Porsche 911 Carrera Cabrio

Wind-Wechsel

Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Rund 40 Prozent der Kunden fahren ihren Elfer am liebsten offen. Doch die Verwandlung eines geschlossenen Autos in ein Cabrio schadet per se der Steifigkeit einer Karosse und macht sie schwerer. Aber beim aktuellen 911 fallen diese Nachteile kaum ins Gewicht.

Früher war die Sache klar: Passionierte Schnellfahrer bevorzugten ihren Elfer als Coupé, Touristen und Boulevard-Ritter, im angelsächsischen Sprachraum der Abteilung „Cruising & Posing“ zugeordnet, neigten dagegen zum Cabrio. Heute freilich ist dieses Cabrio- Stigma weitgehend überholt. Sicher, die Verwandlung eines geschlossenen Autos in ein offenes schadet per se der Steifigkeit einer Karosse und macht sie in der Folge schwerer.

Aber beim aktuellen 911 zumindest fallen diese Nachteile kaum noch ins Gewicht. Tatsächlich verwindet sich die jüngste Version des Cabrios abermals weniger als der ohnehin schon vorbildliche Vorgänger. Und auf den Rohbau der Karosserie bezogen, da liegt der Coupé-Vorteil im Gewicht bei nur noch sieben Kilogramm. Komplettiert mag sich der Unterschied zwar noch um weitere 78 Kilogramm vergrößern, aber auch das kann dem Coupé keinen nennenswerten Dynamikvorsprung einräumen.

Selbst auf der Autobahn müssen Cabrio-Fahrer der Blechdach- Fraktion künftig nicht länger hinterherfahren. Dank aerodynamischem Feinschliff verharrt der cW-Wert bei 0,29, ein Spitzenwert für Stoffdach- Cabrios, wie man bei Porsche stolz anmerkt. So können bei geschlossenem Verdeck laut Werksangabe Geschwindigkeiten von 285 und 293 km/h (je nach Motorisierung) erzielt werden, exakt die Werte der Coupé-Varianten. Unterdessen garantiert ein um zwei Zentimeter höher ausfahrender Heckspoiler die adäquate Fahrstabilität.

Gut zu wissen für alle, die den belebenden Effekt des Fahrtwinds keinesfalls auf die unteren Temposphären beschränken möchten: Auch offen ist dem 911 Cabrio kaum ein Gegner gewachsen. 267 beziehungsweise 274 km/h sind laut Herstellerauskunft auf jeden Fall drin, über Nebenwirkungen informiert der Arzt oder Friseur.

Im Übrigen sei Treue zum Stoffdach, so der Standpunkt der Porsche-Ingenieure, beim heckmotorisierten 911 nicht nur konzeptbedingt, sondern auch grundsätzlich von Vorteil.

Mit 42 Kilogramm einschließlich Bedienhydraulik wiegt das verbesserte Verdeck knapp die Hälfte eines vergleichbaren Falthardtops, heißt es, wobei der Gewichtsvorteil noch dazu weit oben anfällt, also günstig für den Schwerpunkt des Autos.

Das komplizierte Gebilde aus UV-geschütztem Textilgewebe, Aluminium, Magnesium, Blech und Kunststoff soll sich dank strafferer Bespannung bei hohem Tempo weniger stark ausbeulen. Effektivere Dichtungen mit Wasserleitkante verhindern, dass beim Einsteigen Regenwasser auf den Sitz tropft.

Beim Öffnen und Schließen beschränkt sich der Muskeleinsatz auf die Betätigung eines Schalters auf der Mittelkonsole, worauf das Verdeck binnen 20 Sekunden die Position wechselt, wenn es sein muss, sogar während der Fahrt (bis 50 km/h). Im Stand lässt sich der Vorgang mittels Schlüssel auch fernsteuern. Für den winterlichen Einsatz steht gegen Aufpreis ein 33 Kilogramm leichtes Alu-Hardtop zur Verfügung. Die erste Begegnung mit dem neuen Cabrio auf Basis der Baureihe 997 zeitigt denn auch die zu erwartende Hochstimmung.

Die offene Variante bietet alles, was bereits das Coupé auszeichnet: Spontane Reaktionen paaren sich mit naturechtem Fahrbahnkontakt und atemberaubendem Temperament. Lenkung, Bremsen, Gas, Schaltung – die Klaviatur dieses Autos erinnert eher an organische Fortsätze der Finger und Zehen als an eine Anhäufung von Metall und Strippen.

Sportliches Fahren ist im 911 so natürlich und instinktiv wie Atmen. Im Open-Air-Betrieb bekommt das 911-Erlebnis freilich eine zusätzliche Dimension.

Man hört mehr, riecht mehr, sieht mehr und spürt mehr, wobei angenehm auffällt, dass die üblichen Unsitten weitgehend abgestellt wurden.

Im 911-Cabrio zittert nicht die Karosserie, sondern höchstens der Beifahrer, aber auch die Rheuma- Gefahr ist gering. Dank der hohen Frontscheibe weht es nur verhalten, und mittels der Seitenscheiben (nun inklusive der hinteren) und des Windschotts lassen sich die Windstärken im Innenraum bedarfsgerecht modulieren. Ein Boxster wirkt im Vergleich offener, aber zugiger.

Bei geschlossenem Dach darf man sich indessen auf deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung der arttypischen Windgeräusche freuen. Auch bei Tempo 200 und mehr droht kein akustisches Inferno.

Einwandfrei desgleichen die Sicherheitsvorkehrungen: Hochfeste Stahlrohre in den Fensterpfosten und zwei Überrollbügel hinter den Rücksitzen, die im Notfall automatisch hochschnellen, schützen beim Überschlag. Sechs Airbags, einschließlich seitlicher Kopfairbags, reduzieren das Verletzungsrisiko beim Aufprall. Die Frage, ob Carrera mit 3,6 Liter Hubraum und 325 PS oder Carrera S mit 3,8 Liter und 355 PS, dürfte zumeist das Bankkonto beantworten.

Die Preisdifferenz zwischen normal und S, sowie zwischen Coupé und Cabrio beträgt jeweils 10 000 Euro, wobei beim S ein PASM-Fahrwerk mit variabler Stoßdämpfung inbegriffen ist.

Dessen ungeachtet lässt schon die PS-ärmere Variante nichts vermissen: Der Leistungsunterschied ist in der Praxis ohne große Bedeutung. Als Wonne-Elfer taugt das Cabrio auch mit 325 PS.

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Technische Daten
Porsche 911 Carrera Cabriolet
Grundpreis 94.783 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4427 x 1808 x 1310 mm
KofferraumvolumenVDA 135 l
Hubraum / Motor 3596 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 239 kW / 325 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
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