Tesla Model 3

Kompaktes Elektroauto im Fahrbericht

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne 58 Bilder

Der Tesla Model 3 gilt als eines der ersten alltagstauglichen Elektroautos, das kompakt und sparsam ist. In Europa ist das begehrte Modell noch gar nicht auf dem Markt. Wir haben hier bereits die Sitzprobe und einen Fahrbericht.

Aus ein paar Metern Entfernung sieht der Tesla Model 3 aus wie aus einem Guss. Steht man direkt davor, fallen die großen und durchaus unterschiedlichen Spaltmaße auf. Die Türdichtgummis machen keinen guten Einduck, wirken teilweise wie per Hand zurechtgeschnitten und später nachgeklebt.

Das Öffnen der Tür mit dem Griff zum Ausklappen und das Einsteigen funktionieren wunderbar. Der Leder-Fahrersitz ist bequem und bietet ordentlichen Seitenhalt. Die Oberschenkel-Auflagefläche reicht auch für groß gewachsene Fahrer. Vorne sind die Platzverhältnisse prima: Schulter-, Bein- und Kopffreiheit sind für große Insassen ausgelegt.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018 Foto: Guido ten Brink
"Bequeme Sitze und viel Platz im Tesla Model 3.", so Redakteur Gregor Hebermehl.

Das Lenkrad des Model 3 ist klein, fühlt sich angenehm an und sieht aus zwei Gründen recht ungewöhnlich aus: Zum einen wirkt sein Material arg billig, zum anderen trägt es als Multifunktions-Elemente nur zwei Dreh-Kippsteller, die auf dem Steuerrad verloren wirken. Die Funktion dieser Stellräder hängt von der jeweils im zentralen Infotainment-Bildschirm gewählten Einstellung ab. Ist das Radio aufgerufen, sind die Knöpfe zum Einstellen der Sender und der Lautstärke da, ruft man das Lenkrad-Menü auf, lässt sich mit dem linken Knopf die Lenkradhöhe und mit dem rechten Knopf die Tiefe verstellen. Dies könnte selbst während der Fahrt klappen, ohne die Sicherheit einzuschränken.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018
So sieht er aus, so geht die Lenkradverstellung 54 Sek.

Ungewöhnlich für den Fahrer: Über Fahrdaten informiert im Model 3 ausschließlich der in der Mittelkonsole verbaute Bildschirm – einen eigenen Instrumentenbereich direkt vor dem Fahrer gibt es nicht. Tesla ist nicht der erste Hersteller, der solch ein Cockpit baut, aber es bleibt gewöhnungsbedürftig. Ein Head-up Display hat Tesla-Chef Elon Musik für das Model 3 bisher nicht angekündigt.

Einen Gag haben sich die Innenraumeinrichter bei den in den Sonnenblenden sitzenden Schminkspiegeln erlaubt: Diese sind von einer sehr dünnen zweiteiligen Magnetklappe verdeckt. Klappt man sie nach unten, erleuchten helle Leuchtstreifen rechts und links den Spiegel.

Geht die Tür auch ohne Strom auf?

Der gesamte Innenraum des Model 3 ist hell und auch nach hinten übersichtlich. Wiederum ungewöhnlich ist der fließende Übergang von der Heckscheibe in den ebenfalls aus transparentem Material bestehenden verdunkelten Dachbereich. Zum Verlassen des Wagens muss man einen kleinen Knopf im Türgriff drücken – dies funktioniert tadellos – hoffentlich auch bei einem Stromausfall.

Im Fond geht es enger zu, besonders, wenn sich der Vordermann reichlich Platz genehmigt. Ansonsten sitzen die Passagiere hier ebenso bequem wie vorne – der Model 3 könnte vom Sitzkomfort her auf der langen Reise Spaß machen, sofern der Batteriefüllstand eben diese lange Reise zulässt. Allerdings fällt gerade den im Fond Sitzenden auf, welch günstige Materialien Tesla teilweise beim Model 3 einsetzt: Die Vordersitzlehnen sind hinten mit billigstem Plastik verkleidet und erinnern an das Lenkrad. Das Türöffnen von innen erfolgt hinten wie vorne per Knopfdruck. Werfen wir noch einen Blick in die Kofferräume an Front und Heck.

