Spyker C8 Spyder

Der Mantel des Geigens

Der Spyker C8 Spyder ist ein in Holland produzierter Supersportwagen mit mächtig Dampf. Die Kraft liefert ein Achtzylinder von Audi.

Selbst bei einem Gebot von einer Million Dollar bleibt Victor Muller hart. Nein, der Prototyp, der hier vor dem Casino von Monte Carlo in der Nachmittagssonne wie ein Filmstar umringt wird, ist nicht zu verkaufen. Für Geld gibt es eben nicht einmal auf dem Spielplatz der Reichen und Schönen alles, was das Herz begehrt.

Zu gerne hätte ein junger Geld-Adeliger den schwarzen Boliden in seine Sportwagensammlung aufgenommen – jenes tief auf der Straße kauernde Kraftpaket mit animalischen Formen, das eben noch grollend um die Ecke bog und die vor dem Hôtel de Paris geparkten Ferrari, Aston Martin und Porsche als Sehenswürdigkeit abgelöst hat. Und bei dessen Name er nachfragen muss: Spyker, in den Niederlanden gebaut? Nie gehört.

Dabei reichen die Ursprünge der Marke bis zur Jahrhundertwende zurück. 1903 entstand bei Spyker der erste allradgetriebene Rennwagen der Welt, vier Jahre später kam bei der Rallye Peking–Paris ein Spyker als Zweiter durchs Ziel. Missmanagement machte dem einst florierenden Unternehmen 1925 den Garaus.

Doch schon bald sollen die Produkte der Marke mit dem Propeller im Logo in einem Zuge mit einem Aston Martin Vanquish und ähnlichen Exoten genannt werden, in deren exklusiven Preisregionen auch der Spyker angesiedelt ist. Ab September wollen die holländischen Firmeneigner Victor Muller und Maarten de Bruijn in einem neuen Werk in Zeewolde pro Jahr etwa 25 Supersportwagen in Handarbeit produzieren: als Coupé unter dem Namen C8 Laviolette, offen als C8 Spyder.

Um den Einstieg galant zu meistern, sollten die künftigen Eigentümer und Fahrer gelenkig sein: Hat sich die Flügeltüre nach einem Knopfdruck auf die Fernbedienung geöffnet, stößt das rechte Bein über den breiten Schweller in den Fußraum vor.

Der Körper schlängelt sich in leichter Rücklage unter der Tür durch, sinkt kurz darauf in die Sitzschale, gleichzeitig gesellt sich das linke zum rechten Bein. Ein gut durchdachter Arbeitsplatz empfängt den Fahrer. Eng wie ein Taucheranzug umhüllen die Sitze den per Vierpunktgurt arretierten Körper.

Die Position hinter dem steil stehenden Vierspeichen-Lenkrad passt, obwohl keine Verstellmöglichkeit vorgesehen ist. Mit ihrem filigranen Design erinnern die Instrumente an alte Fliegeruhren. Kein Plastik beleidigt das Auge, alles ist in feines Connolly-Leder gekleidet oder aus edlen Metallen gefertigt – wie die acht Kippschalter im Armaturenbrett.

Die Liebe zum Detail erklärt sich aus Mullers Missfallen über den vielfach üblichen Einsatz von billigen Materialien in teuren Autos. Sein Credo: "Unsere Kunden fragen nicht nach dem Preis, sie wollen sich mit Hochwertigkeit umgeben."

Und die ist auch unter der von Hand gedengelten Aluminiumhaut sichtbar. Beim Fahrwerk: Die Einzelradaufhängung aus Edelstahl ist oben und unten dreifach angelenkt.

Nach dem Vorbild der Formel 1 liegen die Federbeine quer. Die Dämpferhärte ist einstellbar, ebenso wie Spur und Sturz der Räder.

Doch nicht alles am Spyker wird individuell handgefertigt: Der Motor ist ein Spenderherz – dem Audi S8 entnommen, um weitere gut zehn Prozent in der Leistung gesteigert und dem zweisitzigen Sportler vor der Hinterachse eingepflanzt. Hier lässt der 4,2 Liter große Achtzylinder 405 PS auf die Hinterräder los.

Der Starterknopf erweckt den V8 zu dumpfem Grollen. Erstaunlich leicht lässt sich das Kupplungspedal treten und der erste Gang des ebenfalls aus dem S8 stammenden Sechsganggetriebes einlegen.

Kurz oberhalb der Leerlaufdrehzahl schließt die Kupplung, und der C8 Spyder rollt zur Testfahrt auf dem ehemaligen Grand Prix-Kurs in Paul Ricard. Mit tiefem Auspuffsound schiebt der Motor kraftvoll an. Zwischen 3.000 und 4.500 Umdrehungen lässt er den dank Alu-Bauweise nur eine Tonne schweren Sportwagen so vehement nach vorn stürmen, dass die Nackenmuskeln der Passagiere intensiv trainiert werden.

Bei höheren Drehzahlen wird der angeblich auf TÜV-kompatible Lautstärke gedämpfte Auspuffton höher, und der Achtzylinder feuert sein Verbrennungs-Stakkato durch die dicken Endrohre.

Schon nähert sich die Tachonadel der Ziffer 200, und der C8 Spyder fliegt auf eine langgezogene Rechtskurve zu. Die Fußspitze tritt das Bremspedal, die Hacke wandert nach rechts und gibt kräftig Zwischengas – der nächst kleinere Gang rastet leichtgängig und exakt ein.

Mit der überschäumenden Leistung gehört ein Powerslide für den Spyker zu den leichten Übungen, zumal eine sehr zielgenaue Lenkung die dazu gehörenden Lenkmanöver erheblich erleichtert.

Allerdings greift, wenn die Situation kritisch zu werden droht, keinerlei Elektronik ein. Der Spyker hat noch nicht einmal über eine Antriebsschlupfregelung, von ESP ganz zu schweigen. Auch die Dosierung der Bremskraft obliegt dem Fahrer, ABS ist nicht vorgesehen.

So ist Zurückhaltung im Grenzbereich ratsam. Denn selbst wer über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, bekommt frühestens in eineinhalb Jahren Ersatz für einen unfallgeschädigten Spyker. Wenn die bisher 34 Kaufwilligen versorgt sind.

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