Smart Forfour

Vier zuliebe

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Smart-Freunde mit zwei Sitzen und zwei Türen begnügen mussten. Jetzt erhält die junge Familie Zuwachs in Gestalt eines viertürigen Viersitzers.

Ist jetzt Schluss mit lustig? Schließlich verlässt die kleine Daimler-Chrysler- Tochter mit dem neuen Modell Forfour angestammtes Terrain: eine selbst geschaffene, eigenwillige Nische, die sich über ungewöhnliche Tugenden definiert. Smart, das bedeutete bei Fortwo (ehemals City Coupé) und Roadster nicht nur zwei Sitze auf kleinstmöglicher Grundfläche, sondern auch jugendlich- frisches Styling, poppige Zweifarbigkeit, optisch abgesetzte Sicherheitszelle, bunte Kunststoffpaneele und unkonventionelles Heckmotor- Konzept mit kleinen Dreizylindermotoren.

Nach diversen Startschwierigkeiten steht der Smart-Zug mittlerweile ganz gut unter Dampf. Vor allem die seit Frühjahr 2003 angebotenen Roadster haben maßgeblich zu der Absatzsteigerung auf 123 500 Autos im vergangenen Jahr beigetragen. Zusätzliche Modelle für weiteres Wachstum – so lautet auch die Smart-Devise. Dazu verlässt man mit dem Forfour die kleine Nische und wildert im fremden Revier der Polo- Klasse, in dem sich viele Konkurrenten tummeln. Zu ihnen gehört auch der neue Mitsubishi Colt (siehe Seite 28), mit dem sich der Forfour Plattform und technische Komponenten teilt.

Die Smart- Benzinmotoren etwa sind Ableger von Mitsubishi-Triebwerken. Sie werden jetzt im thüringischen Kölleda gebaut. Dass der Forfour trotz lauter Zweifarbigkeit doch wesentlich erwachsener auftritt als seine Brüder, ist nicht allein der puren Größe zuzuschreiben. Dezentere Farben außen wie innen sowie mehr Gediegenheit bei Design und Materialauswahl im Innenraum tragen entscheidend zu diesem Eindruck bei. Dem üppigen Radstand von 2,5 Metern verdankt er die markentypischen kurzen Karosserieüberhänge. Länge (3,75 Meter) bringt er reichlich mit, immerhin fehlen ihm nur 24 Millimeter, um mit der langen A-Klasse von Mercedes gleichzuziehen. Das kommt dem Raumangebot zugute, das erstaunlich grosszügig ist. Vorne finden 1,85-Meter-Passagiere ausreichend Platz, denn die Sitze lassen sich extrem weit zurückschieben. Wird es dann im Fond zu eng? Keineswegs. Selbst zwei langbeinige Zeitgenossen kommen auf der Rückbank noch bequem unter. 

In der Breite ist der große Smart so schmal geschnitten, dass hinten nur notfalls drei Halbwüchsige Platz finden. Die dreisitzige, kurze Bank mit flacher Lehne, drei Automatikgurten und Kopfstützen kostet 120 Euro Aufpreis. Serienmäßig ist hingegen die hohe Variabilität. Folgende Schritte vergrößern das Kofferraumvolumen von 268 auf maximal 910 Liter: Vorschieben der Rücksitzbank um 15 Zentimeter, Umlegen der geteilten Lehne und Hochstellen der kompletten zusammengefalteten Bank. Im Gegensatz zu den Rücksitzen, die durch kurze Türen geentert werden, sind die Vordersitze gut konturiert. Beifall verdient auch das Interieur: Die Kunststoffe fühlen sich nicht so billig an, feiner Stoff verkleidet große Teile von Armaturenbrett und Türtafeln, alufarbene Applikationen lockern auf.

