Skoda Scala (2019)

Polo-Technik in Golfgröße gecheckt und gefahren

Skoda Scala Foto: Skoda 21 Bilder

Skoda schickt den Rapid in den Ruhestand. Der Nachfolger Skoda Scala soll ab Mai 2019 junge Kunden locken. Mit virtuellem Cockpit und jeder Menge Assistenten. Wir konnten den Scala in einer Vorserienversion bereits fahren und das ungetarnte endgültige Serienauto intensiv begutachten.

Endlich ist Schluss mit der Salami-Taktik beim neuen Skoda Scala – zumindest fast. Denn fahren dürfen wir das jüngste Modell der Tschechen im unverhüllten Serienzustand noch nicht, dafür aber Platz nehmen und Hand anlegen.

Von außen macht der Scala Eindruck und wirkt deutlich erwachsener als der Vorgänger Skoda Rapid, den es in den Anfangsjahren auch als Stufenheck gab. Das wird es beim Scala (lateinische Übersetzung: für Treppe, Stufe) – trotz des Namens – allerdings nicht geben. Für Märkte wie Russland wird aber der alte Rapid vorerst weitergebaut.

Skoda Scala (2019)
Rapid-Nachfolger mit Kompaktklasse-Ambitionen

Doch um den Rapid soll es heute nicht gehen, zudem werden die Skoda-Vertreter nicht müde zu betonen, dass es sich beim Scala um ein komplett neues, eigenständiges Modell handelt. Er sei schließlich größer, erwachsener und habe mit der MQB-A0-Plattform, auf der auch der Polo basiert, ein komplett neues technisches Grundgerüst. Die Tschechen holen größenmäßig alles aus der Plattform heraus, strecken den Radstand auf 2,65 Meter (Polo: 2,55 m, Vorgänger: 2,60 m) und verlängern den hinteren Überhang gegenüber dem Rapid Spaceback um 45, die Breite gar um 87 Millimeter. Das ergibt ein Platzangebot, das eher an den Golf als an den Polo erinnert. Wir schwingen uns hinters Lenkrad. Das liegt gut in der Hand, bringt die üblichen Lenkradtasten mit und verspricht damit eine gewohnt intuitive Bedienung.

Optional digitale Instrumente und Hotspot

Deutlich spannender ist aber das Gerät dahinter: Das optionale Virtual Cockpit mit 10,25 Zoll Display. Es bietet dem Fahrer fünf verschiedene Ansichten die vom klassischen Layout mit zwei großen Rundinstrumenten für den digitalen Analog-Tacho und –Drehzahlmesser, reichen bis zu einer Extended-Variante, bei der die Navikarte wie beim VW-Konzept fast den ganzen Screen einnimmt und die andern Informationen verkleinert an die Seite wandern. Neben der Navikarte lassen sich außerdem Fahrdaten, Radiosender, Assistenzsysteme und Navianweisungen anzeigen.

Skoda Scala Innenraum Foto: Skoda
Skoda Scala: Der hervorstehende Armaturenträger mit dem freistehenden Bildschirm.

Allein wird es das Virtual Cockpit aber nicht geben. Stattdessen ist es immer an das große Amunden-Navi gekoppelt, dessen 9,2 Zoll großer Touchscreen recht hoch in der Mittelkonsole angebracht ist und das mit der skodatypischen Menüführung aufwartet, die man schon aus dem Octavia oder Kodiaq kennt. Ganz neu am Scala ist, was dahinter steckt. Denn eine serienmäßige eSIM hat es bei den Tschechen bislang nicht gegeben. Die sorgt für dauerhaften Onlinezugang mit LTE-Geschwindigkeit. Um zu sagen, wie gut das Ganze funktioniert und welche Apps es gibt, war leider nicht die Gelegenheit. Es war aber Zeit genug, um mit Sicherheit sagen zu können, dass die Reaktion des Displays flott ist und sowohl das Virtual Cockpit, wie auch das Amunden mit leuchtstarken und kontrastreichen Screens an den Start gehen, die aus unterschiedlichen Blickrichtungen nur minimale Farbverschiebungen aufweisen.

Dreifache Smartphone-Integration

Die Bedienung des Systems geht vergleichsweise leicht von der Hand und das System lässt sich zumindest im Hauptmenü auch mit Gesten steuern. Statt intuitiv bedienbarer Knöpfe und Drehregler setzt Skoda ausschließlich auf Rückmeldungsschwache Softtouchtasten Ein echter Fortschritt dagegen: Neben den Premiumherstellern wie Audi und BMW bietet Skoda als eine der ersten Marken die Smartphoneintegrationen wie Apple CarPlay, Android Auto und MirrorLink auch kabellos. Diese Funktion bleibt vorerst aber iPhone-Nutzern vorbehalten, da aktuell noch keine unterstützen Androidgeräte am Markt sind, die das können.

