Porsche Cayman S

Feuer unterm Dach

Foto: Achim Hartmann 13 Bilder

Nur ein Boxster S Coupé oder doch ein kleiner Carrera? Am neuen 295 PS starken Porsche Cayman S entzünden sich die Gemüter. auto motor und sport war bei der letzten Testfahrt dabei.

Wahrscheinlich weiß er nicht, was ein Mittelmotor-Sportwagen ist, wahrscheinlich ist es ihm auch egal. Doch als der rote Pfeil vorbeifegt, hinterlässt die Nase des kleinen Jungen eine ventilbreite Beschleunigungsspur auf der Seitenscheibe des VW Passat.

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Von wegen nur ein Boxster mit festem Dach. Wenn kleine Buben, die beim Anblick eines üblichen Carrera kaum aufschauen, auf einmal den Kopf rotieren lassen und mit den Augen strahlen wie Xenon- Lampen, kann man sich sicher sein, dass der neue Porsche wirkt. Kompakt, flach und mit einer betörend knackigen Rundung im Heck, das die Rückansicht eines 911er merkwürdig schwerfällig erscheinen lässt – das ist der Cayman S.

Dicke Backen macht er nur dort, wo es die 265er-Hinterreifen verlangen, und nicht, um einen prallen Heckmotor zu bedecken. Dazu spielt aus der Mitte des Raumes der sechsstimmige Zuffenhausener Posaunenchor, dirigiert vom Takt des Gasfußes, ein inbrünstiges Blaskonzert. Kammermusik für Auto-Freaks.

Imposant, prägnant Boxer-bollerig, aber weit entfernt von prollig-brüllender Aufdringlichkeit, gebärdet sich der Cayman-Motor zwar nicht wild zupackend, aber erstaunlich elastisch. Bis die Tourennadel auf 5200 Umdrehungen spurtet. Dann reißt die Verteilerklappe der zweiflutigen Ansauganlage vollends den Schlund auf, und aus Posaunen werden Trompeten. Der 3,4- Liter-Sechszylindermotor, ein Zwitter aus dem Carrera-Zylinderkopf mit variabler Ventil- und Nockenwellensteuerung (Vario-Cam Plus) und dem aufgebohrten Korpus des Boxster-Motors, heizt nun richtig ein.

Auf jeden Mikrometer Gaspedalweg hin blitzschnell ansprechend, feuert die Kraft des flachen Aggregats den Fahrerleib so massiv in den zu knapp geratenen Sportsitz, als gelte es, aus dem Piloten ein neues Formteil zu pressen. Bei 7300/min oder maximal 275 km/h ist Schluss mit der Musik.

Frustrierend an der Motorshow ist nur, dass zur Betrachtung des versteckten Boxer-Triebwerks immer eine Hebebühne konsultiert werden muss. In 5,4 Sekunden flitzt der schlanke Sprinter laut Werk auf 100 km/h. Kaltes Zahlenwerk, denn geradeaus schnell sein kann heute jeder feist motorisierte Geländewagen.

Der dramatische Unterschied offenbart sich bei der nächsten Kurve. Mit der Präzision einer Konstruktionszeichnung folgt die Cayman-Lenkung den Steuerbefehlen des Fahrers.

Das einzig Indifferente daran ist nur der Gedankengang des Fahrers, der überlegt, ob er statt des 20- nicht gleich den 50-Kilometer-Umweg über Land nehmen soll. Gleichzeitig katapultiert sich das 295-PS-Gefährt mit schwindelerregender Leichtigkeit um Kurven. Der Cayman saugt, krallt und beißt sich in den Asphalt, fest entschlossen, mit stoischer Neutralität und leidenschaftlicher Wank-Ignoranz der Querbeschleunigung zu trotzen.

Und fegt dabei brachial schnell und berauschend handlich auch um engste Kreisverkehre. Sogar fixer als die Anweisungen der etwas zu üppig beknopften Becker-Navigation, deren Hinweis „bitte den Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt verlassen“ 100 Meter früher deutlich mehr Sinn gemacht hätte als jetzt wieder auf der Geraden.

