Porsche 911 GT3

Renntier

Foto: Achim Hartmann 23 Bilder

Modelle mit Sieg-Ambitionen auf der Rennstrecke und akzeptabler Alltagstauglichkeit haben bei Porsche eine lange Tradition. Jüngster Spross der großen Ahnenreihe ist der neue 911 GT3 mit 415 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 405 Nm.

Wenn man 1395 Kilogramm Adrenalin in eine automobile Form gießen würde, käme der neue Porsche 911 GT3 heraus. Es kann gar nicht anders sein, denn das Stress-Hormon Adrenalin sorgt für beste Aufmerksamkeit, erleichtert die Blutzufuhr zu allen möglichen Muskeln und lässt die Herzfrequenz nach oben schnalzen. GT3-Piloten werden genau diese Wirkungen schon nach wenigen Kilometern an sich feststellen. Die Alarmbereitschaft beginnt jedoch lange vor der ersten Ausfahrt. Spätestens mit dem Studium der Preisliste ist die Ruhe vorbei. Schon der Preis macht hellwach: 108 083 Euro. Mithin ein Betrag, der auch bei Porsche- Kunden Eindruck hinterlässt, und dabei handelt es sich nur um den Grundpreis.

Auf acht Seiten führt die Zubehörliste den künftigen GT3-Besitzer in Versuchung. Wobei man auf die Stabantenne für verbesserten Mittelwellenempfang (ohne Aufpreis) sicher verzichten kann. Aber Keramikbremsscheiben (8491 Euro), Leichtbau-Schalensitze aus Carbon (4582 Euro), das Chrono-Paket mit Stoppuhr (557 Euro) oder das Clubsportpaket mit Sechspunktgurt und Feuerlöscher (nur in Verbindung mit den Schalensitzen, dann jedoch ohne Aufpreis) sollte man schon in die engere Wahl der wünschenswerten Extras einbeziehen, wenn der GT3 artgerecht gehalten werden soll. Und damit ist der Rennstrecken-Einsatz gemeint. Hier waren bereits die Halter der letzten GT3-Generation überproportional häufig anzutreffen. Immerhin drei von vier gönnten ihrem schnellen Boxer zumindest gelegentlich einen Ausritt auf abgesperrten Strecken. 911-Turbofahrer sind da viel zurückhaltender, nur jeder dritte nutzt seinen Power-Elfer für die Jagd nach Top-Rundenzeiten. Setzt man sich näher mit dem GT3 auseinander, verwundert dies nicht.

Er ist die Basis für das Porsche-Motorsport- Engagement. Kein anderer Serien- Porsche ist folglich stärker mit Rennsport-Attributen gesegnet als er. Der doppelstöckige, einstellbare Flügel am Heck und die tiefgezogene Schürze vorn für Abtrieb bei jeder Geschwindigkeit sind da nur die offensichtlichsten Merkmale. Serienmäßige 19-Zoll-Räder mit schmalen Speichen für optimale Bremsenkühlung und die Sportreifen (siehe Spotlight) sorgen gemeinsam mit der Kühlluftöffnung vor der Kofferraumhaube für weitere Unterschiede zum normalen 911. Von diesem stammt immerhin die Karosserie.

Genauer gesagt vom Carrera 4S. Auf die schwere Allradtechnik verzichtet der Leichtbau-GT3, Türen und Kofferraumhaube sind selbstverständlich aus Aluminium. Dort, wo normalerweise das Vorderachs-Differenzial sitzt, bleibt Platz, um das Tankvolumen auf 90 Liter im Bug zu vergrößern.

Die Musik spielt natürlich im Heck. Ein feines Bläser-Sextett legt sich hier vernehmlich ins Zeug und atmet, erstmals bei einem wassergekühlten Elfer, durch einen gemeinsamen Endschalldämpfer aus.

Dabei ändert sich bei etwa 3600/min die Tonlage dramatisch von Trompeten-Konzert zu Alphorn-Klängen. Akustisch unauffällig ist anders, aber hier macht sich schließlich auch ein Sportmotor Luft. Gegenüber dem hubraumgleichen Vorgänger-Sechszylinder konnte die Drehwilligkeit klar verbessert und die obere Drehzahlgrenze auf 8400/min angehoben werden. Auf dem Weg dahin fallen 415 PS und 405 Newtonmeter über die Hinterräder her. Damit hier nun nicht mehr Schlupf entsteht, als zum zügigen Voranstürmen wünschenswert wäre, ist der GT3 mit einer Traktionskontrolle ausgerüstet. Um dem Aufschrei der Gusseisernen zuvorzukommen: Sie ist abschaltbar.

Auch wenn das kaum Sinn macht, denn die Regelung funktioniert vorbildlich. Das Traction Control (TC) genannte System lässt so viel Schlupf zu, dass beim harten Herausbeschleunigen aus Kurven das Heck leicht ins Übersteuern gerät. Deaktiviert man die elektronische Fangleine dagegen, steigt die Gefahr, bei so einer Aktion einen Dreher hinzulegen, ganz gehörig. Den GT3 im Grenzbereich zu bewegen erfordert blitzartige Reaktionen.

Verzeihen ist seine Sache nicht, aber dafür gibt er auch viel zurück. Er lässt sich präzise wie ein Laserskalpell bewegen. Fahrdynamisch ist er eher Rennwagen als Straßenauto, was auch daran liegt, dass Weichmacher in Form von Gummibuchsen an Fahrwerk und Motoraufhängung durchgängig von Pendants aus unnachgiebigerem Material, meist Metall, ersetzt wurden.

Auf der Rennstrecke erlaubt das eine ungeheuer direkte Verbindung zwischen Fahrer, Auto und Asphalt. Auf einer ausgelaugten Autobahnetappe dagegen strapaziert die harte Technik die Passagiere beträchtlich. Es ist nicht wirklich laut im GT3, aber die ungefiltert nach innen dringenden Abrollgeräusche stören auf Dauer. Ein GT, also Gran Turismo, ist dieser 911 nicht. Sehr lange Etappen mit hoher Geschwindigkeit lassen sich mit den zahmeren Brüdern entspannter zurücklegen. Daran wird sich das Gros der jährlich 900 GT3-Käufer nicht wirklich stören. Denn die Hälfte der Autos geht in die tempolimitierten USA, etwa ein Viertel soll in Deutschland bleiben. Hier wie dort wird der GT3 gegen BMW M3 und M6, Ferrari F430 oder Corvette Z06 in das Rennen um die Gunst der Kunden gehen.

Schon im Herbst legt Porsche dann mit dem GT3 RS ein Scheit nach. Der verspricht sogar noch mehr Adrenalin, auch weil er leichter werden soll als der normale GT3.

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Technische Daten
Porsche 911 GT3
Grundpreis 112.544 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4445 x 1808 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA 105 l
Hubraum / Motor 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 305 kW / 415 PS bei 7600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 310 km/h
Verbrauch 12,9 l/100 km
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