Peugeot 207 99g, Seat Ibiza 1.4 TDI Hans-Dieter Seufert
Peugeot 207 99g, Seat Ibiza 1.4 TDI
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Peugeot 207 99g, Seat Ibiza 1.4 TDI 30 Bilder

Peugeot 207 99g 1.6 HDi und Seat Ibiza 1.4 TDI im Fahrbericht

Zwei sparsame Kleinwagen im Wettstreit

Mit CO2-Emissionen unter 100 Gramm pro Kilometer gehören Seat Ibiza Ecomotive und Peugeot 207 99g zu den sparsamsten Kleinwagen überhaupt. Welcher der kleinen Diesel bietet das bessere Gesamtkonzept?

Drei Sachen, die Sie sich neben hohen Kraftstoffkosten sparen können, wenn Sie eines dieser beiden Autos erwerben. Erstens: Treuepunkte von Ölkonzernen sammeln – die Aktionen werden vorbei sein, bevor Sie auch nur die Hälfte der nötigen Punkte zusammenhaben. Zweitens: sich den Namen des Tankwarts merken – selbst wenn Sie sich höflich vorstellen, wird er Sie bis zu einem Ihrer nächsten, seltenen Besuche vergessen haben. Drittens: schon bei halb leerem Tank nach der günstigsten Zapfsäule Ausschau halten, da der Sprit beim Peugeot noch für 470 und beim Seat für 420 Kilometer reicht.

Peugeot 207 und Seat Ibiza übertreffen die Normverbräuche deutlich

Denn kleinere Maßnahmen genügen, um Normverbräuche von 3,7 (Seat) und 3,8 Liter Diesel/100 km zu erreichen: tiefergelegte Karosserien, rollwiderstandsarme Reifen, Verzicht aufs Reserverad, optimierte Motorsteuerungen, ein paar Aerodynamikhilfen wie Dachspoiler, geschlossener Kühlergrill und großflächige Radabdeckungen beim Seat oder eine Unterbodenverkleidung beim Peugeot, dazu besonders lang übersetzte Fünfganggetriebe. Auf ein Start-Stopp-System dagegen verzichten beide.

Weil eben niemand dauernd so fährt, wie es der NEFZ-Zyklus vorschreibt, übertreffen beide Autos ihre Normangaben deutlich – der Ibiza um 43, der Peugeot 207 um 40 Prozent. Wobei die Kleinwagen mit einem Testverbrauch von je 5,3 Liter/100 km noch immer zu den besonders sparsamen Autos gehören. Doch dass sich Werte deutlich unter der Fünf-Liter-Grenze in der Praxis nur schwer erzielen lassen, enttäuscht dann doch. Das Versprechen höchster Ökonomie lassen sich Peugeot und Seat immerhin teuer bezahlen. So kostet der 207 99g (ja, die nennen ihn tatsächlich so) 200 Euro mehr als die vergleichbare Ausstattungsversion Tendance. Weil beim 99g das beim Tendance serienmäßige und unverzichtbare ESP mit 460 Euro extra berechnet wird, liegt die tatsächliche Differenz bei 660 Euro. Klingt nicht nach viel, doch selbst nach den optimistischen Normwerten hat die Sparversion das Geld erst nach 82.500 Kilometern durch den um 0,7 L/100 km niedrigeren Verbrauch wieder reingefahren.

Im Seat Ibiza arbeitet der 1,6-Liter-Diesel aus VW Polo, Golf und Passat

Beim Ibiza Econetic gestaltet sich der Vergleich schwieriger. Er basiert auf der Ausstattungsversion Reference, die es nicht mehr mit dem 1,4-Liter-Pumpe-Düse-Dreizylinder gibt. Stattdessen setzen die Spanier hier auf den aus VW Polo, Golf und Passat bekannten 1,6-Liter-Common-Rail-Vierzylinder. Der ist nur 100 Euro teurer und leistet sich trotz zehn PS mehr mit 0,5 L/100 km nur einen kleinen Verbrauchsnachteil. Geringere innere Reibung und ein Gewichtsvorteil sprechen aber im auf höchste Sparsamkeit getrimmten Ecomotive für den Dreizylinder – ein mit 19,5:1 hoch verdichteter Selbstzünder, der den Namen Explosionstriebwerk zu Recht trägt. Verheimlicht er doch zu keinem Zeitpunkt – am wenigsten beim winterlichen Kaltstart – die Brutalität, mit welcher der von separaten Pumpe-Düse-Einheiten eingespritzte Kraftstoff sich durch Kompression selbst entzündet.

