Porsche 911 Carrera

Lauf-Werk

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Wieder einmal gibt es einen neuen Elfer. Stärker agiler und sicherer. Vor allem das Topmodell Carrera S zeichnet sich durch eine ganz neue Fahrqualität aus.

Walter Röhrl, mit dem neuen Carrera auf der Nordschleife des Nürburgrings unterwegs, bleibt wie immer supercool. „Weißt“, so sagt der Ex- Rallye-Weltmeister nach einer schnellen Runde, „so richtig voll bin i noch net g’fahren.“ Mein Gott, Walter. Es war wahrhaftig schnell genug. Carrera-Fans können aufatmen.

Der klassische Porsche hat wieder einmal deutlich zugelegt. In der Eifel distanziert Röhrl das Vorgängermodell um über 20 Sekunden. Da liegt eine ganze Welt dazwischen. Die Topzeit gilt für das stärkere der beiden neuen Carrera-Modelle des Typs 997 (siehe auch Heft 11/2004) – den Carrera S mit seinem nun 3,8 Liter großen und 355 PS starken Sechszylinder-Boxermotor. Der kostet 85 176 Euro – stolze 10 000 Euro mehr als das Basismodell, das sich mit der bekannten, aber auf 325 PS gesteigerten 3,6-Liter-Maschine begnügt. Dafür bietet die S-Variante nicht nur mehr Leistung, sondern auch 19-Zoll- Räder statt der beim Basis-Carrera verwendeten 18-Zöller. Wichtiger noch: das so genannte PASM-Fahrwerk (Porsche Active Suspension Management) mit variabler Stoßdämpferkennung.

Die Steuerungselektronik reagiert auf schnelle Lenkbewegungen, Querbeschleunigung, Bremskräfte und Lastwechsel. Darüber hinaus kann der Fahrer manuell eingreifen, indem er per Taste auf der Mittelkonsole das Sportprogramm wählt. Wie auch immer – PASM, für den 3,6- Liter-Carrera gegen Aufpreis lieferbar, bedeutet den Eintritt in eine neue Porsche- Welt. Wer im Normalprogramm unterwegs ist, wird nachhaltig überrascht sein vom geschmeidigen Federungsverhalten dieses Sportwagens. Einen so komfortablen Porsche gab es noch nie. Unebenheiten saugt er sauber auf, ohne jene lästige Vertikalbewegungen der Karosserie, die bisher auf langen Autobahn- Wellen den Reisekomfort beeinträchtigten.

Mit dem neuen Fahrwerk ist der Carrera ein wahrhaftiger Grand Tourer geworden, wozu auch die neu entwickelten Sitze in hohem Maß beitragen. Sie drücken nicht mehr im Rückenbereich, sondern passen wie angegossen. Dass sie viel Seitenführung und eine perfekte Position hinter dem nun axial und vertikal verstellbaren Lenkrad bieten, darf bei einem Porsche ohnehin als selbstverständlich gelten. 

Im Sportprogramm der Fahrwerkselektronik kehrt das alte Porsche-Gefühl wieder zurück. Der Kontakt zur Straße wird intensiviert, um es milde auszudrücken. Der Carrera S huldigt dann dem Grundsatz, dass gelobt sei, was hart macht. Für kompromissloses Fahren auf der Rennstrecke bietet das Vorteile, weil das Fahrverhalten noch präziser wird. Aber auf der Straße ist der reguläre Modus besser. Denn die weit verbindlichere Abstimmung des Fahrwerks geht, keine Sorge, nicht auf Kosten der Sportlichkeit. Im Gegenteil, das Handling wurde gegenüber der bisherigen Elfer- Generation nochmals spürbar verbessert. Das ist vor allem der Lenkung mit nun variabler Übersetzung zu verdanken, die nur noch 2,6 statt drei Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag erfordert. Um die Mittellage entspricht die Lenkung der des Vorgängers, um den Geradeauslauf nicht durch erhöhte Nervosität zu beeinträchtigen. Ab einem Einschlag von 30 Grad wird sie zunehmend direkter. Das Ergebnis: Der Carrera S zeigt auf kurvenreichen Strecken eine superbe Agilität. Er lässt sich millimetergenau fahren und reagiert auf die Lenkung so feinfühlig wie ein Rennpferd.

