R kommt gut - VW Passat R36

Sport-Modelle und individualisierte Autos liegen voll im Trend. Das
führt fast zwangsläufig zu einer sehr sportlichen R36-Variante des VW Passat – mit 300 PS starkem 3,6-Liter-V6 und Allradantrieb. Fahrbericht.

Kein Wunder, dass VW die R-Philosophie weiterverfolgt: „Der Golf R32 hat gut eingeschlagen“, verrät Carsten Kröger, Geschäftsführer der für die Entwicklung von R-Typen und anderen VW-Sondermodellen wie etwa Cross Polo oder Polo Blue Motion zuständigen Gesellschaft VW Individual. „Vom R32 bauen und verkaufen wir rund 300 Stück pro Woche.“

Ganz so hochgesteckt sind die Verkaufsziele für das zweite R-Modell zwar nicht, aber ein stattlicher positiver Beitrag zum Geschäftsergebnis ist fest eingeplant. Zunächst freilich heißt es Geduld bewahren: Offiziell präsentiert wird der Passat R36 auf der Motor Show in Essen Ende November – und zwar als Limousine und als Kombi.

Auf den Markt kommt das flotte Duo allerdings nicht vor Mai nächsten Jahres. auto motor und sport hatte anlässlich von Abstimmungsfahrten am Nürburgring bereits Gelegenheit, erste Fahreindrücke zu sammeln. Den sportlichen Status des R36 dokumentiert äußerlich vor allem ein modifiziertes Gesicht mit matt verchromtem, tief heruntergezogenem Kühlergrill.

Ähnlich wie beim Golf R32 kaschieren Lamellen die riesigen Luftöffnungen in Grill und Bugschürze. Dezente Abdeckungen über den Radhäusern, in denen wuchtige 18-Zoll- Aluminiumräder mit kräftigen Speichen stecken, breitere Seitenschweller, kirschrot eingefärbte Rückleuchten sowie eine neu gestaltete Heckschürze und zwei armdicke Auspuffendrohre ergänzen das R-typische Outfit.

Dem dynamischen Auftritt, zu dem auch die um 25 Millimeter tiefergelegte Karosserie beiträgt, passt sich der Innenraum mit sportiven Attributen an. In den neu entwickelten Sitzen fühlt man sich sofort wohl, denn sie sind nicht nur bequem gepolstert, sondern umklammern den Körper eisern, was man vor allem in Kurven schätzt.

Wer die als Extra angebotene Ledergarnitur bestellt, erhält zudem pneumatisch verstellbare Lehnenwangen. Die Hände greifen den zu wulstigen Lederkranz des Multifunktionslenkrads etwas widerwillig, die Augen registrieren dagegen wohlwollend übersichtliche Instrumente mit blauen Zeigern, die in einer hochwertigen Aluminium- Verkleidung mit technisch-coolem, so genanntem engine-spin-Muster stecken.

Die Füße treten Pedale aus Edelstahl. Der runde Schaltknauf des serienmäßigen, sechsgängigen Direktschalt-Getriebes liegt sympathisch in der Hand, muss aber nur selten betätigt werden. Bei flotter Fahrt wechselt man die Gänge praktischerweise mit den Paddeln hinterm Lenkrad oder überlässt diese Aufgabe der Automatik mit den beiden Schalt-Kennlinien Komfort und Sport.

Im R36 schaltet das DSG-Getriebe so schnell wie derzeit in keinem anderen VW – bei Volllast und hoher Drehzahl in rund 100 Millisekunden. Dafür haben die Techniker tief in die Trickkiste gegriffen. „Wir schalten während des Gangwechsels bis zu vier Zylinder ab“, erklärt Individual-Entwicklungschef Stefan Ellrott, „um das zu übertragende Drehmoment zu verringern.“

Das wird auch hörbar, als dumpfer Knall im kernigen Auspuffsound. Der ist insgesamt sonor-dezent komponiert, um auf langen Strecken nicht lästig zu werden. Damit passt er gut zum Charakter des Sechszylinders: Denn der schindet hauptsächlich mit seinem stattlichen Drehmomentplateau Eindruck, das beachtliche 350 Newtonmeter zwischen 2400 und 5300 Touren erreicht, und erst in zweiter Linie mit seiner Nennleistung von 300 PS und der ausgezeichneten Drehfreudigkeit bis maximal 7000 Umdrehungen.

Dieser Motor gehört zur so genannten VR6-Familie und verfügt über Benzin- Direkteinspritzung. Damit zählt er zur jüngeren Generation, die – geringeren Außenabmessungen zuliebe – den noch kleineren, von 15 auf 10,6 Grad reduzierten Zylinderwinkel aufweist.

Auch weil der V6-Motor so spontan am Gas hängt und seine Kraft dank permanentem Allradantrieb fast immer schlupffrei auf die Straße bringt, darf man den Fahrleistungsangaben des Werks wohl Glauben schenken: Spurt von null bis 100 km/h in 5,9 Sekunden, Höchsttempo abgeregelte 250 km/h. Die knapp 60 Kilogramm leichtere Limousine soll es sogar zwei Zehntelsekunden schneller auf 100 schaffen. Das ist aller Ehren wert, aber nur die halbe Wahrheit.

Denn von einem Sport- Kombi dieses Kalibers darf man auch im Fahrverhalten außergewöhnliche Leistungen erwarten. Da haben die Entwickler vorgesorgt – mit härteren Stoßdämpfern, kürzeren Federn, dickeren Stabilisatoren sowie größeren Bremsen mit blauen Sätteln. Gelungene Eingriffe, wie das gutmütige, weitgehend neutrale Eigenlenkverhalten und die ansprechende Handlichkeit zeigen. Sie wird geprägt von der auch um die Mittellage direkten Lenkung, die guten Fahrbahnkontakt bietet.

Andererseits darf man nicht auf große Komforterlebnisse hoffen: Die Federung ist betont straff und auf kurzen Unebenheiten stößig. Das ficht wahre Sportsfreunde ebenso wenig an wie der angepeilte Preis um 44 000 Euro. Denn dafür gibt es immerhin die Gewissheit, mit dem stärksten Passat aller Zeiten zu segeln.

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