Deswegen regt man sich dann nur ziemlich genau eine halbe Stunde über den krawalligen Auftritt des kleinen Dreipötters auf, um dann festzustellen, dass dieses charakteristische, unternehmungslustige Knurren, das dauernd in den Innenraum brandet, eigentlich ganz sympathisch ist. Was nichts daran ändert, dass der Peugeot mit seinem 1,6-Liter-Common-Rail-Diesel den deutlich gepflegteren Antriebskomfort bietet. Auch er rumpelt beim Kaltstart unwirsch los, doch sobald er sich erwärmt hat, hält er sich mit seinem leisen Nageln dezenter im Hintergrund. Auf langen Strecken profitiert der 207 zudem von der höheren Leistung und dem besseren Drehmoment des Vierzylinders. Zehn PS und 20 Nm sind zwar nicht die Welt, aber mit ihnen rafft sich der Peugeot zu deutlich temperamentvolleren Fahrleistungen auf.

Der Peugeot 207 punktet mit der besseren Elastizität als der Seat Ibiza

Besonders seine bessere Elastizität macht das Fahren entspannter, denn die Ingenieure packten in beide Autos für einen möglichst niedrigen Verbrauch im NEFZ-Zyklus sehr lang übersetzte Fünfganggetriebe. Sie gängeln die Motoren, lassen sie nach jedem Gangwechsel in ein tiefes Turboloch fallen, aus dem der 207 mit seinem Extra-Drehmoment eiliger wieder herausklettert. So brummelt der 1.600er in der Stadt gemütlich im großen Gang bei Tempo 50 vor sich hin – mit rund 1.000 Touren, also lange bevor der Garrett-Turbolader auch nur daran denkt, mit 1,25 bar Ladedruck zu machen. Und selbst wenn es soweit ist, entfaltet der Vierzylinder seine Kraft homogen und sanft. Der Ecomotive pflegt dagegen das Erbe der alten TDI. Er rumpelt etwas herber im ganz niedrigen Drehzahlbereich, schwelt bis 1.800/min müde vor sich hin, um sich dann mit 1,15 bar Ladedruck zu einem kurzen, feurigen Temperament-Sturm aufzuplustern.

Es schadet also nicht, im Ibiza mehr zu schalten – es nervt auch nicht, wegen seines kurzwegigen Getriebes, das sich viel präziser schalten lässt als die hakelige Peugeot-Box. Aufgrund seines sportlicheren Charakters, der von seiner präzisen und rückmeldungsintensiven Lenkung unterstützt wird, stört beim Seat die durch die Tieferlegung deutlich gestraffte Federungsabstimmung viel weniger als beim 207.

Der Seat Ibiza nimmt Kurven agiler als der Peugeot 207

Trotz schmalerer Reifen kurvt der Ibiza agiler und neutraler über verschlungene Sträßchen. Dem Peugeot liegt das nicht, zu unharmonisch spricht seine rückmeldungsarme Lenkung an. Die ebenfalls herb abgestimmte und schwach absorbierende Federung stört im Franzosen mehr, denn an sich fühlt er sich dem Komfort verpflichtet, lässt seine Passagiere bequemer einsteigen und ungedrängter sitzen als der Ibiza. Dieser beherbergt Pilot und Co. auf seitenhaltintensiven und kuscheligen Sitzen. Doch seine Form mindert das Platzangebot – vorn drücken flache A-Säulen, im Fond das niedrigere Dach aufs Raumgefühl. Mit seiner besseren Übersichtlichkeit und Variabilität samt geteilt umklappbarer Rückbank sichert sich der 207 weitere Punkte – die er wegen seiner schlechteren Sitze gleich wieder verliert.

Auch bei der Bedienung ist der Ibiza leicht im Vorteil – Toaster stellen da oft eine größere Herausforderung dar, bieten mitunter aber auch den schöneren Anblick. Denn die Seat-Innenarchitekten möblierten das Interieur bevorzugt mit dunklem Hartplastik, das zwar solide zusammengeschreinert wirkt, im Vergleich zum edler ausstaffierten, nur minimal legerer verarbeiteten Peugeot aber etwas ärmlich.

Der Peugeot 207 bietet ESP nicht serienmäßig, der Ibiza verzichtet auf Kopfairbags

Das gilt auch für die Ausstattung des Ibiza. Weil er im Gegensatz zum Peugeot, dem nur ESP und Radio fehlen, serienmäßig ohne seitliche Kopfairbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel und Klimaanlage kommt, reduziert sich sein Preisvorteil auf 590 Euro. Wer sie investiert, bekommt mit dem Peugeot 207 99g den kultivierteren, praktischeren, geräumigeren und besser motorisierten Kleinwagen. Wem der dynamischere und solidere Ibiza mehr zusagt, kann sich dieses Geld – und damit sogar noch eine vierte Sache – sparen.

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Technische Daten

Peugeot 207 99G HDi FAP 90 Millesim Seat Ibiza 1.4 TDI ECOMOTIVE
Grundpreis 17.400 € 15.850 €
Außenmaße 4030 x 1748 x 1472 mm 4052 x 1693 x 1445 mm
Kofferraumvolumen 270 bis 923 l 292 l
Hubraum / Motor 1560 cm³ / 4-Zylinder 1422 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min 59 kW / 80 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 182 km/h 177 km/h
Verbrauch 3,8 l/100 km 3,7 l/100 km
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Der Antrieb aus der Steckdose gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Seat Ibiza
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