Wer dem Ganzen die Krone aufsetzen will, kann das Sport Chrono-Paket ordern. Damit nach außen sichtbar wird, dass der betreffende Carrera-Pilot zu den Sportskanonen zählt, thront dann auf dem Armaturenbrett ein Chronograph, mit dem sich Rundenzeiten auf die Hundertstel- Sekunde genau festhalten lassen. Zusätzlich im Paket: Der Druck auf die Sport-Taste verändert die Kennlinie des E-Gases. Die Drosselklappe öffnet und schließt sich schneller, der Drehzahlbegrenzer setzt härter ein. Der Boxermotor wirkt dadurch noch spontaner und aggressiver, als er es ohnehin schon ist. Und das bei Porsche PSM (Porsche Stability Management) genannte ESP erlaubt dem Fahrer mehr Freiheiten. PSM ist jetzt serienmäßig und wurde neu abgestimmt. Bei Geschwindigkeiten bis 70 km/h tritt der stabilisierende Bremseneingriff relativ spät ein und macht damit Heckschwenks möglich. Schon dadurch wird es weniger wahrscheinlich, dass euphorische Fahrer das Stabilitätsprogramm gleich abschalten – unter Sicherheitsaspekten durchaus zu begrüssen.

Ganz außen vor bleibt es ohnehin nicht. Beim Bremsen in kritischen Situationen wird es aktiv, auch wenn der Fahrer vorher den Ausschaltknopf betätigt hat. Allerdings wurde die Einsatzschwelle höher gelegt: PSM greift erst wieder ein, wenn das ABS zu regeln beginnt. Eine beeindruckende Portion Fahrdynamik also, die durch den schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig ansprechenden und blitzschnell hoch drehenden 3,8-Liter-Motor wirkungsvoll unterstützt wird. Vom Basis-Triebwerk unterscheidet sich dieser Motor durch eine um drei Millimeter erweiterte Bohrung sowie eine modifizierte Sauganlage. Das Werk verspricht, dass er den Carrera S in nur 4,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen kann und eine Höchstgeschwindigkeit von 293 km/h ermöglicht. Und das bei einem Normverbrauch von nur 11,5 Liter/100 km sowie weiter verbesserten Abgaswerten (Euro 4).

Der Charakter des Porsche-Motors hat sich naturgemäß nicht grundsätzlich verändert, aber der Umgang mit dem starken Antrieb ist leichter geworden. Denn das Sechsganggetriebe zeigt sich erheblich verbessert: Die Schaltwege sind kürzer, die Führung ist exakter, der notwendige Kraftaufwand geringer. Verfeinerung auf der ganzen Linie also, was das neue Karosserie-Design etwas in den Hintergrund treten lässt. Zumal es so neu nun wirklich nicht ist. Die klassische Elfer-Form blieb erhalten, weil es keinen Sinn macht, eine Ikone wie den Carrera grundsätzlich umzukrempeln. Aber das Styling wirkt nun porschemäßiger, mit ausladendem Hüftschwung und traditioneller Scheinwerfer-Form. Keine Gefahr mehr, dass ein im Rückspiegel auftauchender Elfer mit dem billigeren Boxster verwechselt wird. Am auffälligsten sind noch die Änderungen im Innenraum. Auch hier gab es zwar keine Revolution, aber insgesamt sechs Airbags sprechen für mehr passive Sicherheit, und das ganze Interieur wirkt qualitativ spürbar wertvoller. Auch deshalb gilt wieder eine Feststellung, die sich wie ein roter Faden durch die mittlerweile über 40-jährige Elfer-Historie zieht: Der neue Carrera ist der beste, den es je gab. 

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Technische Daten
Porsche 911 Carrera S
Grundpreis 94.783 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4427 x 1808 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 135 l
Hubraum / Motor 3824 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 261 kW / 355 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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