Porsche 911 Turbo

Gelbe Zeiten

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Natürlich gibt es auch andere Farben. Aber Gelb macht den Porsche Turbo ein wenig auffälliger. Im Charakter ist der jetzt 480 PS starke Porsche eher ein distinguierter Gentleman-Sportwagen.

Der Porsche Turbo, seit drei Jahrzehnten der Star deutscher Männerträume, präsentiert sich wieder einmal in neuer Form. Genauer gesagt mit noch mehr Leistung, wie es zum allseits geliebten Ritus gehört, wenn Porsche ein neues Modell auf den Markt bringt.

Eine Rekordzahl freilich ist nicht zu vermelden. Der nach wie vor 3,6 Liter große Sechszylinder-Boxermotor bringt es nun auf 480 PS. Das sind 60 PS mehr als beim Vorgänger, aber längst nicht genug, die Fahne des stärksten deutschen Autos zu schwenken. Selbst in der Turbo S-Version des Cayenne gibt es noch mehr Pferde. Was zeigt, dass die reine PS-Zahl belanglos ist. Es gehörte schon immer zu den Porsche-Spezialitäten, auch auf der Rennstrecke, stärkerer Konkurrenz ein Nase zu drehen. Das Zauberwort heißt Leistungsgewicht. Beim neuen Turbo hat eine Pferdestärke nur 3,3 Kilogramm zu bewältigen. Weil er, unter anderem durch den Einsatz von Aluminium- Türen, ein paar Pfund abgespeckt hat und damit in höchst erfreulicher Weise gegen den Strom schwimmt.

In anderen Punkten bleibt der Turbo stramm auf Linie. Zum Beispiel damit, dass der Basispreis freundliche Augenwischerei bedeutet. Das Sport Chrono-Paket mit Stoppuhr im Armaturenbrett beispielsweise wird, diese Vorhersage sei gestattet, zum Must unter Turbo-Fahrern werden. Denn mit dieser 1485-Euro-Option gibt es eine Overboost-Regelung für die beiden Turbolader. Druck auf die Sporttaste und Vollgas – damit stehen kurzfristig noch einmal 0,2 bar Ladedruck extra und damit 60 Newtonmeter mehr Drehmoment zur Verfügung. Normalerweise sind es schon gewaltige 620 Newtonmeter, womit eine nüchterne Zahl beschreibt, was abgeht im Turbo.

Es ist die schiere Gewalt, ein gnadenloser, aber dennoch in Samthandschuhen verpackter Schub. Kein kreischender Motorenlärm, kein hochdrehendes Macho-Theater, nur Kraft im Jet-Format, die scheinbar kein Ende nehmen will. Dass der Turbo nochmals besser läuft als sein gewiss nicht schlapper Vorgänger, äußert sich nicht in einem ganz neuen Leistungserlebnis.

Wie bisher schon ist das Kraftangebot wie ein Konto ohne Limit. Wie beim Geld macht zwar auch Überfluss-Leistung nicht unbedingt glücklich, sie stimmt aber zumindest vergnügt.

Das Vergnügen hat sogar noch zugenommen, denn die Kraftentfaltung hat sich dank der Turbolader mit verstellbaren Schaufeln noch mehr der eines Saugers mit Riesen-Hubraum angenähert.

Die Lader verbinden die Vorzüge einer kleinen Turbine (schnelles Ansprechen aufs Gas) mit denen einer großen (geringer Abgasgegendruck, hoher Durchsatz). Bei Dieseln wird das schon lange gemacht, beim Benziner ist es neu. Denn dessen höhere Abgastemperaturen stellen allerhöchste Ansprüche an das Material. Bei länger anhaltender Volllast herrscht Glut im Lader – nicht mehr rot, sondern weiß. Porsche jedenfalls glaubt, die Probleme im Griff zu haben, und das Ergebnis der neuen Schaufeltechnik wirkt überzeugend.

Angesichts der mächtigen Durchzugskraft auf der Autobahn noch zu schalten, ist reiner Luxus. Sechster Gang und Gasgeben genügen, um dem Horizont entgegenzustürmen, als befinde sich dort das Land der Verheißung. Der Turbo präsentiert sich, weit mehr als seine Brüder aus der Elfer- Sippe, als der gepflegte Porsche für die große Reise. Trotz seines enormen Leistungspotenzials bleibt er ein vergleichsweise unaufgeregtes, jeglicher als Sportlichkeit missverstandenen Hektik abgeneigtes Auto. Er kann schneller sein als fast alles, was sonst noch unterwegs ist, aber er unterstreicht diese Stellung weder durch einen den Fahrer stimulierenden Charakter noch durch ein besonders auffallendes Äußeres.

Die Zeiten der extrem breiten Hinterbacken sind ebenso vorbei wie die der überdimensionierten Heckflügel. Der hintere Spoiler fährt nicht mehr so weit aus wie bisher, sorgt aber, ohne den Luftwiderstandsbeiwert (cW) zu verschlechtern, für einen weiter erhöhten Anpressdruck, wenn er sich ab 120 km/h aus der Ruhestellung hebt. Das aerodynamische Hilfsmittel sorgt für einen beruhigend stabilen Geradeauslauf auch bei höchstem Tempo.

Die vom Werk genannten 310 km/h sind schnell erreicht und, was das Fahrverhalten angeht, sehr unspektakulär. Selbst die Umströmungsgeräusche der Karosserie, vulgo Windlärm, halten sich in komfortablen Grenzen.

Das Fahrwerk mit seiner adaptiven Dämpfung ist dann zwar auf straff gestellt, wird aber nicht unangenehm hart. Im bürgerlichen Geschwindigkeitsbereich federt der Turbo sehr geschmeidig, was seine GT-Ambitionen auf das Trefflichste unterstreicht. Einen gravierenden Unterschied zum Vorgänger bildet schließlich der Allradantrieb. Die Visco-Kupplung zur Verteilung der Antriebsmomente auf Vorderachse und Hinterachse ist passé. Angesichts der Weiterentwicklung der Allradtechnik erscheint eine solche passive Regelung, die erst auf auftretenden Radschlupf reagiert, dem Spitzen- Sportwagen von Porsche nicht mehr angemessen. Jetzt gibt es (siehe Spotlight) eine Lamellenkupplung, deren Steuerung eine elektromagnetische Kupplung übernimmt. Vernetzt mit der Fahrwerkselektronik ergibt sich eine extrem schnelle Aktiv-Regelung, die Traktions- oder Fahrstabilitätsproblemen bereits zu Leibe rückt, bevor tatsächlich Schlupf signalisiert wird.

Die Heckantriebs-Charakteristik dominiert natürlich, je nach Fahrsituation wird Antriebsmoment der Vorderachse zugeteilt. Erster Fahreindruck: Es müssen schon sehr breite Bretter sein, die so gut liegen wie der Turbo. Als Ergänzung der Elfer-Palette, vom Normal-Carrera bis zum wilden GT3, beweist der Turbo die Universalität dieses Sportwagenkonzepts, aber auch die Perfektion, mit der in Zuffenhausen auf der Technik-Geige gespielt wird.

Der Turbo fügt eine neue Klangfarbe hinzu: Er ist die perfekte Wahl für Kunden, die ihren Mercedes gerne von Porsche hätten.

Technische Daten
Porsche 911 Turbo
Grundpreis 143.008 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4450 x 1852 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 105 l
Hubraum / Motor 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 353 kW / 480 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 310 km/h
Verbrauch 12,9 l/100 km
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