Range Rover, Sport und Discovery

Bruder-Herz

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Ein Triebwerk, drei Charaktere: Range Rover, Range Rover Sport oder Land Rover Discovery, alle mit dem gleichen V8-Motor. Aber welche Kombination ist für wen die beste Wahl?

Egal ob Land Rover oder Range Rover: Die Autos des britischen Offroad-Spezialisten haben was. Stil und Charakter zum Beispiel. Aus der Landschaft der SUVWelt ragen sie heraus wie Monolithen auf einer Kuhweide – Stonehenge auf Rädern. Andere geben sich weichgespült und androgyn, ein Land oder Range Rover aber steht aufrecht. Dazu gehört, dass man es mit der Bezeichnung Geländewagen ernst meint.

Die Hindernisse der Topographie meistern zu können, ohne dabei Schaden zu nehmen, ist bei den Produkten dieser Marke Ehrensache. So bleibt selbst der vornehme Range Rover im Kern ein Naturbursche, auch wenn seine Trekking-Sohlen meist nur über die Krawatten-Wege der Großstadt tänzeln. Pseudo-Offroader überlässt man der Konkurrenz. Das verdient Beifall, ändert aber nichts daran, dass auch bei Land Rover das Angebot mittlerweile ausufert. Da gibt es sowohl den klassischen Range Rover als auch den neuen Range Rover Sport. Letzterer ist freilich im Grunde seines Wesens eher ein Land Rover, denn technisch gleicht er im Gegensatz zum anderen Range Rover weitgehend dem größeren, aber billigeren Discovery.

Wer sich für die V8-Version entscheidet, bekommt aber bei allen drei Modellen den gleichen Motor – und der stammt vom Konzernbruder Jaguar. Konfus? Wen wundert’s. Da hilft am besten der direkte Vergleich. Drei Alternativen aus dem Land Rover-Gestüt: Welches Pferd für welchen Parcours? Die richtige Wahl fällt leichter als erwartet.

Für die Dressur, das ist schon optisch ganz klar, ist der klassische Range Rover zuständig. Das mächtige Gefährt paart Autorität mit unaufdringlichem Stil. Der Eindruck, geschmacklich einwandfrei unterwegs zu sein, verfestigt sich beim Besteigen des Fahrgastraums: „Tough luxury“ steht im Prospekt, das kommt den Tatsachen ziemlich nahe.

Anders als seine beiden Stallkollegen stammt der große Range Rover noch aus der BMW-Ära des Unternehmens, das merkt man ihm auch an. Es wurde sichtlich weniger gespart als bei den neueren Modellen. Das Material wirkt wertvoller, Details verbreiten die Aura teurer Exklusivität. Zugleich bleiben die traditionellen Merkmale intakt: Der Range Rover-Fahrer thront eine Etage höher als gewöhnliche SUVLenker, vier Personen können sich zwanglos ausstrecken.

Und beim Angeln bietet die untere Hälfte der geteilten Heckklappe die passende Sitzgelegenheit. Dass man im Range auch abgelegene Gewässer erreicht, versteht sich von selbst. Überraschender ist da schon der Komfort, mit dem die luftgefederte Edelkarosse durch die Wildnis stelzt – gepflegter lässt sich Mutter Natur nicht erforschen.

Zurück in der Zivilisation fällt auf, dass die jüngste Modellüberarbeitung punktgenau die bisherigen Schwächen adressierte.

Der BMW-V8 wurde von einem überarbeiteten Jaguar-Triebwerk ersetzt. Das bringt 20 Mehr-PS, vor allem aber eine deutlich verbesserte Laufkultur. Nun passt die Akustik zum gepflegten Fahreindruck. Zugleich wurde das Fahrwerk gestrafft, was der Handlichkeit und Lenkpräzision dient, ohne den Federungskomfort nennenswert zu beeinträchtigen – gute Arbeit.

Weniger darf man in dieser Preislage allerdings auch nicht erwarten. 74 400 Euro kostet der V8 bereits in der Basisversion. Keine Frage, dass vielen Range Rover-Freunden da die Luft ausgeht – ein Zustand, dem nun der neue Range Rover Sport abhelfen soll. Er ist nicht nur preisgünstiger (V8 ab 61 800 Euro), sondern auch kürzer, niedriger, wendiger und kurvenfreudiger, alles Eigenschaften, die zahlreiche Interessenten begrüßen dürften. Da er obendrein nach Range Rover aussieht, kann – so die Logik des Herstellers – eigentlich nichts schief gehen.

Die Praxis zeigt freilich, dass damit auch ein grundlegender Wesenswandel verbunden ist. Im Vergleich zum majestätischen Klassiker fährt sich das Sport-Modell fast wie ein normales Auto. Es erreicht diesbezüglich zwar nicht das Niveau der M-Klasse von Mercedes, aber gemessen an den bisherigen Land Rover-Maßstäben ist die neue Fahrdynamik eine Offenbarung.

Weniger beeindruckend hingegen der Komfort: Bei schneller Fahrt auf schlechten Straßen wird der Range Rover Sport ruppig. Auch sonst muss man sich neu orientieren. Die Palast-Eindrücke ersetzen Cockpitgefühle. Zwar bleibt es bei der erhabenen Sitzposition, aber die Insassen hocken vergleichsweise dicht aufeinander, die hohe Mittelkonsole unterteilt die Kanzel in Sitznischen.

