Rinspeed iChange

Öko-Flunder mit Heck-Trick

Rinspeed iChange Foto: Reinhard Schmid 10 Bilder

Mit dem iChange stellt Rinspeed auf dem Genfer Autosalon ein Elektromobil vor, das sich den Bedürfnissen seiner Besitzer anpasst. Erstmals surrte nun die Öko-Flunder mit dem Heck-Trick an Südfrankreichs Küste entlang.

Frank Rinderknecht schlägt den Kragen seiner Jacke hoch, seine neueste Auto-Kreation ebenfalls. Der Mistral bläst, es ist frisch an Südfrankreichs Mittelmeerküste. Wie ein glatt geschliffener Bernstein liegt der nur gut einen Meter hohe Rinspeed iChange am Strand. Die gelegentlich zwischen den Wolken aufblitzende Sonne lässt die Kunststoffhaut mal in Orange, mal mehr in einem Kupferton aufleuchten. Rinderknecht ist für ausgefallene Mobile bekannt, die entweder tauchen, sich verlängern oder auf Emotionen der Insassen reagieren können.

Variable Platzgestaltung

Der iChange verblüfft mit einer Art in Wagenfarbe lackiertem Stehkragen, der auf Knopfdruck aus dem Wagenrumpf hochfährt und so die Passagierkanzel um rund zehn Zentimeter anhebt. Dann bietet das Auto Platz und Schutz für zwei weitere Mitreisende, die sich hinter dem mittig angeordneten Fahrersitz einfädeln können. Rinderknecht nennt diesen Prozess "adaptive Aerodynamik". Der Schweizer Ingenieur will mit dem iChange unter Beweis stellen, dass sich ein Auto dem tatsächlichen Energiebedarf anpassen kann. Während moderne Crossover-Modelle für ihre vielfältigen Talente ein großes, starres Korsett benötigen und deshalb mehr Kraftstoff verbrauchen als eigentlich erforderlich, soll der iChange nur so viel konsumieren wie tatsächlich nötig.

Eng und warm im Innenraum

"Fährt man beispielsweise alleine ins Büro, ist die Kanzel abgesenkt und sorgt somit für einen besseren cW-Wert, was wiederum den Energieverbrauch reduziert", erklärt Rinderknecht. Für bestmögliche Ergebnisse im Windkanal wählte der Entwickler die schon beinahe klassische Tropfenform. Die variable Fahrzeugkanzel macht aus dem zunächst wie ein reinrassiger Sportwagen anmutenden iChange fast ein veritables Familienauto - wenn es dann auch an Stauraum sowie generell an Bewegungsfreiheit fehlt. Falls der Fahrer größer als 1,85 Meter ist und nicht die Statur eines Triathleten mitbringt, wird es richtig eng unter der transparenten Kanzel. Und warm obendrein.

Elektrizität - der Antrieb der Zukunft

Doch die Temperatur hält sich dank dem bescheidenen Wetter am Tag des Proberitts in Grenzen. Das kleine Lenkrad schließt bündig mit den Oberschenkeln ab, die Knie touchieren die Karosserie, während die Füße im dunklen Nichts zwei aus dem Vollen gefräste Pedale ertasten. Ein Zündschlüssel findet sich nirgends, stattdessen gibt es zur Linken eine metallene Drückknopf-Klaviatur, deren unterschiedliche Funktionen aber mangels Beschriftung geheim bleiben. Eine Kurzanleitung auf einem DIN A4-Zettel schafft Abhilfe, ein imposanter Not-Aus-Schalter wirft weitere Fragen auf. Die Antwort: Der iChange fährt elektrisch. Rinderknecht macht deutlich, dass "Elektrizität der Antrieb der Zukunft ist".

Der iChange will ein Sportwagen sein

Beim Check der Instrumente wird klar, dass Autofahrer auch weiterhin weder auf ein umfangreiches Entertainment-System mit iPod-Steuerung noch auf eine Standheizung verzichten müssen - wohl aber auf eine Klimaanlage. Selbst Servolenkung und Bremshilfe scheinen verzichtbar, wie sich nach den ersten, beinahe lautlosen Metern herausstellt. Schließlich will der Rinspeed iChange trotz aller Effizienz ein waschechter Sportwagen sein. Die Basis dafür bildet ein Rohrrahmen-Chassis der britischen Puristen-Flunder Radical.

Von null auf 100 km/h in vier Sekunden

Ein 130 Kilowatt starker E-Motor soll den Dreisitzer von null auf 100 km/h in nur vier Sekunden beschleunigen und auf maximal 250 km/h treiben - das haben die Ingenieure auf Basis der besonders windschlüpfigen Formgebung zumindest errechnet. Dank der Lithium-Ionen-Batterien, die erstmals für ein Auto die Firma Siemens beigesteuert hat, verblüfft der Rinspeed iChange mit jenem spontanen Antritt, den die mobilen Massen der Gegenwart nur aus S- oder U-Bahnen kennen. Das geringe Gewicht von 1.050 Kilogramm lässt die theoretischen Fahrleistungen glaubwürdig erscheinen. Bei den angesichts des Prototypen-Status gebotenen niedrigen Geschwindigkeiten steht zunächst die Arbeit im Vordergrund.

Die Bremsen verlangen nach trainierten Waden. Diese bei den beengten Platzverhältnissen unterzubringen ist keine leichte Aufgabe. Der dünn gepolsterte Schalensitz bietet hingegen genug Raum für kräftig gebaute Fahrer, die über die zum Lenken nötige Armmuskulatur verfügen. Gegen die mechanischen Widerstände ankämpfend, surrt man mit dem iChange der Zukunft entgegen - bis er sich rund 100 Kilometer später nach einer Steckdose sehnt.

Emotionales Elektroauto

Möglicherweise genügt ja bald eine Zapfsäule, denn Rinderknecht schwebt vor, in den Rinspeed iChange einen Verbrennungsmotor als Range Extender einzubauen. Entsprechend der Philosophie des sich anpassenden Autos soll das zusätzliche Triebwerk einfach in der Garage zu montieren sein. Dass sich dabei zugleich die Systemleistung des Fahrzeugs erhöht, ist Rinderknechts Konzept vom "emotionalen Elektroauto" nur zuträglich.

Seine nur wenig ökologische Tuning-Sparte hat der Schweizer konsequenterweise verkauft, auf schnelle und aufregende Autos will er jedoch nicht verzichten. Emotional ist der Rinspeed iChange aufgrund der sportlichen Gene zweifelsfrei, und diese Sportlichkeit verlangt der Elektro-Renner auch von seinem Besitzer. Ob und wie sich die Idee des verwandlungsfähigen Fahrzeugs realisieren lässt, vermag Rinderknecht trotz achtjähriger Erfahrung mit nachhaltiger Mobilität nicht zu prognostizieren. Gegenwind dürfte jedenfalls kaum ausbleiben - auch außerhalb Südfrankreichs.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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