Das Gepäckabteil vor dem Fahrer lässt sich etwas umständlich über den zentralen Infotainment-Bildschirm öffnen – dort kann man von oben auch größere Koffer hineinheben. Der Kofferraum hinten öffnet sich per Knopfdruck von außen – aber der Laderaum-Ausschnitt fällt schmal aus. Hier hätte eine an der hinteren Dachkante angeschlagene Heckklappe im Stile von Fließheck-Limousinen geholfen.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018 Foto: Guido ten Brink
Der Kofferraumausschnitt am Heck ist recht schmal bemessen.

Zusammenfassung Sitzprobe

Komfortable Sitze, ausreichend Platz auch für große Passagiere und ein schnörkelloses Armaturenbrett kombiniert Tesla beim Model 3 mit einer teilweise noch windigen Verarbeitung und ebenso teilweise sehr günstig wirkenden Materialien. Die Verarbeitungsqualität dürfte Elon Musk in den Griff bekommen – das größere Model S lief über die Jahre auch immer besser vom Band. Die billigen Plastik-Materialien haben gerade amerikanische Kunden bisher selten abgeschreckt – und für den europäischen Markt könnte Tesla in dieser Hinsicht sicher nachlegen.

Fahrbericht Tesla Model 3

Schneeweiß steht die 4,70 Meter lange Limousine in der Sonne, duckt sich flach und sportlich über den Asphalt. Steht gut da, der Wagen. Vorn und hinten gibt es keine pummeligen Überhänge, dazwischen keine verspielten Sicken und Kanten. Alles ziemlich clean, ein Blechkleid wie aus einem Guss. Die Spaltmaße? Von vorzüglich bis unverschämt, fast fingerbreit.

Das Raumgefühl in der ersten Reihe ist wunderbar luftig. Was auch an der Knopflosigkeit des Armaturenbretts liegt. Kein Schalter, kein Knöpfchen, selbst die typischen Lüftungslamellen hat sich Tesla verkniffen. So schaut man auf ein (griffiges) Lenkrad, das nur zwei kleine Drehregler trägt – und den 15-Zoll-Farbbildschirm, der am äußeren Ende der durchgezogenen Mittelkonsole thront. Über dieses große Touchdisplay lassen sich nahezu alle Funktionen des Model 3 steuern. Vom Licht (es gibt eine Automatik) über die Scheibenwischer (ebenfalls automatisch), die Spiegel- und Lenkradverstellung, Klima, Navi, Lenkung (drei Modi), Soundanlage bis hin zur Verstellbarkeit der Strömungsrichtung des Gebläses für Fahrer und Beifahrer.

Klingt nach viel? Ist es auch. Anfangs sucht, drückt und staunt man erst mal eine ganze Weile – um sich dann problemlos zurechtzufinden. Der einzige Nachteil: Die Augen tasten viel zu oft über den großen Bildschirm, dadurch ist die Ablenkung während der Fahrt ziemlich groß. Geht auch gar nicht anders, da ja selbst das Tempo nur dort angezeigt wird. Klug wäre daher ein Head-up-Display – das es bislang nicht gibt.

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne
Der zentrale Bildschirm dominiert das Cockpit.

In diversen Foren monieren Model-3-Besitzer Ausfälle des großen Bildschirms, andere wünschen sich eine smartere Positionierung der unterschiedlichen Menüs. Viel Lob erntet hingegen der schlüssellose Zugang. Für den genügt es, die serienmäßige Besitzerkarte eingesteckt zu haben oder das eigene Telefon mit dem Tesla zu koppeln. Und wo bitte ist eigentlich der Startknopf des Model 3 zu finden? Fangfrage! Der 192 Kilowatt starke E-Motor startet nämlich ohne ein solches Knöpfchen – einfach den Hebel rechts hinter dem Lenkrad nach unten drücken, und das E-Herz ist aktiviert. Dort wird auch der Vorwärts- und Rückwärtsgang eingelegt sowie der autonome Fahrmodus aktiviert.

Feinfühliger Gasfuß ist gefragt

Noch beim Ausparken lehrt uns der kleine Tesla: Feingefühl im Gasfuß mag er besonders, da 525 Newtonmeter an Bord sind, die jederzeit ohne Gedenkpäuschen zupacken. Lautlos und geschmeidig rollt der Viertürer anschließend über den großen Parkplatz, um vergleichsweise holprig und ungeschickt über zwei Bremshügel zu stolpern. Das können andere in dieser Klasse besser.