Funktionell ist auch das Cockpit mit übersichtlichen Instrumenten und der kompakten Schaltzentrale in Armaturenbrettmitte. Oberhalb der praktischen Drehregler für die Klimatisierung befinden sich Schalter für Nebenfunktionen sowie die Kommunikationsinsel. Sie kann auf Wunsch kräftig aufgerüstet werden – vom CD-Radio bis zum Multimedia- Gerät mit Farbdisplay, Navigation und WAP-Browser. Gut nutzbare Ablagen, Handschuhfach und Cupholder unterstreichen den praktischen Charakter des Forfour.

Es gibt aber auch weniger glückliche Lösungen: etwa auf den Rücksitzen herumliegende Gurtschlösser und vor allem der unergonomische Lenkradkranz, der im Bereich der Speichen unangenehme Verdickungen aufweist. Will man das automatisierte Sechsganggetriebe (550 Euro) mit Paddeln (350 Euro) schalten, müssen die Hände das Volant aber exakt an diesen Stellen greifen, sonst verfehlen die Finger die kleinen Wippen. Obgleich der Forfour im Leergewicht unter der magischen 1000-Kilogramm-Marke bleibt, bietet er serienmäßig viele Sicherheitsfeatures. Dazu gehören neben vier Airbags, Gurtstraffern und -kraftbegrenzern auch ABS und ESP. Kopfbags, die sich wie Vorhänge über die ganze Seite entfalten, kosten 250 Euro Aufpreis. 

Völlig andersartig als bisher, nämlich ganz konventionell präsentiert sich das Antriebskonzept des neuen Smart mit Frontmotor und Vorderradantrieb. Auch die Benzinmotoren (zwei Dreizylinder-Turbodiesel mit 68 und 95 PS folgen im Herbst) bleiben mit drei und vier Zylindern, mit 1,1 bis 1,5 Liter Hubraum und mit einer Leistung von 75 bis 109 PS im klassenüblichen Rahmen. Das gilt auch für die Kraftübertragung. Ein mit der Firma Getrag entwickeltes manuelles Fünfganggetriebe ist Standard.

Auf Wunsch gibt es diese Box auch mit sechs Stufen als automatisierte Version. Zwei aufgesetzte Schaltwalzen – jeweils eine ist für die geraden und eine für die ungeraden Stufen zuständig – übernehmen die Gangwechsel, Elektromotoren die Kupplungsarbeit. Das funktioniert gut mit relativ kurzen Schaltpausen. Bei sportlicher Gangart, wozu der Viersitzer vor allem auf kurvenreichen Landstraßen animiert, schaltet man durch Antippen des Wählhebels oder der Wippen am besten selbst. Sonst vertraut man der Automatik. Am flüssigsten aber erfolgen die Gangwechsel mit dem präzisen, leichtgängigen Fünfganggetriebe. Es ist eng genug gespreizt, denn sowohl der 95 PS starke 1,3- als auch der 1,5- Liter-Motor (109 PS) – mit ihnen wurden erste Fahreindrücke gesammelt – treten ab 2000 Touren kräftig an und überzeugen durch temperamentvolle Fahrleistungen.

Für Freude sorgen auch die guten Fahreigenschaften und das agile Handling. Fast neutral zischt der Forfour um Kurven aller Art und lässt sich dabei selbst durch plötzliches Gaswegnehmen nicht aus der Ruhe bringen. Seine elektrische Servolenkung arbeitet präzise und liefert gute Rückmeldung. Erfreulicherweise gehen die sportlichen Fahrwerksqualitäten mit einem ansprechenden Federungskomfort einher, was dem Smart eine gute Langstreckentauglichkeit beschert. Eine propere kleine Limousine also, mit ausgewogenen Eigenschaften, aber auch mit einem gehobenen Preisniveau. Wer im April zu den ersten Forfour- Fahrern zählen will, muss für die 95-PS-Version mindestens 14 150 Euro bezahlen. Dennoch sollte der angestrebte Absatz von etwa 80 000 Autos pro Jahr ein erreichbares Ziel sein. Kein Grund zur Sorge also, dass der Smart auf fremdem Terrain untergeht.  

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