Seat Ibiza Cupra im Fahrbericht (2015)

Kleinwagen mit großem Turbomotor

Seat Ibiza Cupra Foto: Seat 25 Bilder

Der neue Seat Ibiza Cupra hat einen richtig dicken Motor und eine ganz eigene Fahrwerksabstimmung bekommen. Wir haben den Kleinen schon mal ausprobiert.

Can Padró, ein versteckt im Umland von Barcelona gelegener und aktuell nur über staubige Sandpisten zu erreichender rissiger Race Track. Hier lernen spanische Sicherheitskräfte Verfolgungsjagden und wir sind mit dem kräftigsten Spross der Ibiza-Familie da: dem neuen Ibiza Cupra. Cupra steht immer noch für Cup Racing, aber das war gar nicht das Ziel der neuesten Entwicklung, wie uns der Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung bei Seat, Sven Schawe, sagt. Der bestmögliche Spagat zwischen Alltagsnutzen und der sportlich erfrischenden Spritztour sollte es sein.

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Fahrbericht Seat Ibiza Cupra (2015)
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Dafür musste der erfolgreiche Leon Cupra 280 mit Performance Pack, der im März 2014 auf der Nordschleife des Nürburgrings in hervorragenden 7:58,44 Minuten über die unzähligen Fan-Tattoos raste, einige Gene hergeben.

Außen ist der kleine Spanier nach wie vor frisch. Innen hat sich Einiges getan: Das Lenkrad kommt direkt aus dem Leon und die gesamte Kabine wirkt um einiges hochwertiger als bisher. In Sachen Konnektivität ist der Ibiza ganz vorn, arbeitet mit allen Endgeräten perfekt zusammen. Nicht unwichtig in Zeiten, in denen immer mehr Menschen das Smartphone als Teil ihres Körpers empfinden und beispielweise chinesische Kunden die Automarke wechseln, wenn sie nicht mit der Smartphone-Einbindung ins Infotainment-System ihres Fahrzeugs zufrieden sind.

Seat Ibiza Cupra
Seat Ibiza Cupra: Powerzwerg mit 192 PS 29 Sek.
Seat Ibiza Cupra Foto: Seat
Kräftiger Kleiner: Der neue Seat Ibiza Cupra.

Die Sitze halten die Rücken der Insassen auch bei hitziger Fahrt in Position, der Seitenhalt für die Beine geht allerdings mehr in Richtung Komfort. Aus der Mittelkonsole schaut immer ein Schalthebel – der neue Ibiza Cupra ist ausschließlich mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung zu haben. Das spart Geld und Gewicht, wie Sven Schawe betont – und bringt Drehmoment: Im Schwestermodell Polo GTI muss die DSG-Version mit 250 Newtonmeter auskommen.

Der Cupra darf die vollen 320 Newtonmeter auf die Kurbelwelle werfen. Wir meinen: Zu so einer kleinen Rennsemmel passt eine Handschaltung richtig gut. Zumal das Schaltwerk mit präziser Knackigkeit und mittellangen Schaltwegen überzeugt. Weniger passend: Die auf eine ökonomisch optimierte Fahrt ausgerichteten Schaltempfehlungen werden nicht von der Umschaltung in den Sportmodus beeinflusst.

Seat Ibiza Cupra: Eigene Fahrwerksabstimmung

Der Ibiza Cupra teilt sich zwar mit dem VW Polo GTI eine Basis, aber in Sachen Fahrwerksabstimmung machen die Spanier ihr eigenes Ding. Und das heißt, dass der Ibiza kein knallhartes Rennbrett ist, sondern dass sich die beiden Einstellungen Normal und Sport deutlich voneinander unterscheiden. Der Fahrer muss nur den im toten Winkel seines rechten Knies versteckten Knopf drücken, schon ändern sich Gasannahme, Lenkung, Dämpfung und Sound.

Die Lenkung wird ohnehin mit zunehmender Geschwindigkeit schwergängiger, die Sporteinstellung sorgt hier für einen weiteren Widerstands-Schub. Beim Heranrollen an eine rote Ampel geht sie in den Einparkmodus und verliert jegliche Spannung. Im Vergleich zum Vorgänger ist die jetzt beim Ibiza erstmals elektromechanische Servolenkung präziser und direkter, aber ein leicht synthetischer Nachgeschmack bleibt. Zumal wir uns auf der kurvigen Landstraße auch schon die Schwergängigkeit wünschen würden, die wir erst bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn bekommen.

Das Fahrwerk des Ibiza wurde von den Ingenieuren entgiftet: Im Normalmodus lässt es eine komfortable Fahrt durch die geschundenen Straßen finanzklammer Städte zu, im Sportmodus wird über Magnetventile die Dämpfung erhöht. Nun ist schönes Kurvenwedeln mit kaum wahrnehmbarer Wankneigung drin, aber die Fahrt durch besagte angeschlagene Stadt ist immer noch mit einer üppigen Portion Restkomfort möglich.

