Seat Leon 2.0 TDI, Mazda 3 Skyaktiv im Fahrbericht

Duell der Diesel

Seat Leon 2.0 TDI, Mazda 3 Skyaktiv D 150, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 26 Bilder

Die Leistung von jeweils 150 PS hebt den Seat Leon 2.0 TDI und Mazda 3 Skyaktiv D 150 nominal auf das gleiche Niveau. Welcher Wagen kann im Fahrbericht mehr überzeugen?

Das Rudel schnappt nach dem Leitwolf: Mazda will mit dem neuen 3 ein Wort an der Spitze der Golf-Klasse mitreden, und Seat will die japanische Konkurrenz mit dem im vergangenen Jahr gestarteten León davon abhalten. In ihrer optischen Präsenz geben sich beide Viertürer ausgesprochen flott. Die Karosserie des Mazda 3 Skyactiv D 150 verläuft sportlich-zugespitzt und trägt kokett muskulös ausgeformte Radhäuser; der Seat León 2.0 TDI ist zwar fünf Zentimeter kürzer als sein Vorgänger, bietet jedoch mehr Radstand, was zu knappen Überhängen führt.

Seat Léon breitbeinig und angriffslustig

Etwas flacher als der Golf, wirkt er breitbeinig und angriffslustig. Im Seat León, dem spanischen Cousin des Golf, kommt im Fahrbericht der bewährte Zweiliter-Turbodiesel mit 150 PS zum Einsatz. Mazda setzt ebenfalls auf einen Turbodiesel mit identischer Leistung, jedoch mit rund zehn Prozent mehr Hubraum sowie einer besonders niedrigen Verdichtung.

Der gefahrene Mazda 3 Skyactiv D 150 harmoniert dabei sehr gut mit dem Rest des Autos. Obwohl der Mazda 3 insgesamt 80 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der Seat León, liegt er in der Elastizität klar vor diesem. Während sich der Mazda 3 im fünften Gang für das Beschleunigen von 80 auf 120 km/h nur 8,2 Sekunden Zeit nimmt, braucht der Seat León in der gleichen Disziplin immerhin 9,7 Sekunden.

Der leichtere Seat Léon gleicht diesen Rückstand bei den Sprintprüfungen aber aus: Von null auf 100 km/h beschleunigt er in 8,0 Sekunden und hängt den Mazda 3 damit knapp ab. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei beiden auf ähnlicher Höhe: 210 km/h für den Mazda 3 Skyactiv D 150, 215 für den Seat Léon 2.0 TDI. Der Mazda erreicht seine Maximalleistung erst bei 4.500 Touren; im Seat liegen sie bereits tausend Umdrehungen früher an.

In Sachen Drehmoment scheint die japanische Limousine ebenfalls wie für einen Sumoringer abgestimmt: 380 Newtonmeter bei 1.800/min – Respekt. Der Seat León kontert mit 320 Newtonmeter bei 1.750/min, dreht allerdings wie ein frisch aufgezogenes Uhrwerk bis an den roten Bereich heran. Im Mazda 3 regiert oberhalb von 4.000/min eher die Gemütlichkeit.

Seat Léon verbraucht weniger

Angesichts dieser doch unterschiedlichen Charakteristik überrascht der Verbrauch im Fahrbericht: Der sportlicher und höher drehende Motor im Seat León begnügt sich mit 5,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer; sein Kontrahent, wiewohl durch den guten Drehmomentverlauf gemütlicher zu fahren, pumpt 0,3 Liter mehr durch die Einspritzanlage. Die handgeschalteten Sechsgang-Getriebe harmonieren perfekt mit den Selbstzündern.