Das Design wirkt ansprechend und individuell, doch die Folgen des Rotstifts bleiben einem nicht verborgen: Im großen Namensvetter geht es gediegener zu. Außerdem fehlt die geteilte Heckklappe – der Range Rover Sport begnügt sich mit einem separat aufklappbaren Heckfenster. Unter dem Blech beschränkt sich die Range Rover-Verwandtschaft auf den Antrieb. Der begnügt sich hier mit sieben PS weniger, bietet ansonsten aber die gleichen angenehmen Qualitäten.

Die Vokabel „Sport“ sollte man übrigens nicht auf die Goldwaage legen, das gilt für die Längs- wie für die Querdynamik des Autos. Im Land Rover- Stall mag der Range Rover Sport für den Galopp zuständig sein, aber überschäumendes Temperament wäre beim V8 in der Saugervariante (wahlweise gibt es ihn auch mit Kompressor) zuviel erwartet.

Dagegen spricht schon das Gewicht: Mit 2,5 Tonnen ist der kleinere Range nur 59 Kilogramm leichter als der größere. Ein Mercedes ML 500 wiegt 266 Kilo weniger.

Kein Ruhmesblatt, aber technisch erklärbar: Im Gegensatz zum Range Rover ist die Karosserie des Sport nicht selbsttragend, sondern baut auf einem Rahmen auf, wie er auch im Discovery Dienst tut. Das bringt Gewicht. Die gute Nachricht: Geht es ins Gelände, dann steht der kleine Range dem großen in nichts nach.

Im Gegenteil: Nur er hat die neue Terrain Response- Steuerung. Ein Griff zum Drehschalter, und die Elektronik optimiert alle Variablen (Bodenfreiheit, Übersetzung, ASR, Motorsteuerung) passend für fünf Terraintypen. Das macht ihn nicht geländegängiger, aber narrensicher. Die gleiche Bedienungserleichterung steht freilich auch dem Discovery- Fahrer zur Verfügung.

Überhaupt drängt sich die Frage auf, warum man mehr Geld für den Range Rover Sport ausgeben soll, wenn es den technisch weitgehend identischen Discovery gibt, der obendrein erheblich mehr Platz bietet. Stimmt schon, der vornehmere Verwandte ist kompakter, handlicher und fahrdynamischer.

Aber der Discovery ist konsequenter, vermeidet Disziplinen, die ihm aufgrund seiner Konzeption und seines enormen Gewichts (2,62 Tonnen) fremd sind. Im Land Rover-Aufgebot gibt er das Arbeitspferd – handzahm, vielseitig einsetzbar, erschwinglich (V8-Preise ab 54 100 Euro). Mit seiner flächigen Form steht er wie ein Fels in der Brandung modisch gestylter Offroad-Kretins.

Aber er ist nicht nur außen groß (fast so groß wie der klassische Range Rover), sondern auch innen. Wer ihn mit den Klappsitzen im Laderaumboden nimmt, kann bei ausreichender Bewegungsfreiheit bis zu sieben Erwachsene transportieren. Dabei dürfte sich keiner über mangelnden Komfort beklagen: Die weiche Luftfederung schluckt fast alles, und der V8, stets kombiniert mit einem Sechsgangautomaten, belässt es bei sanftem Säuseln. Wer sich den Benziner leisten kann, kommt obendrein zügig voran.

Viel mehr animiert der Disco aber zum langsamen Walzer – das hebt zwar nicht den Adrenalinspiegel, schont aber das Nervenkostüm. Auf ein nobles Ambiente hofft man indes vergebens: Im Discovery geht es nüchtern zu wie in einem Sprinter. Ähnliches lässt sich von der gefühlten Qualität der Einrichtung behaupten.

Wem es beim SUV auf das Wesentliche ankommt, dem dürfte es trotzdem nicht schwer fallen, sich für den Discovery zu erwärmen. Ansonsten gilt für das durchaus stimmige Land Rover-Menü: ein Motor, drei Geschmacksrichtungen – herzhaft, spritzig und delikat.

Was noch fehlt, ist die leichte Kost: Mit Verbrauchswerten zwischen 16,9 und 18,5 Liter/100 km sind die V8-Happen schmackhaft, aber eben auch schwer verdaulich.

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Technische Daten
Range Rover Sport V8 HSE Range Rover V8 Land Rover Discovery V8 SE
Grundpreis 74.200 € 74.400 € 55.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4788 x 1928 x 1784 mm 4950 x 1956 x 1863 mm 4835 x 1915 x 1887 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 2013 l 535 bis 2099 l 1260 bis 2476 l
Hubraum / Motor 4394 cm³ / 8-Zylinder 4394 cm³ / 8-Zylinder 4394 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 220 kW / 299 PS bei 5500 U/min 225 kW / 306 PS bei 5750 U/min 220 kW / 299 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 209 km/h 200 km/h 195 km/h
0-100 km/h 10,2 s
Verbrauch 15,1 l/100 km 15,0 l/100 km 15,0 l/100 km
Testverbrauch 18,2 l/100 km
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