroll) mit getrennten Kanälen für jeweils zwei Zylinder.

Bereits ab 1.500 U/min stretcht sich der Vierventiler, holt ab 2.000 fröhlich pfeifend Luft und spannt danach sanft, aber energisch die Muskeln. Doch auf dem schwerpunktgünstigen Platz hinter der Vorderachse lauert kein Lader-Bösewicht, der seinen Piloten mit plötzlichem Punch überrumpelt. Im Gegenteil: Der Roadster ist richtig kultiviert, nicht nur wegen seiner beiden Ausgleichswellen. So kalkulierbar, federnd, ja fast brav, dass die versprochenen 5,7 Sekunden für den Sprint von null auf 100 etwas optimistisch erscheinen.

Trotzdem: Der von 353 Newtonmeter Drehmoment der Marke Hochplateau gefütterte Durchzug dürfte der Konkurrenz in der 30.000-Euro-Liga zu knapsen geben. Hochdrehzahlfans zieht der Opel GT allerdings die Mundwinkel herunter, jenseits der 6.000er-Marke schwindet sein Elan. Zum Grinsen heißt es raufschalten, ziehen lassen und sich bei Gaswechseln am seufzenden Abblasgeräusch des Laders erfreuen.

Oder an der ausschließlich lieferbaren Fünfgang-Schaltung. Die erreicht zwar nicht ganz das Präzisionsniveau feinmechanischer Könner des Genres, passt aber mit ihrer spürbar direkten Anbindung des Schalthebels an das unmittelbar darunter liegende Getriebe gut zum GT.

Überhaupt propagiert der mit einem stabilen Rückgrat-Rahmen versehene Opel klassische Roadster-Tugenden wie aus dem Lehrbuch: lange Haube, langer Radstand, breite Spur, Heckantrieb sowie einen weit nach hinten versetzten Längsmotor für nahezu ausgeglichene Achslastverteilung.

Ein Package, das Kompromissbereitschaft von den Insassen fordert. Bei geöffnetem Dach schluckt das Heckabteil lediglich 66 Liter, geschlossen sind es 157 Liter. Da helfen Handschuh- sowie ein kleines Extra-Staufach kaum weiter. Und zum Öffnen und Schließen des manuell betätigten Stoffdaches des Cabrios muss man aussteigen, um den hinten angeschlagenen Kofferraumdeckel zu schließen und nach Zuklappen des Daches die beiden Zapfen an der Verdeckrückseite einzurasten. Das geht anderswo leichter und fixer.

Dafür bietet der GT ein ungefiltertes Frischlufterlebnis jenseits föhnwellen-schonender Klappdach-Konstrukte. Bei versenkten Seitenscheiben stürmt es herb, heraufgefahren sorgen sie im Zusammenspiel mit der hohen Gürtellinie noch für ambitioniertes Haarstrubbeln. Windschott? Noch nicht im Programm. Wem es zu viel wird, der muss sich halt wieder in den geschlossenen Kokon unter dem gemütlichen Stoffverdeck zurückziehen.

Dort offeriert der GT bequeme Sitze (gegen Aufpreis mit Lederbezug), informiert seinen Piloten über klassische Rundinstrumente in Höhlen und unterhält ihn mit seiner serienmäßigen Stereoanlage. Deren problemlose Bedienbarkeit wird allerdings von der bei Lichteinfall kaum ablesbaren Matrixanzeige in der Mittelkonsole getrübt. Neben glänzend schwarzer Klavierlackoptik mit Chrom-Akzenten dominieren schwarz genarbte Kunststoffe – nicht überall kratzfest, aber immer fühlbar budgetorientiert.

Hier scheinen die amerikanischen Wurzeln ebenso durch wie bei Lenkung und Federung. Der GT nimmt gelassenes Schlendern nicht krumm, verzichtet auf ständiges zappeliges Anfeuern seines Piloten und erspart den Insassen eine knochenschüttelnde Federung. Trotzdem ist er dynamischer als die US-Version. Schließlich verpasste ihm Opel eine tempotaugliche Europa-Abstimmung und rüstete die Bremsen mit veränderten Belägen aus, um Fading zu verhindern. Diese Maßnahmen kommen auch den Turbo-Versionen der US-Geschwister zugute, die alternativ mit einem 2,4-Liter-Saugmotor erhältlich sind.

Die Lenkung blieb dagegen beim Opel-Ableger unangetastet. Sicherer Geradeauslauf und ruhige Reaktionen auf Richtungswechsel genießen klare Priorität gegenüber unbedingter Direktheit. Höchstens in langgezogenen Kurven wünschen sich Ambitionierte mehr Präzision und Rückmeldung. Hier wirkt sie bisweilen unschlüssig und verlangt nach leichten Korrekturen.

Ansonsten erleichtert das Opel GT Cabrio mit seinem Aluminium-Fahrwerk und Doppeldreiecks-Querlenkern dem Piloten unbeschwertes Kurvenswingen. Spontanes Einlenken, klar fühlbarer Grenzbereich und ein dreistufig schaltbares elektronisches Stabilitätsprogramm helfen dabei. Auf den Komplettschutz in Stellung eins folgt die sichere Spaßvariante mit deaktiviertem ASR für zart angedeutete Drifts, bevor sich die Elektronik auf weiteres Knopfdrücken schrittweise ganz zurückzieht und den Fahrer endgültig in die Pflicht nimmt.

Aber wer möchte an Bord eines GT schon an die Pflicht denken? Dieser knackfrische Opel ist ausschließlich für die Kür.

Technische Daten

Opel GT
Grundpreis 32.400 €
Außenmaße 4100 x 1813 x 1274 mm
Kofferraumvolumen 157 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 194 kW / 264 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 229 km/h
0-100 km/h 6,3 s
Verbrauch 9,1 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
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