Opel Insignia

Omega von morgen

Foto: Achim Hartmann

Als Opel aus einer anderen Welt präsentiert sich der Insignia. Die noble Oberklasse-Studie wirkt wie der endgültige Aufbruch zu neuen und alten Image-Ufern. Schließlich gilt die Studie als Omega-Nachfolger.

Das Licht ist mintfarben gedimmt, die Havanna glimmt. Schwere Ledersessel bringen den Körper in Ruheposition. Der Blick gleitet über Ebenholzpaneele, verliert sich in den Spiegelungen des Klavierlacks. In der Hand ein Glas Champagner, der cool perlt wie Miles Davis’ Jazz. Gewiss, der Vergleich von Luxusliner und Lounge wird häufig strapaziert. Vor allem in Verbindung mit der Marke Rolls-Royce. Doch hier ist er neu. Denn mit einer Großstadt-Bar ließ sich der Innenraum eines Opel noch nie in Beziehung setzen. Dieser schon: Er gehört der Oberklasse-Studie Insignia. Ein schwerer Wagen, der Internationalität ausstrahlt, so stilsicher Luxus kultiviert, als würden die Opel-Werker täglich nur mit Holz, Leder und Alu statt Hartplastik, Stoff und Blech arbeiten. Die Studie gilt als Omega-Nachfolger, wobei dieser nie ein ähnliches Format besessen hat. Natürlich soll der Insignia die Lücke schließen, die der Omega mit seiner Einstellung hinterlassen hat. Aber auf eine andere Weise. Denn mit einer klassischen Stufenhecklimousine kann Opel hier mit den Top drei, Audi, BMW und Mercedes, nicht konkurrieren. Der Insignia wirkt spannungsgeladen, massig und geduckt, mit agressiv gefletschtem Kühlergrill. Nur vier zugepfeilte Aluminium-Streben scheinen das Maul am Zuschnappen zu hindern. Dass sein Gesicht einmal so selbstbewusst aus der Masse ragen würde, hätte dem Vectra als Begründer des neuen Opel-Stils wohl niemand zugetraut. Und doch ist er als Urvater zu erkennen: an der Bügelfalte, die Kühlergrill und Fronthaube zweiteilt. Der Insignia lebt in einer Designwelt zwischen Coupé und viertürigem Fließheck. Formal höchstens mit dem neuen Bentley Continental GT zu vergleichen. Wäre da nicht die hintere Türe. Man übersieht sie leicht, ohne Griff.

Der fehlt tatsächlich; der Einstieg gelingt ausschließlich auf Knopfdruck – dann, wenn auch die konventionelle vordere Tür offen steht. So wie bei gegenläufigen Wagenschlägen. An einem schwenkbaren Arm, Pentagraph genannt, hängt die Tür. Sie fährt erst ein Stück nach außen, bevor sie Richtung Heck entgleitet und auf Höhe des hinteren Rades verharrt. Dank fehlender B-Säule entsteht ein Portal, das den Innenraum freigibt. Zwischen dunkelbraunen Sesseln mit breiten Nieten heben sich Schränke aus Ebenholz ab. Feine Teppiche harmonieren farblich mit einem Baldachin aus Wildleder – Luxus-Ambiente ohne Protz. Erst Lenkrad und dahinter liegende Instrumente – beide konventionell – erden den Betrachter wieder, holen ihn zurück aus der Welt der Cuba Libre und Martini. Vom Fahrersitz aus gleitet der Blick umher auf der Suche nach Bedienelementen. Zu erkennen sind nur zwei Satelliten neben den Instrumenten. Licht, Blinker und Scheibenwischer lassen sich hier aktivieren. So puristisch ist nicht einmal ein Speedster bestückt. Erst die Mittelkonsole im Stil eines geöffneten Konzertflügels fördert mittels dreier runder Knöpfe verborgene Talente zu Tage. Ein skizzierter Sitz steht für Komfort, zwei Noten für Entertainment, ein i für Information. Drückt man ein Symbol, verschwindet die nebenstehende Klappe ins Innere der Konsole und gibt den Platz frei für eine Schalttafel. Gleichzeitig öffnet sich am oberen Ende der Konsole ein Bildschirm, auf dem die Funktionen eingeblendet werden. Doch die Konsole kann noch mehr: Ihre Fortführung zwischen den beiden hinteren Einzelsitzen birgt einen DVD-Player samt klappbarem Bildschirm, ein Kühlfach sowie darüber einen Humidor mit Luftfeuchtigkeits-Anzeiger. Der eigentliche Clou: ein versteckter fünfter Sitzplatz. Ebenfalls auf Knopfdruck verschwindet die Konsole im Getriebetunnel und unter dem Gepäckraumboden. Danach entfaltet sich eine Art besserer Schwiegermuttersitz. Ein Druck auf den Startknopf weckt den Achtzylinder. Er stammt ebenso wie das Automatikgetriebe aus der Corvette und beantwortet kräftiges Gasgeben mit einem V8-Gewitter, das die Insassen aus ihrer Lethargie reißt. Noch brüllt der Motor, in der Serie dürfte er nur standesgemäß säuseln. Beschleunigungsvermögen ist dagegen durchaus erwünscht – der Insignia soll souveränes Fortbewegen ermöglichen. Dank dem coolen Ambiente stellt sich ruhiges Gleiten als natürliche Fortbewegung ein. Ein angenehmer Reisewagen, der nie zu forscher Gangart animiert. Einer, der auch in der oberen Dienstwagenklasse Käufer finden dürfte. Wenn er denn kommt. Noch fehlt das Placet des obersten Opel-Lenkers Carl-Peter Forster (siehe Interview auf Seite 60). Aber die Sterne stehen günstig. Vielleicht nicht für das aufwendige Türsystem und die Ausstattung. Aber für ein viertüriges Familien-Coupé, das kostengünstig auf einer überarbeiteten Heckantriebsplattform der australischen GM-Tochter Holden aufbaut. Ein luxuriöser und noch bezahlbarer Opel. Wir wüssten einen Namen: Diplomat.

Zur Startseite
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Nissan Altima-te AWD Kettenfahrzeuge aus aller Welt Die schärfsten Kisten mit Ketten Erlkönig Land Rover Discovery Sport Land Rover Discovery Sport (2019) Künftig auch als Hybrid-SUV
Promobil
Hobby Vantana K60 Fs en vogue Seite Hobby Vantana K60 Fs-Veredelung Mit dem en vogue voll in Mode? Hymer B MC Verkauf der Erwin Hymer Group Thor will nachverhandeln
CARAVANING
Ford Ranger Pick-up mit Power Ford Ranger zieht 15 Caravans Automatikgetriebe Automatik-Getriebe im Vergleich Effizient und schnell Schalten
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken
Gebrauchtwagen Angebote