Bei der Vernetzung setzt das Skoda-Infotainment sonst auf die üblichen drei Verdächtigen: Bluetooth, WLAN und USB. Die letzten beiden bilden aber ein Novum, denn dank der eSIM können für den Hotsport optionale Datenpakete geordert werden und beim Universal Serial Bus setzen die Tschechen auf den aktuellen USB-C-Standard, bei dem Kabel und Flashspeicher nicht mehr falschherum eingesteckt werden können.

Eigene SIM-Karte für den Scala

Apropos eSIM: Sie vernetzt den Scala mit seiner Außenwelt und unterstützt damit Onlinefunktionen wie Parkplatzsuche, Spritpreise, sowie Echtzeitverkehrsdaten, Newsfeeds und unbegrenzt viele Over-the-Air-Updates für die Navikarten. Außerdem ermöglicht die digitale SIM-Karte den Fernzugriff über die Skoda Connect App, übers Smartphone, die Smartwatch oder das Webportal das Auto, sodass der Wagen aus der Ferne geöffnet und verriegelt werden kann und beispielsweise der Tankfüllstand überprüft werden kann, oder ob die Fenster offen sind. Ein fest integrierter Streamingdienst ist trotz eSIM bislang aber nicht eingebunden.

Geräumiger Innenraum, gut verarbeitet

Und sonst? Da gibt sich der Innenraum von den vorderen beiden Plätzen aus geräumig und punktet mit guter Verarbeitung, viel unterschäumtem Kunstsoff, übersichtlichen und gut erreichbaren Bedienelementen. Da kann man nicht meckern. Das gilt auch für die bequemen und optionalen Komfort-Sitze im Vorführwagen, die mit ihren hohen Wangen außerdem schon im Stand guten Seitenhalt versprechen. Die Serienpendants sind allerdings sicher weniger stark ausgeformt.

Bei den Ablagen haben die Ingenieure nicht geknausert. Vor dem Schalthebel gibt es eine große Ablagefläche, die optional eine Induktionsladeschale fürs Smartphone bereithält, dahinter liegen zwei Becherhalter, die aber je nach Sitzposition nicht mehr ganz so gut zu erreichen sind. Ablagenetze an den Innenseiten der Vordersitze nehmen Papierkram auf, ein Fach im Dach die Sonnenbrille. Außerdem passt vorn je eine 1,5-Liter-PET-Flasche in die Türe, hinten die 0,5-Liter-Variante.

Viel Platz im Fond, riesiger Kofferraum

Das führt uns in den Fond des neuen Kombis. Der ist gut über die großen Türen erreichbar und bietet selbst großen Menschen jede Menge Beinfreiheit, was nicht zuletzt an dem sogar für die Kompaktklasse üppigen Radstand von rund 2,65 Metern liegt. Kleine Abstriche müssen Personen mit 190-Meter-plus beim Einstieg machen – wegen der leicht abfallenden Dachlinie müssen sie auf ihren Kopf achten.

In Sachen Qualität gibt sich der Scala auch auf den hinteren Plätzen keine Blöße. Der Materialmix wirkt hochwertig und für die hinteren Passagiere gibt es sogar zwei weitere USB-C-Buchsen. Die haben allerdings keine Verbindung zum Infotainment-System und dienen nur zum Laden. Vielleicht das Beste an den hinteren Sitzen ist aber der Blick durch das optionale und üppige Panorama-Dach, dass im Skoda für viel Luftigkeit sorgt.

Skoda Scala Foto: Skoda
Die Ladefläche ist nicht ganz eben.

Bleibt der Blick in den Kofferraum. Spätestens hier wird klar, wie groß der Scala tatsächlich ist. Denn trotz Kleinwagenplattform bietet der Spaceback-Nachfolger satte 467 Liter Ladevolumen, mit einem doppelten Ladeboten und der Möglichkeit, bis zu 1.410 Liter Gepäck zu verstauen. Hierfür muss die 2/3 zu 1/3 Rückbank komplett umgeklappt werden. Ganz eben ist die Ladefläche allerdings nicht.

Trotzdem hat das Gepäckabteil noch einiges zu bieten. Etwa den Knopf für die schwenkbare Anhängerkupplung mit elektrischer Entriegelung und den elektrisch öffnenden und schließenden Kofferraumdeckel. In ihm stecken weitere Highlights: Zum einen, die Heckscheibe, die mit der Emotion-Ausstattung zum echten Hingucker avanciert und fast bis zu den Rückleuchten im 3D-Design ragt. Zum anderen, ist der Scala der erste Skoda Europas, dessen Heck nicht ein Logo ziert, sondern der ausgeschriebene Markenname in sechs großen, freistehenden Lettern – ein Designmerkmal, das sich künftig durch alle Baureihen ziehen soll.

