Seat León Prototipo

Glut im Bauch

Foto: Rossen Gargolov 13 Bilder

Ein glutäugiger Spanier entfacht Leidenschaft in der Kompaktklasse: die Neuauflage des Seat León, hier noch als Prototyp, der die stilistische Vorlage für die später folgende scharfe Cupra-Version liefert.

Darauf haben viele Kompaktklasse- Fahrer gewartet: auf eine Kombiniation aus deutscher Technik- Kompetenz und dem südländischen Händchen fürs Design.

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Der neue León ist der Golf von Seat – nur glutäugig, verwegen, und lässig. Und damit deutlich weniger ernsthaft. Scheint, als hätte die spanische VW-Tochter im doppelten Sinne den Bogen raus: Wie mit leichtem Federstrich aus dem Handgelenk gezeichnet verläuft er als Markenzeichen vom vorderen Kotflügel über die Türen bis zum hinteren Radlauf. Kraftvoll mit breiten Schultern, stämmig gedrungen, verkniffen scharf der Blick.

So feurig, siedend und explosiv wie ein Auto der Kompaktklasse eben sein kann. Eines, das bereits beim Blättern im Prospekt Herzklopfen erzeugen wird. Oder wie es Seat in der Werbung nennt: auto emoción.

Ein Schritt zur formalen Eigenständigkeit. Nicht mehr purer Abklatsch des einstigen Alfa Romeo Alfasud wie der nun auslaufende León. Dennoch stand beim Neuen wiederum ein Modell des italienischen Konkurrenten Pate: Das Heck ist dem Alfa Romeo 147 entlehnt. Und erst der Kniff mit den versteckten Öffnern für die hinteren Türen: Auch wenn Designer Steve Lewis den Bleistift führte – die Handschrift des damaligen Alfa 147-Schöpfers und jetzigen Chefdesigners der Audi-Gruppe Walter de Silva ist unverkennbar.

Der Drang zum Markengesicht geht weit: Frontal betrachtet sind die kompakten Seat künftig nur noch schwer zu unterscheiden. Altea? Toledo? Oder León?

Erst Seiten- und Heckansicht geben eindeutig Aufschluss. Und der Scheitel: Er sitzt beim León um elf Zentimeter tiefer als beim Altea, der Fahrer um acht Zentimeter. Diese eingebundene Sitzposition schafft bereits auf den ersten Metern im fahrbereiten Prototypen eine innige Verbindung zwischen Mensch und Maschine.

Die Wechselwirkung aus Kommandos und Umsetzung flutscht, der León geht leidenschaftlich ans Werk. Das schmucke Cockpit mit den Rundinstrumenten und ihren in Nullstellung senkrecht nach unten stehenden Zeigern schafft Sportwagen-Ambiente, die flache Windschutzscheibe scheint dem Lamborghini-Teilelager entnommen.

Nicht alles wird sich in der Serie wiederfinden. Die vier extrem konturierten Einzelsitze und die bis in den Kofferraum reichende Mittelkonsole sind dem Spieltrieb der Designer entsprungen. Ebenso vier Mini- Kameras, je eine an der Frontscheibe, am linken Außenspiegel, am Dachhimmel und der dritten Bremsleuchte. Sie übertragen ihre Bilder auf einen Monitor in der Mittelkonsole.

Dass die Spanier den León als Prototyp im Look künftiger Cupra-Modelle präsentieren, untermauert Seats Selbstbild der Fitness-Abteilung innerhalb des VW-Konzerns. Riesige 19-Zoll-Alufelgen, wuchtige Schürzen, gierige Lufteinlässe und der 200 PS starke Zweiliter-Turbo samt fixem Direktschaltgetriebe aus dem GTI – so ein León hinterlässt Rauch auf der Landstraße.

Seine Basis ist der Golf, womit die Technik hinreichend erklärt wäre: Sie ist modern, standfest und bewährt. Weil die VW-Oberen dem Bestseller eine aufwendige Mehrlenker- Hinterachse gegönnt haben, war es für die Seat-Ingenieure ein Leichtes, das Heck mit Chili abzuschmecken.

Schließlich soll es der León in Sachen Agilität mit Ford Focus und Alfa Romeo 147 aufnehmen – auch nicht gerade Fahrwerks-Graubrot. Diesen Alltags-Macho Studie zu nennen, ist irreführend.

Er ist ein Herold. Inoffiziell stemmt er sich bereits in die Startblöcke, offiziell wird das Glutauge in Deutschland etwa zurzeit der IAA im September den Asphalt erhitzen.

Klar, dass Seat nicht mit glimmenden Motörchen, sondern mit glühenden Maschinen in Verbindung gebracht werden will. Dass beim Vorgänger- León der 1,6-Liter mit 105 PS meistverkaufter Antrieb war, passt nicht ganz ins Bild der feurigen Werbebotschaft.

Doch der 200-PS-Turbo ist einem frühestens für 2006 geplanten Cupra- oder FR-Modell vorbehalten. Das Basismodell dagegen leistet 102 PS aus 1,6 Liter Hubraum. Kombiniert mit Fünfgang-Schaltgetriebe wird es etwa 16 000 Euro kosten. Den Zweiliter-FSI will Seat zunächst nur als Sauger mit 150 PS anbieten, daneben zwei Diesel: den 1.9-TDI mit 105 sowie den 2.0-TDI mit 140 PS, letzteren höchstwahrscheinlich kombinierbar mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG – der lustvollen Alternative zum Wandlerautomaten.

Ein wenig Spaß in die allzu sehr um Fassung bemühte Golf-Gesellschaft bringen, ein wenig südländische Entrücktheit – dafür steht der Seat León.

Ein hehres Ziel, das der nach bezahlbaren Emotionen hungernde deutsche Markt sicherlich honorieren wird.

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