Porsche Boxster

Neue Leichtigkeit

Vor sechs Jahren erblickte der Boxster das Licht der Autowelt, nun hat Porsche nachgelegt. Das Ergebnis: Leichte Retuschen an der Oberfläche, leichter Kraftzuwachs unter dem Blechkleid und leichte Änderungen im Innenraum.

Vorsicht ist bekanntlich nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern auch die der Weisheit. Porsche-Boss Wendelin Wiedeking und sein Chefdesigner Harm Lagaay müssen weise Männer sein. Denn die stilistische Kosmetik, mit der die zweite Generation des seit 1996 gebauten Porsche Boxster neuen Schwung in den Verkauf bringen soll, fiel sehr ­behutsam aus. Der Kenner registriert ein modifiziertes Bugteil mit veränderten Lufteinlässen, in Wagenfarbe gehaltene Lamellen der seitlichen Kühlluftöffnungen sowie eine neue Heckschürze und graue Verglasung der hinteren Blinker. Dazu kommt noch ein harmonischer der Karosserieform angepasster Heckspoiler, der wie gewohnt bei 120 km/h ­automatisch ausfährt. Und schließlich ersetzt, als echte Verbesserung an der Karosserie, ein heizbares Heckfenster aus Glas die bisherige Kunststoffscheibe. Wer ganz genau hinschaut, erkennt auch, dass das Stoffverdeck jetzt etwas steiler zum Heckdeckel hin abfällt. Das sorgt für eine bessere Anströmung des Heckspoilers. Trotz allem ist das Erscheinungsbild des Boxster das eines alten Bekannten – ein Eindruck, der sich nach dem Besteigen des Cockpits verstärkt. Hier fällt vor allem das neue PCM-System (Porsche Communication Management) mit 16:9-Bildschirm ins Auge, das gegen ­Aufpreis angeboten wird. Es enthält Doppeltuner, CD-Player, Bordcomputer, dynamische Navigation sowie auf Wunsch ein Dualband-Telefon. Als besondere Neuheit preist Porsche den so genannten MOST-Datenbus (Media Oriented Systems Transport). Er verbindet die einzelnen Bestandteile durch Lichtwellenleiter. Die digitale Übertragungstechnik soll unter anderem die Sound-Qualität erheblich verbessern. Die weiteren Neuerungen im Innenraum: Es gibt endlich ein Handschuhfach, in das sogar ein Straßenatlas passt, und einen ausklappbaren Cupholder in der Mittelkonsole. Alles schön und gut, aber was bei Porsche wirklich zählt, ist Leistung. Sie hat zugenommen, wenn auch in bescheidenem Ausmaß. Sowohl der Boxster als auch der wiederum an seinem Doppelrohr-Auspuff zu erkennende Boxster S bieten jetzt acht Pferdestärken mehr. Der 2,7-Liter-Sechszylinder des Basismodells leistet nun 228 PS bei einer um 100/min höheren Nenndrehzahl (6400/min). Der 3,2-Liter-Motor der S-Variante bringt es auf 260 PS, wozu er 50/min weniger benötigt als sein Vorgänger. Zudem konnte der Normverbrauch um rund zwei Prozent reduziert und die Abgasqualität (D4) verbessert werden.

All dies resultiert aus einem be­trächtlichen technischen Aufwand. Der Boxster-Motor verfügt über ein neues Motormanagement (Motronic ME 7.8) sowie über die aus dem Carrera bekannte Variocam-Technik, die eine voll variable Verstellung der Einlassnockenwellen um bis zu 40 Grad erlaubt. Effekt: mehr Durchzugskraft im unteren Drehzahlbereich, mehr Leistung bei hoher Drehzahl. Der Spitzenwert des Drehmoments blieb beim Boxster (260 Nm) unverändert, wird aber bei geringfügig niedrigerer Drehzahl (4700 statt 4750/min) erreicht. Der Boxster S legt fünf Newtonmeter (jetzt 310 Nm) zu, die bei 4600 statt 4500/min anfallen. Das alles sind keine weltbewegenden Werte, weshalb auch die Werksangaben für die Beschleunigung von null auf 100 km/h nur eine Verbesserung um jeweils 0,2 Sekunden versprechen. Dies zu verifizieren bleibt einem späteren Test vorbehalten. Der Fahreindruck, das zeigt der erstmals gefahrene Boxster S, hat sich jedenfalls nicht wesentlich verändert. Das leicht verbesserte Ansprechen un­termauert den Eindruck eines vorzüglichen Sportmotors, der über einen weiten Drehzahlbereich eine gleichmäßige Leistungsentfaltung bietet und nahezu vibrationsfrei läuft. Weil das Vergnügen an einem solchen Motor viel mit der Akustik zu tun hat, durften auch die Sound-Ingenieure Hand anlegen. Der Boxster klingt nun noch besser. Zum dominanten Ansauggeräusch bei hohen Drehzahlen tritt ein kraftvollerer Auspuffton, der sich am besten bei geöffnetem Verdeck genießen lässt. Das Fahrwerk blieb bis auf neu gestaltete 17- und 18-Zoll-Räder, welche die ungefederten Massen reduzieren, unverändert. Schließlich bestand hier auch kein Handlungsbedarf. Denn der Boxster zeichnet sich nicht nur durch erstklassiges Handling, sondern auch durch sehr ausgewogenes, gutmütiges Fahrverhalten aus. Ein gutes Auto ist also noch besser geworden. Den hohen Reifegrad des Boxs­ter unterstreicht nicht zuletzt eine hohe Karosseriequalität, wie sie beim Einsteiger-Porsche nicht immer selbstverständlich war. Nur in einem Punkt bleibt alles beim Alten: Der neue Boxster kostet nicht mehr als sein Vorgänger.

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