Renault Clio Sport V6

Die Sportabteilung von Renault setzt unter die Karosserie eines Clio einen 226 PS starken Mittelmotor. Ergebnis: der Renault Clio Sport V6, energiegeladenes Kraftpaket für den Spurt über kurvige Landstraßen.

Die Erwartungen an einen Renault Clio mit 226 PS sind äußerst hoch. Diese Leis­tung in einem Kleinwagen verspricht den Ritt auf der Kanonenkugel, eine kaum endende Beschleunigungsorgie. Vor dem geistigen Auge erscheint der Renault 5 Turbo von 1980, ein Kraft-Quader, der wegen sei-ner Mittelmotor-Bauweise den Grenzbereich allzu leicht als Kreisel verließ. Der Re­nault Clio V6, ein Enkel dieser Fahrmaschine mit dem Ganz-oder-gar-nicht-Turbohammer?

Der Grundgedanke von R‑5 und Clio ist gleich: Man nehme einen Stadtflitzer und schicke ihn ins Karosserie-Fitnessstudio, bis sich die Kotflügel über die Räder spannen wie ein zu enges Hemd über den aufgepumpten Bizeps. Dann implantiere man einen starken Motor – hinter den Rücken des Fahrers statt vor den Schoß. Schließlich vervollständige man die automobile Kreatur mit giftig zubeißenden Bremsen und einem leidensfähigen Fahrwerk.

So viel zu den Gemeinsamkeiten. Doch Renault will den Clio V6 weniger als Krawall-Kiste denn als langstreckentaugliches GT-Modell verstanden wissen. Dem widerspricht die reißerische Optik im Stil des angeberischen R 5‑Turbo: höhlenartige Lufteinlässe, kantige Verbreiterungen (plus 17 Zentimeter zum Standard-Clio) und riesige 17-Zoll-Felgen mit bis zu 235er-Walzen.

Anders als bei wilden Tuning-Bausätzen haben die Verbreiterungen am Clio allerdings echte Funk­tion: Sie schaffen Platz für das Triebwerk mit ­seiner raumgreifenden Aufhängung. Der Radstand wuchs um 3,8, die Spurweite hinten um 11,5 und im Zuge des Ausgleichs an der Vorderachse um 7,9 Zentimeter.

Denn dort, wo sich beim ­zivilen Bruder Fondpassagiere breit machen, schlägt das gro-ße Herz des kleinen Renners: ein Dreiliter-V6 mit 24 Ventilen, 226 PS bei 6000/min und 300 Nm bei 3750/min. Daten, die angesicht des hohen Leergewichts von 1335 Kilogramm ­relativiert werden. Zwar legt der V6 bei niedrigen Drehzahlen unter erotisierendem Auspuff-Trompeten vehement los – über 4500/min geht ihm aber die ­Puste aus. Dann heißt es
fleißig das Sechsganggetriebe bedienen und hochschalten.

Ganz im Gegensatz zum äußerlichen Renntrimm hat die Karosserie innen nur den fast fehlenden Kofferraum mit einer kompromisslosen Fahrmaschine gemeinsam. Trotz allen äu­ßerlichen Wachstums lässt sich nämlich nur bedingt Gepäck verstauen: Hinter den Sitzen ist Platz für Jacke und Tasche, ­unter der Fronthaube steht ein 67 Liter fassender Kof­ferraum zur Verfügung, im Heck ein weiterer mit 45 Litern.

Immer noch echte Kleinwagen-Großserie ist dagegen die lieblos gestaltete, aber funktional tadellose Plastiklandschaft des Armaturenbretts. Die Inneneinrichtung entstammt dem kleineren Bruder Renault Clio Sport 2.0 16 V. Obwohl optisch vom Schalensitz weit entfernt, bieten die mit Leder und Alcantara bezogenen Sitze trotzdem sehr guten Seitenhalt und sind gleichzeitig komfortabel.

So wie das Fahrwerk – und das hätte bei dieser Art Auto wohl niemand für möglich gehalten. Man muss keinesfalls
in den Tiefen des Fahrwerks nach Federung suchen. Im überraschend alltagstauglich abgestimmten Clio V6 lassen sich selbst lange Strecken ohne Rückenschmerzen absolvieren. Also doch ein Gran Turismo?

Schnelle Fahrt über die ­Autobahn mit bis zu 235 km/h ist nicht seine vorwiegende Bestimmung. Stattdessen lechzt die präzise, leichtgängige Lenkung nach Serpentinen. Es bedarf nicht einmal langer Ein­gewöhnungszeit, um mit dem Kraftpaket Biegungen zügig zu umrunden. Gelassen und leicht untersteuernd schnürt es selbst um sich zuziehende Kurven.

Nur eines darf der Pilot nicht bekommen: Angst vor der eigenen Courage. Wer die Kurvengeschwindigkeit zu opti­mistisch wählt und nach dem Einlenken vom Gas geht oder gar bremst, der muss ein oh-
ne Vorwarnung ausbrechendes Heck einfangen.

Obwohl den Fahrwerks-Spezialisten der perfekte Kompromiss zwischen hoher Kurvengeschwindigkeit und gro­ßem Komfort gelungen ist, konnten sie dem Mittelmotor-Sportler nicht die giftigen Lastwechselreaktionen abgewöhnen, die den ungeübten Piloten schnell ins Schleudern bringen können. Freunde des gepflegten Drifts kommen allerdings voll auf ihre Kosten, denn selten lassen sich Sportwagen ähnlich gut kontrollierbar übersteuernd bewegen.

In den Genuss des Quer­fahrens werden allerdings nur wenige kommen. Das 75 000 Mark teure und bei Tom Walkinshaw Racing (TWR) in Schwe­den von Hand montierte Auto kann zwar ab November bei den deutschen Renault-Händ­lern geordert werden; doch weil Interessensbekundungen und geplante Produk­tion (weltweit 5000 Stück bis 2003, rund 100 kommen nach Deutschland) in Miss­verhältnis stehen, soll der flotte Clio in Deutschland während einer ­Live-Übertragung im Internet verlost werden.

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Technische Daten
Renault Clio V6 Sport
Grundpreis 38.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3803 x 1810 x 1351 mm
KofferraumvolumenVDA 112 l
Hubraum / Motor 2946 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 166 kW / 226 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Verbrauch 11,1 l/100 km
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