Ruf-Porsche R-Turbo

Ruf Automobile in Pfaffenhausen fertigt in winziger Stückzahl den Ruf-Porsche R Turbo - mit 520 PS und 740 Newtonmeter Drehmoment.

Eigentlich müsste er einen anderen Vornamen tragen, der Chef der Firma Ruf Automobile im bayerischen Pfaffenhausen. Max würde sehr viel besser passen als Alois.

Denn um das Maximum dreht sich alles bei Alois Ruf. Die stärksten Elfer der Welt zu bauen, hat er sich seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Vmax, Höchstgeschwindigkeit, ist das Ruf-Thema Nummer eins.

Als einer seiner Turbos bei einem auto motor und sport-Test der schnellsten Autos im italienischen Nardo die Krone errang, ließ der ansonsten eher zu Sparsamkeit neigende Ruf ganz freiwillig den Champagner strömen.

Im Dienste der Höchstgeschwindigkeit verpflanzt die Ruf-Manufaktur, die Herstellerstatus genießt, ihre bärenstarken Turbomotoren gerne in die schmale Karosserie des normalen 911 Carrera, die wegen ihrer geringeren Stirnfläche dem Fahrtwind weniger Widerstand entgegensetzt als die des Porsche Turbo.

Allradantrieb kann, muss aber nicht sein. Die am härtesten gesottenen Ruf-Kunden, die fast durchweg in den USA zu finden sind, verzichten vollkommen unamerikanisch nicht nur auf Cupholder, sondern bereitwillig auch auf den Antriebsstrang zu den Vorderrädern.

Denn der frisst Leistung und bringt zusätzliches Gewicht an Bord, das der reinen Schub-Lehre nicht dienlich ist. Der Heckantrieb kostet bei Ruf zwar Aufpreis, aber das nimmt die angepeilte Leistungsgesellschaft leichten Herzens in Kauf, weil ein paar Tausender mehr oder weniger nun wirklich Peanuts darstellen bei einem Sportwagen, der mehr als 400.000 Mark kostet.

Das Wichtigste aber ist natürlich, was hinten reinkommt. Der Sechszylinder-Boxer, der im Serientrimm 420 PS leistet, erhält bei Ruf zwei größere KKK-Turbolader, eine modifizierte Ansauganlage sowie einen Auspufftrakt mit besserem Durchsatz. Mit entsprechender Anpassung der Motorelektronik liefert das Kraftpaket dann 520 Pferdestärken, die bei der gleichen Drehzahl anfallen wie beim Serienmotor: 6.000/min.

Dass hier Gewalt gesät wird, verrät womöglich noch eindrucksvoller der Wert des maximalen Drehmoments: 740 Newtonmeter, die schon bei bescheidenen 3.500/min über die Kurbelwelle herfallen.

Im Hubraum bleibt der Monstermotor bei exakt 3.600 Kubikzentimetern, was eine Literleistung von 144 PS ergibt. Und um die Phalanx der Zahlen-Superlative voll zu machen: Jede der 520 Pferdestärken im Ruf-Heck hat nur 2,94 Kilogramm in Bewegung zu setzen.

Der beherzte Tritt aufs Gas entfesselt erwartungsgemäß ein Beschleunigungsinferno. Der R Turbo schießt aus den Startlöchern wie von einer Kanone abgeschossen. Der heisere Ton des Motors, bei niedrigen Drehzahlen noch ganz dezent, wird im oberen Drehzahlbereich und unter Vollast zum aggressiven Kreischen der Boxer-Symphonie, einem klassischen Opus für sechs Zylinder. Der Schub gleicht einem Tritt in den Allerwertesten, gleichzeitig sorgt die dynamische Achslastverlagerung dafür, dass sich die Frontpartie anhebt wie bei einem startenden Flugzeug. Beim Fahrer entsteht dabei unwillkürlich der Eindruck, er müsse nur noch leicht an der Steuersäule ziehen, um endgültig abzuheben. Speed wäre wahrhaftig genug drin in dem gelben Power-Paket.

Die infernalische Beschleunigung lässt auch im oberen Geschwindigkeitsbereich nicht nennenswert nach. Bei Tempo 250, wo die meisten schnellen Autos dem Würgegriff der Elektronik erliegen, ist der Ruf noch nicht einmal mit seinem fünften Gang am Ende.

Den daran anschließenden Sechsten hat Ruf extra lang übersetzt. So wird eine Höchstgeschwindigkeit möglich, die auto motor und sport als Mittel mehrerer Messungen in zwei Richtungen mit 328 km/h gemessen hat.

Ganz auf Wunsch verwandelt sich der bestialische Mr. Hyde in den braven Dr. Jekyll. Denn die urwüchsige Kraft des Turbomotors, sein bissiges Ansprechen und sein blitzschnelles Hochdrehen gehen Hand in Hand mit verblüffend braven Manieren, wenn es einmal nicht ganz so schnell vorangehen soll.

Beim Anfahren lässt sich die leichtgängige Kupplung so spielerisch dosieren wie bei jedem Allerweltsauto, und anschließend beschleunigt der R Turbo geschmeidig aus nur wenig mehr als der Leerlaufdrehzahl. Selbst im Stadtverkehr können die oberen Gänge eingesetzt werden, ohne dass der Motor ruckelnd gegen solch unziemliche Behandlung protestiert.

Langsam fahren kann also jeder mit dem R Turbo, aber seine dynamischen Möglichkeiten auszuschöpfen, erfordert Routiniers, die Lenkrad und Pedale als Verlängerung der eigenen Extremitäten betrachten dürfen. Über 500 im Heck versammelte PS, die weder durch Schlupfregelung noch durch ESP gegängelt werden, sind etwas für Profis.

Der R Turbo ist in dieser Hinsicht ein Porsche von der alten Sorte. Bei Hochgeschwindigkeit erfordert er ein gefühlvolles Händchen, weil der Geradeauslauf diesen Namen nicht wirklich verdient. Und wer in Kurven die Grenzen ausloten möchte, ist gut beraten, dies auf abgesperrter Strecke zu tun.

Wenn zwei Drittel des Gewichts auf der Hinterhand lasten und beim Gasgeben soviel Dampf zur Entfaltung kommt, ergibt sich eine höchst explosive Mischung, die man so sorgfältig behandeln sollte wie Yves Montand die Nitroglyzerin-Ladung im Filmklassiker "Lohn der Angst".

Die wenigsten Ruf-Kunden freilich werden ihr teures Eigentum an die Grenzen treiben. Auch das hier gezeigte Exemplar zog sich nach dem Rendezvous mit auto motor und sport in ein geschütztes Revier zurück: in die USA, wo 120 km/h das Maximum sind.

Mit Ausnahme von Montana. Dort gilt: vernünftiges Tempo. Was vernünftig ist, bestimmt der Sheriff.

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