An der ersten Ampel vergessen wir kurz den feinfühligen rechten Fuß und erleben, wie sich der weiße Tesla in einen Sportler verwandelt. Für den Sprint null auf hundert soll die Limousine keine sechs Sekunden verschwenden – glauben wir sofort. E-typisch macht das Model 3 daraus keine laute Show.

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne
Hat aktuell kaum Konkurrenz: Das Tesla Model 3 ist eines der ersten kompakten Elektroautos mit akzeptabler Reichweite.

Das Handling? Wunderbar! Da alle Zellen der Akkus unterm Fußraum wohnen, liegt der Schwerpunkt des rund 1,7-Tonnen Model 3 schön tief; daher auch das sportliche Benehmen. Passend dazu setzt die Lenkung alle Befehle schnell und verzögerungsfrei um. Wer sich hier eine andere Sensibilität wünscht, kann diese am großen Display einstellen. Neben „Normal“ stehen „Komfort“ und „Sport“ zur Wahl. Ebenfalls wählbar: die Rekuperation des E-Motors, der in Rollphasen entweder ein mäßiges oder starkes Bremsmoment erzeugt und so die Akkus speist.

Die Reichweite?

Mit dem großen Akku-Pack gibt Tesla rund 500 Kilometer an – die bei milden Temperaturen wohl auch realistisch einzuschätzen sind. Das zumindest bestätigt uns Tony Siress, Model-3-Fahrer der ersten Stunde. Sind die Akkus leer, braucht es rund 40 Minuten an einem Supercharger, bis die volle Reichweite wieder angezeigt wird. Das Aufladen an Tesla-Säulen ist beim Model 3 nicht kostenlos. Was uns sonst noch überrascht? Wie gut sich die kompakte Limousine anfühlt. Kraft im Überfluss, viel Ruhe und Reichweite, ausreichend Platz (425 Liter Kofferraum). Der Federungskomfort enttäuscht allerdings. Wer sich auf das Bedienkonzept einlässt, wird sich daran erfreuen. Die teils nachlässige Verarbeitung sind wir von Tesla gewohnt – die Kunden scheint es nicht zu stören. Für sie ist es wichtiger, dass die Autos der Marke nach Zukunft schmecken.

Denn: Während andere noch reden, hat Tesla nach dem inzwischen eingestellten Roadster, dem Model S und dem Model X schon das vierte E-Auto auf den Markt gebracht. Wir sind allerdings gespannt, wann es wirklich zu uns kommt.

Hier die wichtigsten Infos und Daten zum Tesla Model 3:

  • Die Spurtzeit auf 100 km/h liegt bei 5,6 beziehungsweise 5,1 Sekunden
  • Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 209 km/h liegen (stärkere Batterie: 225 km/h)
  • Das Model 3 kommt als Fünfsitzer
  • Beim Crashtest soll eine 5-Sterne-Wertung erreicht werden
  • Die EPA-Reichweite soll zwischen 350 Kilometer (verm. 50 kWh) und 500 Kilometer (verm. 75 kWh) betragen
  • Die Aufladung an den Supercharger-Säulen wird Gebühren kosten
  • Das Model 3 kommt mit Autopilot-Hardware (8 Kameras, viele Sensoren)
  • Der cW-Wert soll bei 0,23 liegen
  • Die Heckklappenöffnung wird in der Serie größer ausfallen
  • Das Kofferraumvolumen wird 397 Liter betragen (US-Angabe)
  • Kein Head-up-Display, es gibt nur den 15 Zoll großen horizontalen Bildschirm in der Mitte
  • Auf der Rückbank haben 2 bzw. 3 schmale Kindersitze Platz
  • Die Sitze sind voll umklappbar
  • Weniger als 100 Konfigurationen sollen möglich sein

Fazit

Das Tesla Model 3 ist nicht perfekt, aber schon jetzt gut genug, um die Fans der Marke weiter zu begeistern. Reichweite und Punch gefallen – hinterm Steuer kommen Zukunftsgefühle auf. Die Produktionsschwierigkeiten mögen unangenehm sein, der Marke schaden. Doch sobald diese behoben sind, wird das Model 3 der Konkurrenz wehtun, die nach wie vor kaum Vergleichbares am Start hat.

Technische Daten
Tesla Model 3
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4694 x 1933 x 1443 mm
KofferraumvolumenVDA 425 l
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
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