Porsche Cayenne

Das Ziel ist klar: Der Porsche Cayenne will auf der Straße und im Gelände an die Spitze.

Die Welt steht Kopf. Eines der stärksten Automobile, die die Kunden des Hauses Porsche erwerben können, ist kein Sportwagen. Jedenfalls keiner, der sich an herkömmlichen Maßstäben orientiert.

Es ist ein Geländewagen. Ein geräumiger Kombi, fünfsitzig und mit großem variablem Kofferraum. Und doch ein Sportwagen. Porsche, so scheint es, hat mit dem neuen Cayenne die gern zitierte Eier legende Wollmilchsau auf die Räder gestellt.

Da stellt sich die Frage, welche Gene überwiegen. Erfreulicherweise sind es, wie die erste Bekanntschaft mit der dritten Modellreihe der Marke zeigt, die mit Abstand wichtigsten: die Porsche-Gene.

Der auf der gleichen Plattform wie der VW Touareg entwickelte Cayenne bemüht sich schon stilistisch um eigene Identität. Die Türen entsprechen denen des VW, die anderen Bestandteile des Blechkleids präsentieren sich in differenter Form. Die Heckpartie geriet sehr schlicht – aus dieser Perspektive ist nur der Schriftzug wirklich porschetypisch.

Wer den Cayenne von vorne betrachtet, sieht es sofort. Die Form der Scheinwerfer, die großen Lufteinlässe – das kann nur ein Porsche sein. Das Topmodell Cayenne Turbo setzt dabei gegenüber der Basis Cayenne S noch eins drauf. Es kommt daher wie ein 911 Turbo auf Stelzen.

Auch im Innenraum erkennt man das Bemühen, die Familienähnlichkeit mit dem VW Touareg zu minimieren. Das Zündschloss sitzt links vom Lenkrad. Die Rundinstrumente zeigen das bekannte Design. Das Bedienungsschema entspricht dem der übrigen Porsche-Produkte.

Die weitere Gestaltung bleibt dem Kunden überlassen, wobei die Liste der Zusatzausstattungen beim Grundmodell von bemerkenswerter Länge ist. Der Turbo dagegen hat schon serienmäßig – fast – alles, was das Herz begehrt. Vor allem Leistung im Überfluss. Der neue V8-Motor (siehe auch Seite 29) mit seinen beiden Turboladern schiebt den Cayenne in einer Art und Weise voran, die in der Welt der Sport Utility Vehicles einzigartig ist. Auf Wunsch kann der Cayenne Turbo mit bis zu 266 km/h über die Autobahn schießen. Für die Beschleunigung von null auf 100 km/h nennt das Werk 5,6 Sekunden, was angesichts der druckvollen Leistungsentfaltung durchaus glaubhaft erscheint.

Bei alldem geht der Cayenne Turbo recht unauffällig zur Sache. Dafür sorgt auch die Sechsgang-Automatik, die sehr schnell auf wechselnde Gaspedal-Stellungen reagiert und sich durch weiche Schaltvorgänge auszeichnet. Dazu passt die Laufkultur des V8, der bis zum mittleren Drehzahlbereich sehr leise arbeitet und erst beim Ausdrehen seine Stimme zu einem angriffslustigen Fauchen erhebt. Die dämpfende Wirkung der beiden Lader trägt zu dem zivilisierten Gesamtbild bei.

Abgesehen davon deutet wenig auf die Aufladung hin, was für die lange Erfahrung von Porsche mit Turbomotoren spricht. Der Ladedruck wird beim Gasgeben blitzschnell aufgebaut, der V8 reagiert ohne nennenswerte Verzögerung. Allein der direkte Vergleich mit der Saugversion des Cayenne zeigt, dass es nochmals etwas besser geht. Deren Ansprechverhalten wirkt noch spontaner, der Klang des Motors wegen des deutlicher in Erscheinung tretenden Ansauggeräuschs aggressiver.