Die Gänge des Sechsganggetriebes rasten dabei ein wie Bolzen in einem Tresor: verbindlich, hart und endgültig. Im Vergleich zur Boxster-Basis wurde das Fahrwerk noch mal deutlich gestrafft, und dank dem festen Dach stieg laut Porsche die Biegesteifigkeit um 100 Prozent. Vom Carrera trennen den Cayman gleich 130 Kilogramm weniger Kampfgewicht, verbunden mit der idealen Gewichtsbalance eines Mittelmotors.

Damit steigt der schlanke Athlet geradewegs in den Handling-Himmel auf. Sportlich sein heißt leicht sein, fast hätte man es vergessen. Dort oben, im bekannten Boxster- Interieur mit der sportlich-intimen Enge eines warm gewordenen Neopren- Anzugs, reist es sich erstaunlich komfortabel. Für so einen kompakten Heißsporn fast schon auf Wolken, denn das aufpreispflichtige adaptive Dämpfersystem (PASM) befreit in Normalstellung die Bandscheiben wirkungsvoll vom Dämpfungsjob.

Zehn Millimeter tiefer kauernd gibt es in Stellung Sport jedoch keine Gnade. Dann tritt einem das nochmals verhärtete Cayman-Fahrwerk ungefähr so ins Kreuz, als hätte man Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nach Dieselmotoren gefragt. Und auch die Gaspedal-Kennlinie wechselt unter diesen Vorzeichen von gleitenddynamisch auf digital und böse.

Noch nicht böse genug? Kein Problem. Für 742 Euro schaut den Fahrer mit dem Sport Chrono-Programm nicht nur eine Stoppuhr wie ein Zyklopenauge vom Armaturenbrett aus an, auch Fahrwerk, ESP und Motorsteuerung werden elektronisch für den Leistungssport gedopt. Mit acht Minuten und elf Sekunden beendet der Cayman dann laut Porsche den Nürburgring- Nordschleifen-Ausflug, in voller PASM- und 19-Zoll-Rad-Bewaffnung noch mal neun Sekunden schneller als die Basisversion.

Die Botschaft ist klar: Carrera, zieh dich warm an! Der ohnehin schon schmale Grenzbereich wird in dieser Einstellung richtig eng, und der Cayman-Fahrer wartet adrenalinschwanger auf den Moment, wenn das kleine Zuffenhausener Krokodil beim Lastwechsel in bester Mittelmotormanier wütend ausbricht und seinen Schwanz wirft. Doch der Baby- Porsche bleibt, auch unterstützt vom nun erst bei sehr fortgeschrittenen Heckschwenks eingreifenden ESP, absolut beherrschbar.

Die Farbe Gelb wirkt dabei besonders beruhigend, denn sie signalisiert die 7830 Euro teure Keramikbremse. Richtig heiß gemacht, rammt sie einen so brutal in die Gurte, als verkeile das Verzögerungs-Porzellan einen Anker im nächsten Felsblock. Die Anhalte- Kur gibt es ohne Nebenwirkungen, denn verschämtes Quietschen und nerviges Ruckeln, all die Anzeichen früherer Keramikscheiben, sind dem schwäbischen Alligator völlig fremd.

Auf dem Parkplatz darf verschnauft werden, und gleichzeitig muss der Fahrer ein paar Sachen aufsammeln, die der Trägheit folgend vom flachen offenen Kofferraumabteil hinter den Kopfstützen nach vorne geschossen sind. 410 Liter Laderaum verspricht Porsche, effektiv nutzbar sind aber nur die 150 Liter unter der Fronthaube.

Und damit bleibt die Frage: Was bringt der Cayman seinem Käufer, wenn der für ein paar PS mehr, aber ohne Cabriogefühl und mit kaum gestiegener Praktikabilität 6000 Euro mehr zahlen muss als für einen Boxster S? Verdammt viel Spaß beim 911 Carrera-Ärgern.

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Technische Daten
Porsche Cayman S
Grundpreis 69.942 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4341 x 1801 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l
Hubraum / Motor 3386 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 217 kW / 295 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
Verbrauch 10,6 l/100 km
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