Auch im Mazda 3 erfreuen kurze Schaltwege und eine auch auf das Gewicht des Wagens gut abgestimmte Übersetzung. Selbst bei voller Zuladung – mit 517 Kilogramm übrigens 30 Kilo mehr als im Seat León – herrscht in keiner der Fahrstufen echter Durchzugsmangel. Liegt der Innengeräuschpegel beim Mazda 3 auch eine Spur höher als bei seinem Wettbewerber, so erweisen sich doch beide Motoren als insgesamt sehr wirkungsvoll gedämpft.

Während der Mazda 3 in seiner gesamten Leistungscharakteristik eher zum ruhigen, wenn auch durchaus zügigen Cruisen einlädt, kann der Seat Léon nicht verleugnen, dass er aus der Heimat Fernando Alonsos stammt. Wie Ferraris Formel 1-Pilot scheint er auf jede Chance zum raschen Vorstoß zu warten, leicht-füßiger im Handling als der Mazda 3, außerdem kurvenwilliger und einfach eine Stufe bissiger. Die Lenkung des Mazda wirkt sehr homogen und ruhig, während der Seat León eine Spur sensibler und feinfühliger auf Richtungswechsel reagiert.

Seat Léon mit drei Fahrprogrammen

Die Elektronik des sportlichen Spaniers in der FR-Version verfügt über die drei Fahrprogramme Eco, Komfort und Sport. Die Sport-Position beeinflusst Lenkung und Gasannahme, auf dem Handlingkurs hat der spanische Sprinter damit die Nase deutlich vor dem gemütlicheren Mazda 3. Der ringt zum Beispiel ausgangs einer kühn angegangenen Kurve spürbar mehr um Grip als der Seat León, und in engen Kehren wird auf Japanisch mehr gescharrt und ESP-geregelt als auf Spanisch.

Bis hierher scheinen der Mazda 3 und der Seat Léon ziemlich nahe beieinander zu liegen, doch bei in Punkto Verzögerung wächst die Kluft: Hier verliert der Mazda 3 auf den Seat León, weil er rund vier Meter mehr braucht, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen, leer wie beladen. Da muss Mazda nachbessern. Auch bei den Themen Airbag-Anzahl, Rundumsicht und Licht liegt der Mazda 3 hinter dem León.

Die etwas günstigeren Kosten lassen den Mazda 3 leicht punkten. Doch muss es beim Seat León nicht einmal die teure FR-Ausstattung sein, denn schon in der um 1.600 Euro günstigeren Style-Version bietet der Viertürer in etwa die gleiche Ausstattung wie sein japanischer Konkurrent. Und nur der León bietet als zusätzliches Goodie Voll-LED-Scheinwerfer, allerdings gegen 990 Euro Aufpreis. Lässt man die Bremsschwäche des Mazda 3 einmal außer Acht, geht es bei der Empfehlung vornehmlich um Temperamentsfragen. Der Mazda 3 ist ein Auto für den inneren Buddha im Fahrer, mit bärigem Drehmoment, zum entspannten Cruisen. Der Seat León kommt dem Ideal des heißen roten Renners deutlich näher, auch wenn sein Sportfahrwerk zu den Insassen manchmal einen Tick zu hart ist.

Fazit

Die Diesel haben ja schon lange ihr Image als laute und lahme Nutzfahrzeugantriebe abgelegt und machen hier beide auf unterschiedliche Art Spaß: Der Seat Léon besitzt eine Prise mehr spanisches Temperament und ist das klar agilere Auto. Der Mazda 3 spricht den inneren Buddha des Fahrers an und lädt zum coolen Cruisen ein. Schade, dass er keine besseren Bremsen hat.

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Technische Daten
Seat Leon ST 2.0 TDI FR Mazda 3 Skyactiv-D 150 Center-Line
Grundpreis 28.050 € 24.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4543 x 1816 x 1436 mm 4460 x 1795 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 587 bis 1470 l 364 bis 1263 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2191 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 3500 U/min 110 kW / 150 PS bei 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h 210 km/h
Verbrauch 4,4 l/100 km 4,1 l/100 km
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