An Leistung fehlt es auch hier nicht. Schon der Cayenne S spielt die Rolle des souverän motorisierten Sportwagens überzeugend.
Die Fahreigenschaften räumen letzte Zweifel aus. Die bei Geländewagen üblichen Einschränkungen kann man getrost vergessen. Die Lenkung arbeitet mit hoher Präzision, wenn auch bei langsamer Fahrt nicht gerade leichtgängig. In Kurven vermag der Cayenne eine so hohe Querbeschleunigung aufzubauen, dass es einer schon sehr provokanten Fahrweise bedarf, um das elektronische Stabilitätsprogramm zum Eingreifen zu veranlassen.
Die Bewegungen der Karosserie um die Längsachse sind auf ein Minimum reduziert, das Eigenlenkverhalten ist weitgehend neutral. Dazu trägt vor allem bei, dass Porsche, ganz im Sinne der gewünschten Sportlichkeit, eine asymmetrische Verteilung der Antriebskraft vorgesehen hat. Solange die elektronische Steuerung wegen auftretenden Schlupfs nicht anders entscheidet, gehen 62 Prozent an die Hinter- und 38 Prozent an die Vorderachse.
Angesichts der dynamischen Qualitäten des Cayenne konnten Einschränkungen hinsichtlich des Federungskomforts nicht ausbleiben, was für den Kenner der Zuffenhausener Sportwagen aber in erster Linie bedeutet, dass er mit einer ihm wohl vertrauten Härte konfrontiert wird.
Die Federung ist sehr straff abgestimmt und gibt vor allem lange Bodenwellen ungeschminkt an die Insassen weiter. Die Stahlfederung des Basismodells wirkt dabei noch etwas verbindlicher als die optionale (beim Turbo serienmäßige) Luftfederung.

Bei ihr wird die Kennung der Stoßdämpfer je nach Fahrweise und Fahrbahnzustand automatisch reguliert, wobei der Fahrer per Knopfdruck zunächst einmal eine Grundeinstellung (Sport, Normal oder Komfort) vornehmen kann. Aber auch die Komfort-Justierung ändert nichts daran, dass schnelles Fahren auf schlechten Straßen von deftigen Stößen und abrupten Vertikalbewegungen der Karosserie begleitet wird.

Die Luftfederung hat aber einen großen Vorteil für diejenigen, die mit dem Cayenne ins Gelände gehen wollen. Sie erlaubt es, die Bodenfreiheit per Knopfdruck auf bis zu 27 Zentimeter zu erhöhen.
Die Allradtechnik mit zuschaltbarer Geländeübersetzung und bei Bedarf zu 100 Prozent sperrbarem Zentraldifferenzial spricht dafür, dass der Cayenne auch abseits der Straße eine gute Figur macht. Für Hartgesottene wird es zudem ab dem Modelljahr 2004 ein manuell sperrbares Hinterachs-Differenzial sowie eine Hydraulik zum Entkoppeln der Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse geben. Das ermöglicht eine erhöhte Achsverschränkung und sorgt damit für bessere Traktion beim Überfahren grober Unebenheiten.
Aber auch ohne dieses Offroad-Paket lässt der Cayenne keinen Zweifel daran aufkommen, dass er sich im Geländeeinsatz mit den Besten der Zunft messen kann.
Er bewältigt mühelos extreme Steigungen, kommt dank der Sperrwirkung per Bremseneingriff auch dann noch weiter, wenn zwei Räder in der Luft hängen, und krabbelt Gefälle ohne Zutun des Fahrers im Schritttempo hinunter.
Der muss sich in erster Linie um die Wahl der richtigen Reifen kümmern. Die bis 300 km/h zugelassenen Sommerreifen empfehlen sich naturgemäß nicht für schweres Geröll, während die meisten Geländereifen auf der Straße nur eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h erlauben. Allround-Genies unter den Reifen gibt es bis heute nicht. Die Auto-Technik, der Cayenne beweist es, ist da schon ein gutes Stück weiter gekommen.

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Technische Daten
Porsche Cayenne S Stahlfederung
Grundpreis 65.860 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4782 x 1928 x 1699 mm
KofferraumvolumenVDA 540 bis 1770 l
Hubraum / Motor 4511 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 250 kW / 340 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h
Verbrauch 14,8 l/100 km
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