Saab 9-3 Aero XWD

Auf ein Fjord

Foto: Charlie Magee 11 Bilder

Beim Turbomotor war Saab Vorreiter, aber beim Allradantrieb hinkt die Schweden-Marke hinterher. Die neue 4×4-Ausführung des 9-3 Aero samt 280-PS-Turbomotor soll jetzt verlorenen Boden wieder gutmachen.

Peter Johansson, im Hauptberuf Engineering-Spezialist bei Saab, ist einer jener zurückhaltenden Nordländer, die Emotionen für eine Zivilisationskrankheit halten. Spricht man den blonden jungen Mann aber auf den neuen Allradantrieb im 9-3 Aero XWD an, beginnt er – mit vollem Körpereinsatz gestikulierend – loszusprudeln wie ein heißblütiger Südländer. Denn niemand anderes als sein Großvater war Gründer der Firma Haldex, die mit Rallye-Equipment begann und schließlich den Allradantrieb via elektronisch geregelter Lamellenkupplung erfand, wie er zuerst bei Volkswagen zum Einsatz kam. Johansson ist froh, dass dieses System jetzt endlich bei Saab zum Einsatz kommt – und dies sogar in einer besonders innovativen Form.

Saab-Fans – und davon gibt es viel mehr, als man angesichts von nur 125.000 verkauften Einheiten im Jahr 2007 meinen sollte – können aufatmen: Ihre Marke lebt, atmet und wächst zu neuer Stärke. Ganz in der Tradition des unvergessenen 99 Turbo, der schon vor drei Jahrzehnten auf Kraft durch Aufladung setzte, prescht nun ein legitimer Nachfolger heran. Denn die Anbindung an General Motors sorgt nicht nur für Zugang zu den Ressourcen und ausgereifte Produkte, sondern auch für schnelle Technologie-Transfers. So kommt der im Herbst 2007 gründlich überarbeitete Saab 9-3 noch vor dem künftigen Opel Insignia in den Genuss eines Allradsystems, das in puncto Sicherheit und Fahrfreude einen großen Schritt markiert.

Allradsystem ab Herbst 2008 verfügbar

Saab bietet es ab dem Herbst für die Aero-Modelle von Limousine und Kombi – nicht aber für das Cabrio. Wer es gar nicht abwarten kann, erhält die gleiche Technik schon ab Frühjahr im rundum aufgewerteten Sondermodell Turbo X.

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Kann Saab mit dem neuen Allradantrieb punkten?
Klasse Innovation
War längst überfällig
Saab bleibt Saab - da hilft auch kein neuer Allradantrieb

Begleitet wird die Technikoffensive keineswegs von einem großspurigen Auftritt, sondern von optischer Zurückhaltung. Schließlich geriet der 9-3 nach dem Facelift im letzten Herbst ohnehin schon aggressiver, so dass sich der über 1.700 Kilogramm schwere Allrad-Wagen nur durch serienmäßige 17-Zoll-Alufelgen und eine um 10 Millimeter angehobene Karosserie vom Ausgangsprodukt unterscheidet. Hinter vorgehaltener Hand ist aber zu hören, dass Saab neben anderen neuen Modellen wie dem 9-5, dem Crossover 9-4 X und dem kompakten Astra- Schwestermodell 9-1 im Jahr 2009 eine 9-3-Version nach Muster des Audi Allroad auf die Räder stellen wird. Sie wird etwas auffälliger und rustikaler daherkommen, auch wenn sie kein wirkliches Geländefahrzeug ist.

Im Aero XWD und im Turbo X erstarkt der aus dem Konzernbaukasten entlehnte, aufgeladene 2,8-Liter-V6 auf satte 280 PS; bei den Aero-Fronttrieblern bleibt es bei 255 PS. Auch das Sechsgang-Schaltgetriebe und die sechsstufige Automatik wurden überarbeitet: So sind erster und zweiter Gang beim Turbo X etwas kürzer übersetzt, um bessere Beschleunigungswerte von null auf 100 km/h zu erreichen. Bei der Aero-Version sind dagegen die ersten zwei Fahrstufen speziell für den Anhängerbetrieb länger ausgelegt worden. Hundertprozentig exakt lassen sich die Gänge jedoch nicht sortieren, hier sollte nachgebessert werden. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Saab-Allradlern ist der Sound, der beim Turbo X noch metallisch-härter klingt und bei hohen Drehzahlen ein bisschen an den luftgekühlten Porsche 911 erinnert.

Saabtypisches Untersteuern ist kein Thema mehr

Das segensreiche Wirken des Antriebssystems ist stets zu spüren - besonders beim Anfahren oder beim starken Beschleunigen, noch mehr beim Überholen auf welliger Piste: Hier liegt der 9-3 erstaunlich ruhig und folgt stur dem eingeschlagenen Kurs. Dabei lenkt er präzise ein und zeigt kaum Seitenneigung oder ein Eintauchen des Hecks. Auch das bislang saabtypische Untersteuern ist kein Thema mehr. Das Geheimnis liegt in der serienmäßigen Niveauregulierung und im Haldex-System, das über ein elektronisches Sperrdifferenzial verfügt.

Wie bei den neuesten Entwicklungen von Audi und BMW wird nicht nur der Kraftfluss zwischen den Achsen, sondern auch zwischen den Hinterrädern je nach Situation variabel und stufenlos geregelt. Die Hinterachse bleibt stets am Vortrieb beteiligt - so ist das System quasi vorkonditioniert und braucht keinen Schlupf, um Kraft zugeteilt zu bekommen. Der Allradantrieb wurde mit der Fahrstabilitätsregelung vernetzt, die entsprechend später mit dem Gaswegnehmen und Bremsen beginnt - ähnlich wie es BMW mit der Überlagerungslenkung und VW mit der aktiven elektromechanischen Lenkung gemacht haben. Lenk- und Gierwinkel, Geschwindigkeit und Bremsenbetätigung werden bei der Kraftzuteilung berücksichtigt, bei ausgeschaltetem ESP wird mittels Sensor sogar registriert, ob der Fahrer den Handbremshebel anreißt.

9-3 Aero ist agil, verbraucht aber viel

So lässt sich der 9-3 Aero sehr agil und präzise dirigieren, selbst leidenschaftliche Quertreiber kommen auf ihre Kosten. Den erforderlichen Nachdruck bringt der stämmige V6-Turbo jedenfalls ebenso mit wie die turbotypische, konstante Drehmomentcharakteristik. Einziger Wermutstropfen ist der relativ hohe Verbrauch, der bei scharfer Fahrt locker Richtung 17 Liter/100 km marschiert. 3.550 Euro Aufpreis kostet das Allradsystem. Damit kommt der Kombi auf 44.400 und die Limousine auf 42.800 Euro. Angesichts des damit verbundenen Mehrgewinns an Sicherheit und Agilität bei einem ohnehin hohen Grundpreis ist dies akzeptabel. "Okay, wir sind zwar spät dran, aber dafür haben wir jetzt als Erste die beste Technik, die Haldex je angeboten hat", verspricht Saab-Techniker Peter Johansson. Aber das werden die Wettbewerber nicht einfach hinnehmen.

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Technische Daten
Saab 9-3 2.8 Turbo V6 SportCombi Aero XWD
Grundpreis 44.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4654 x 1762 x 1482 mm
KofferraumvolumenVDA 419 bis 1273 l
Hubraum / Motor 2792 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 206 kW / 280 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,0 l/100 km
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