Suzuki Twin

Kleiner Stromer

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Er ist der erste Serien-Kleinwagen der Welt mit Hybridantrieb. Bisher nur in Japan, bald auch bei uns?

Wo immer der Winzling mit den großen Kulleraugen auftaucht, wird er von neugierigen Blicken verfolgt. Er scheint eher aus Entenhausen als aus einer echten Autofabrik zu stammen, und mancher Betrachter sucht schon nach dem Schlüssel zum Aufziehen. Doch die auffälligen „Hybrid“-Schriftzüge an den Türen machen schnell klar, dass es sich nicht um ein Modellauto mit Federantrieb handelt. Der Suzuki ist für die Straßen überfüllter Ballungsräume gedacht. Fast jeder heimische Hersteller hat in Japan einen solchen Stadtfloh im Programm, aber keinen wie diesen.

Denn neben dem üblichen 660-cm3-Benziner gibt es ihn wahlweise in einer Version mit zusätzlichem Elektromotor, und das macht den Zwerg auch bei uns interessant.

Denn während Honda und Toyota derzeit nur größere Modelle mit Hybridantrieb anbieten und ein Smart Fortwo mit ähnlicher Technik noch in den Sternen steht, kann man den umweltfreundlichen Kleinwagen bei Suzuki in Japan schon seit zwei Jahren kaufen. Allerdings haben bisher nur wenige Kunden von diesem Angebot Gebrauch gemacht, die Mehrzahl aller 2850 Exemplare des Vorjahres war allein mit Benzinmotor ausgerüstet.

Technik bringt 100 Kilo Mehr-Gewicht

Die aufwendige Technik bringt etwa 100 Kilogramm mehr auf die Waage, und der Akkublock mit 16 herkömmlichen Bleibatterien über der Hinterachse reduziert den Kofferraum auf eine Mini-Ablage. Deshalb lässt sich bei der Hybridversion statt der üblichen Heckklappe nur die nicht heizbare Heckscheibe öffnen. Für sperriges Gepäck kann indes die Lehne des Beifahrersitzes vorgeklappt werden. Man steigt bequem ein, findet genug Platz für zwei Erwachsene und problemlos die wenigen Schalter. Nur die Sitze sind arg kurz und dünn.

Als Konzession an den Heimatmarkt ist die serienmäßige Viergangautomatik zu verstehen, die man gerade auf Kurzstrecken schätzen lernt. Sie schaltet überraschend weich und ruckfrei, aber recht häufig, um den kleinen Dreizylinder bei Laune zu halten. Das gelingt ihr ganz anständig, und die leichte Kunststoff-Karosserie, die gute Übersicht sowie die enorme Wendigkeit (Wendekreis 7,2 Meter) tun ein Übriges, um im Stadtgetümmel oder auf Landstraßen munter mithalten zu können.

Die Elektronik steuert unauffällig, wann der Elektromotor den Benziner unterstützt, oder wann er als Generator arbeitet und die Batterien speist. Erst bei völligem Stillstand und getretener Bremse schaltet sich der Ottomotor ab, um Benzin zu sparen. Zum Anfahren wird er dann vom Starter-Generator wieder angeworfen.

Verbrauch nach Werksangabe unter drei Litern

Beim Beschleunigen arbeiten Verbrennungs- und Elektromotor zusammen. Auch an Steigungen wird der mit 44 PS eher schwachbrüstige Benziner elektrisch unterstützt. Die Energie dazu kommt aus den Batterien im Heck des Twin. Aufgeladen werden diese Energiespeicher sowohl bei gleichmäßiger Fahrt, wo die Elektromaschine als Generator arbeitet, wie beim Bremsen.

Der vom Werk angegebene Verbrauch (2,95 L/100 km) bleibt freilich graue Theorie, bei gemischtem Betrieb sind vielmehr Werte um sechs Liter realistisch.

Suzuki sieht den Twin Hybrid als Technologieträger und Experiment, dessen funktional überzeugendem Antrieb die Europäer derzeit nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen haben. Wegen der mäßigen Bremsen und Sicherheitsausstattung sollte er das auch bleiben. Denn Experimente mit der Sicherheit können wir uns nicht leisten.

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