Smart CDI

Diesel überall, nun auch im winzigsten deutschen Automobil. Mit 799 Kubikzentimetern, drei Zylindern und 41 PS ist dem Smart CDI ein Superlativ gewiss: Einen kleineren Diesel hat sonst keiner.

Renningen im Schwäbischen nahe Stuttgart, die Stadt mit der Smart-Dichte, die sich MCC überall wünscht. Um die Firmenzentrale mit ihren Bio-Holzhäusern und Wendeltreppen wuseln die grell-bunten Auto-Zwerge geschäftig hin und her, am Steuer ernste, gut gekleidete junge Männer, oft mit Handy am Ohr.

Die immer noch mit Absatzproblemen kämpfende Daimler-Chrysler-Tochter, die mit ihrer Kurz-Ware allein dadurch einen aktuellen Zulassungsboom erlebte, weil Konzernmitarbeiter das Stadt-Mobil zu attraktiven Sonderkonditionen leasen können, tritt die Flucht nach vorn an: Ein Viersitzer soll ebenso kommen wie der auf der IAA gezeigte Roadster. Das im Frühjahr 2000 debütierende Cabrio kurvt als Versuchsautomobil schon herum, der Diesel steht für erste Fahreindrücke bereits zur Verfügung. Auch der Kleinste im Konzern bekommt auf dem angestrebten Weg zum Drei-Liter- Auto seinen Kraftstoff per gemeinsamer Hochdruckleitung (Common-Rail) über die 18:1 verdichtenden drei Kölbchen injiziert (65,5 mm Bohrung), die in drei langhubigen Laufbuchsen (79 mm) des ganz aus Leichtmetall gehaltenen Blocks auf und nieder gleiten.

Der Zylinderabstand, erklärt Motoren-Mann Leo Bakaj, musste aus produktionstechnischen Gründen so groß wie beim Benziner bleiben. Ein Zweizylinder wurde überlegt, nicht aber verfolgt.

Eine Ausgleichswelle jedoch, wie sie VW beim Lupo-Dreizylinder verwendet, ging in Erprobung. Der aktuelle Serienstatus sieht keine Welle vor. Sie würde den Wirkungsgrad des mit Rollenschlepphebeln und Zweiventiltechnik konsequent auf reibungsarmen Lauf ausgelegten Turbomotors verschlechtern. „Ohne Sondermaßnahmen“ (Bakaj) also zum Drei-Liter- Auto und zu jeder angestrebten Steuerbefreiung von viereinhalb Jahren oder einem entsprechenden Betrag von 1000 Mark.

Nur neun Monate vergingen vom ersten Strich bis zum fertigen Smart-Diesel, der mit einem Einzelzylindervolumen von 266 cm3 auf eine Maximalleistung von 41 PS bei 4200/ min kommt und sein maximales Drehmoment von 100 Newtonmetern bei dieselüblichen 1800 Umdrehungen erreicht. Wird es ein Traktor oder nicht – diese bange Frage des Motorenentwicklers Bakaj stand immer unsichtbar im Raum.

Jetzt ist der Kleindiesel fertig, hängt um 45 Grad geneigt im winzigen Wagenheck und gibt seine Kraft wie der Benziner an ein sequentiell schaltbares Sechsganggetriebe ab. Ein Rest Landmaschine ist zweifellos im Klangbild noch vorhanden, das geschmeidige akustische Auftreten der großen Konzernbrüder mit dem Stern auf der Haube darf beim Smart nicht erwartet werden. Auch eine gewisse Rauheit in den unteren Drehzahlregionen deutet die Schwingungsproblematik an. Doch dann verfällt der Langhuber in ein gutturales Brummen, das mit einem kräftigen Antritt schon bei 2000 Touren einhergeht. Akustisch ist der Unterschied zum 600- cm3-Ottomotor deutlich und immer präsent, das Rumoren im Heck wird in Fahrt nicht unbedingt als unangenehm erlebt. Schön gleichmäßig steigt die Leistungskurve an, um dann bei 4500 Touren im Abregelbereich unwillig zu enden.

MCC nennt eine elektronisch begrenzte Spitze von 135 km/h, die Beschleunigung von null auf 100 km/h soll in rund 20 Sekunden erfolgen. Erste Fahreindrücke lassen eine gewisse Munterkeit erkennen.

In den Genuss der Fahrwerks- Feinarbeit mit zehn Millimeter mehr Federweg vorn, fünf hinten und einer weicheren Auslegung der vorderen Querblattfeder kommen alle Smart- Modelle. Im Gegensatz zum Benziner behält jedoch der Diesel die alten 135er-Reifen vorn (Benziner: 145), die zudem des geringeren Rollwiderstands wegen mit 0,4 bar höherem Luftdruck laufen. Auf schlechten Straßen sind Fortschritte im Komfortbereich spürbar. Der problembeladene Zwerg ist besser geworden, auch durch Detailänderungen. Es gibt nun eine elektronische Bremskraftverteilung, eine Fernentriegelung der Heckklappe, ein Polster in der Rückenlehne, eine automatische Wisch-Waschfunktion vorn und einen Heckwischer mit Intervallschalter. Mit 15 Prozent Dieselanteil rechnen die Smart- Leute, mit 1530 Mark ist der Aufpreis moderat.

Aber auch er ändert nichts an der grundsätzlichen Frage, ob der Diesel in einem Kurzstrecken- Auto Sinn macht. Viel zu sparen ist da nicht mehr.

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