Vier Skoda-Spezial-Features für den Scala

Zum Schluss kommt die Lieblingsfrage der Skoda-Fans: Welche Simply Clever-Lösungen hat der neue Scala zu bieten? Da gibt es einige und die reichen von den Klassikern wie dem Regenschirm in der Fahrertür, dem Eiskratzer im Tankdeckel und Tickethalter an der A-Säule auf der Fahrerseite bis zu einem echten Novum: In die Verschlusskappe des Wischwasserbehälters im Motorraum ist ein Trichter integriert, sodass beim Nachfüllen nichts mehr daneben geht. Besonders im Winter ein echter Gewinn. Allerdings nicht mehr in diesem.

Fahrbericht vom getarnten Vorserienauto

Auf den mal mehr, mal weniger holprigen Landstraßen rund um Mladá Boleslav präsentieren sich die Vorserienautos bereits in sehr guter Form: Die Lenkung spricht präzise und mit angenehmer Rückmeldung an, das Standardfahrwerk fällt spürbar komfortabler aus als im gelegentlich etwas ruppigen Vorgänger, ist aber dennoch von einer Agilität, die vor allem in Verbindung mit dem 150 PS-Benziner Fahrfreude aufkommen lässt.

Hinterachse mit Hydrolagern

Skoda Scala Erlkönig Foto: Skoda
Die Serienversion des Rapid-Nachfolger zeigt sich mit klassischem Abschluss und schmalen Heckleuchten.

Martin Hrdlička, Leiter der Fahrwerks- und Antriebsentwicklung bei Skoda, erklärt uns während der Probefahrt nicht ohne Stolz eine Besonderheit des Scala: Die Verbundlenker-Hinterachse ist an Hydrolagern aufgehängt – „die hat der Polo nicht.“ Von der dadurch besseren Dämpfung profitieren vor allem die Fondpassagiere, die zwar nicht ganz so viel Beinraum wie im Octavia vorfinden, sich aber weder um ihre Knie noch um ihre Frisuren ernsthaft sorgen müssen. Letzteres gilt übrigens auch bei Ausstattung mit dem optionalen Panorama-Glasdach.

Skoda Scala (2019)
Rapid-Nachfolger mit Kompaktklasse-Ambitionen

Motoren von 95 bis 150 PS

Das Motorenangebot umfasst zum Marktstart im Frühsommer zwei Dreizylinder-Benziner mit 95 oder 115 PS, einen Vierzylinder mit 150 PS sowie einen 115 PS starken Diesel. Eine Erdgasvariante des 1.0 TSI mit 90 PS folgt im Laufe des Jahres. Bei unseren Fahrten hinterließ neben dem 1.5 TSI vor allem der Dreizylinder mit 115 PS einen angenehmen Eindruck, harmonierte gut mit dem hier serienmäßigen Sechsganggetriebe (Option: 7-Gang-DSG).

Fazit

Skoda spendiert dem Scala eine aufwendigere Hinterachse als sie der Polo hat, dämmt die Karosserie besser als beim Vorgänger: Im Vergleich zum Rapid sind das ebenso spürbare Fortschritte wie der gewachsene, schick gemachte Innenraum mit gutem Infotainment und zeitgemäßen Vernetzungsmöglichkeiten.

Bleibt noch das Thema Preis: Hier erlaubt sich der Skoda-Sprecher dann doch noch einen Vergleich zum Rapid und zitiert die Preisliste. Die beginne beim Rapid Spaceback mit 16.450 Euro. Der Scala wird wohl darüber liegen, aber vielleicht zumindest fürs Einstiegsmodell aus kosmetischen Gründen unter 17.000 Euro bleiben – denn für gut 18.000 Euro gibt es bereits einen VW Golf. Der mag in 8. Generation teurer werden, ist aber auch der Klassiker und basiert in jedem Fall auf der größeren und aufwendigeren Variante des MQB.

Technische Daten
Skoda Scala 1.0 TSI Skoda Scala 1.0 TSI Skoda Scala 1.5 TSI ACT Skoda Scala 1.6 TDI Skoda Scala 1.0 G-TEC
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4362 x 1793 x 1471 mm 4362 x 1793 x 1471 mm 4362 x 1793 x 1471 mm 4362 x 1793 x 1471 mm 4362 x 1793 x 1471 mm
KofferraumvolumenVDA 467 bis 1410 l 467 bis 1410 l 467 bis 1410 l 467 bis 1410 l 467 bis 1410 l
Hubraum / Motor 999 cm³ / 3-Zylinder 999 cm³ / 3-Zylinder 1498 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 999 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 70 kW / 95 PS bei 5000 U/min 85 kW / 115 PS bei 5000 U/min 110 kW / 150 PS bei 5000 U/min 85 kW / 115 PS bei 3250 U/min 66 kW / 90 PS bei 5000 U/min
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