Foto: Hans-Dieter Seufert

Porsche 911 Carrera

Die neue Generation des Prosche 911 Carrera ist nicht nur äußerlich besser in Form. Der auf 3,6 Liter vergrößerte und technisch verfeinerte Sechszylinder leistet nun 320 PS.

Die Firma Porsche, noch vor wenigen Jahren ein im Koma  liegender Patient, strotzt wieder vor Kraft und Selbstbewusstsein. Der Verkauf von Boxster und Carrera läuft so gut, dass man treffender von Verteilung an die harrende Kundschaft sprechen müsste. Und für das Ende Juli auslaufende Geschäftsjahr erwartet Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wieder höchst erfreuliche  Zahlen.

Die Weichen für eine rosige Zukunft sind gestellt, nicht nur mit dem kommenden Geländewagen Cayenne. Auch der 911, der traditionell den Mittelpunkt der Porsche-Familie bildet, tritt nun in der zweiten Generation der 996-Baureihe an: behutsam neu gestylt und, für die klassische Porsche-Klientel natürlich weitaus wichtiger, mit größerem und stärkerem Motor.

Der im Heck eingebaute Sechszylinder-Boxer erhielt eine neue Kurbelwelle mit von 78 auf 82,8 Millimeter verlängertem Hub, die für eine Erweiterung des Hubvolumens von 3,4 auf 3,6 Liter sorgt.

Die zusätzlichen Kubikzentimeter hätten allerdings nicht ausgereicht, um die Leistung von 300 auf 320 PS zu erhöhen. Der Carrera-Motor weist deshalb zusätzlich das vom Turbo her bekannte Variocam-Plus-System auf. Dahinter verbirgt sich eine ingeniöse Verstellung der beiden Einlassnockenwellen.

Sie vermag nicht nur die Steuerzeiten stufenlos zu variieren, sondern verfügt auch über zwei unterschiedliche Nockenformen auf einer Welle, die durch schaltbare Tassenstößel ergänzt werden. Ergebnis: kleiner Ventilhub und geringe Ventilüberschneidung im Leerlauf, größere Überschneidung
bei immer noch kleinem Hub in der Teilllast. Erst bei Vollgas kommt dann der maximale Ventilhub zum Einsatz.

Die Leistungskurve der 3,6-Liter-Maschine liegt so oberhalb von 3.000 Umdrehungen und deutlich über der des 3,4-Liter-Vorgängers. Noch deutlicher ist die Verbesserung des Drehmoments.

Der Maximalwert von 370 Newtonmetern liegt nun bei 4.250/min an. Zwischen 2.900 und 5.000/min verläuft die sehr flache Kurve durchweg oberhalb von 360 Newtonmetern. Zum Vergleich: Bisher waren es 350 Newtonmeter bei 4.600/min. Erfreuliches Randresultat der tief greifenden Motor-Überarbeitung ist eine Reduzierung des Normverbrauchs um immerhin sechs Prozent (11,1 statt 11,9 Liter/ 100 km/h).

Wie sich die Steigerung von Leistung und Durchzugskraft in Messwerten bemerkbar macht, wird ein späterer Test zeigen. Porsche jedenfalls verspricht für die Versionen mit handgeschaltetem Sechsganggetriebe eine Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h (bisher: 280 km/h) und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in fünf (bisher 5,2) Sekunden.

Diese auf den ersten Blick geringfügig erscheinende Verbesserung beweist, welch hohen Aufwandes es bedarf, in den Regionen, in denen sich der Carrera bewegt, einen weiteren Fortschritt zu erzielen.

Entscheidender als die Zahlenspiele ist ohnehin, dass sich der Motor jetzt noch besser anfühlt. Der Durchzug im unteren Drehzahlbereich erscheint spürbar verbessert, was auf Wunsch eine noch schaltärmere Fahrweise ermöglicht.

Auf der anderen Seite steht ein bissigeres und kraftvolleres Ansprechen auf Gaspedalbewegungen bei hohen Drehzahlen. Die hervorstechende Eigenschaft des Porsche-Motors, die zivilen Manieren eines Allerwelts-Triebwerks mit der Kraft, der Drehfreude und nicht zuletzt dem Sound einer echten Sport-Maschine zu verbinden, tritt damit noch überzeugender zu Tage als bisher schon.

Wieder einmal mehr Porsche also, was jener Teil der Kundschaft, der dem Carrera eine Verweichlichung zum Komfort-Racer vorgeworfen hat, sicher begrüssen wird. Zumal sich der Schritt zu mehr Sportlichkeit nicht nur auf den Motor beschränkt.

Zahlreiche Detailmaßnahmen zur Verbesserung der Aerodynamik brachten eine Verringerung des Auftriebs an der Vorderachse um 25, an der Hinterachse sogar um 40 Prozent. Das dient dem Geradeauslauf bei hohem Tempo.

Trotz des reduzierten Auftriebs und des wegen der höheren Leistung notwendigen gesteigerten Kühlluft-Durchsatzes blieb der Luftwiderstandsbeiwert cw unverändert bei 0,30.

Ein präziseres Reagieren beim Einlenken in Kurven durch ein neu abgestimmtes Fahrwerk ergänzt die Liste der Verbesserungen, die einen ohnehin schon sehr guten Sportwagen weiter optimiert haben. Und dass der noch mehr Geld in die Porsche-Kassen spült, dafür sorgen die im Schnitt um zwei Prozent höheren Preise.

Technische Daten

Porsche 911 Carrera
Grundpreis 74.504 €
Außenmaße 4430 x 1770 x 1305 mm
Kofferraumvolumen 130 l
Hubraum / Motor 3596 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 235 kW / 320 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
0-100 km/h 5,2 s
Verbrauch 11,0 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km
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