Das Nickmoment während des Bremsens ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduziert. Bei engen Kurven auf der Rennstrecke greift die ESP-basierte elektronische Quersperre XDS hör- und spürbar ein, indem sie das kurveninnere Vorderrad abbremst, um das Untersteuern zu reduzieren. Gefühlt nimmt der Bremsvorgang aber ein bisschen Dynamik raus. Durch Druck auf die Sporttaste erfolgen die ESP-Eingriffe später, das Verhalten des XDS ändert sich aber nicht. Komplett deaktivieren lässt sich das ESP übrigens nach wie vor nicht.

Seat Ibiza Cupra Foto: Seat
In 6,7 Sekunden zischt der Seat Ibiza Cupra von null auf 100 km/h.

Seat Ibiza Cupra: Mit großem Herz

Besonders stolz ist Seat auf das neue Herz des Ibiza Cupra: Der alte 1.4 TSI mit 180 PS und 250 Newtonmetern musste einem 1,8-Liter-Audi-Aggregat mit der Baureihenbezeichnung EA888 weichen. Jetzt befeuern 192 PS den kleinen Spanier. Das Überschreiten der psychopharmazeutisch wirksamen 200-PS-Schallmauer überlässt Seat den Tunern – noch.

Und in einem macht auch der Ibiza keine Ausnahme: Der Kunde kauft PS, fährt aber Drehmoment. So liegen die maximal 320 Newtonmeter Drehmoment der 1,8-Liter-Maschine schon bei 1.450 U/min an und halten sich dann wacker bis zu 4.200 U/min auf diesem Plateau.

Der Fahrer genießt die ausgesucht freudige Arbeitslaune des Triebwerks, die Power aus dem breiten Drehmomenten-Maximum-Band lässt eine recht schaltfaule Gangart zu. Wer es krachen lassen will, rührt natürlich permanent die Gänge durch. Gasgeben wird besonders ab 3.000 U/min mit einem sonoren Brummen belohnt. Aber auch hier fällt der frische Fetzer nicht unangenehm auf, rotzt keine Soundfladen auf den Asphalt, sondern gibt sich zurückhaltend brummig.

Richtig gut: Trotz der nun immensen Leistung an der Vorderachse, wird der Ibiza Cupra nicht zum hilflosen Front-Scharrer. Die Ingenieure haben ausreichend Traktionsfähigkeit hinbekommen. Auch, weil dank einer Gewichtsverteilung von 61,9 zu 38,1 Prozent zwischen vorne und hinten das meiste Gewicht auf den angetriebenen Rädern liegt.

So zischt der Ibiza Cupra in 6,7 Sekunden auf Tempo 100, 0,2 Sekunden schneller als sein Vorgänger. Maximal sind 235 km/h drin, was einem Plus von sieben km/h entspricht. Dabei ernährt sich das muntere Triebwerk laut Werk im Schnitt von 6,0 Liter Sprit pro 100 Kilometer. Bereits im Normalmodus reagiert die Maschine willig auf jeden Gasstoß, im Sportmodus scheint das Aggregat noch den einen oder anderen Energy-Drink konsumiert zu haben. Den Motor füttert, je nach Fahrzustand, eine Saugrohr- oder eine Direkteinspritzung oder die Kombination aus beidem.

Seat Ibiza Cupra Foto: Seat
Maximal sind 235 km/h drin.

Fazit

Ein paar Gene aus dem Leon Cupra hat auch der sportlichste Ibiza, aber der Nordschleifen-Star aus der Kompaktklasse konnte und sollte gar nicht das Entwicklungsziel des neuen Ibiza Cupra sein. Die Fußstapfen des großen Bruders wären zu groß. Den Spagat zwischen vollkommen entspanntem Alltagsnutzen und einer kräftigen sowie auf Wunsch jederzeit abrufbaren Portion Sport-Spaß haben die Ingenieure beim neuen Ibiza Cupra prima hinbekommen.

Und wer will, kann sich jetzt auch mal für ein paar Runden auf die Rennstrecke wagen – die Vorgänger-Modelle waren dafür weniger geeignet. Eine Nordschleifenzeit gibt Seat für seinen kleinsten Sportler aber nicht an.

Der neue Seat Ibiza Cupra ist ab Januar 2016 für einen Einstiegspreis von 23.060 Euro zu haben. Glücklicherweise hat er sich auch dabei nicht nur am größeren Bruder orientiert: der León Cupra kostet mindestens 31.320 Euro.

Technische Daten
Seat Ibiza Cupra Cupra
Grundpreis 23.060 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4055 x 1693 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA 292 bis 930 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 141 kW / 192 PS bei 4300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Verbrauch 6,2 l/100 km
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