Tesla Model S im Fahrbericht

Heimlich, still und leise Richtung Zukunft

Tesla Model S, Frontansicht Foto: Hersteller 29 Bilder

Bester seiner Klasse? Das kann ja jeder. Die noch junge Marke Tesla glaubt, mit der Elektro-Limousine Model S „das beste Auto der Welt“ auf die Räder gestellt zu haben. Na dann, auf zur Probefahrt im 422 PS starken Topmodell Tesla Model S.

Puh, Glück gehabt. Die Pedale im Tesla Model S befinden sich dort, wo sie bei einem Auto gemeinhin vermutet werden, die Hebel für Blinker und Tempomat stammen eindeutig aus einem Mercedes – und stecken wie erwartet an der Lenksäule. Warum sollten sie nicht?

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Weil kurz zuvor Tesla-Vertriebschef und Ex-Apple-Manager George Blankenship mit typisch amerikanischer, absolut TV-tauglicher Begeisterung erzählte, dass es „rund zehn Tage dauert, bis man sich an den Model S gewöhnt“. Und dass es sich bei der 4,98 Meter langen Limousine um kein geringeres als das „beste Auto der Welt und nicht einfach nur um ein gutes Elektro-Fahrzeug“ handelt. Halleluja.

Beim Tesla Model S gibt es Updates per Klick

Bereits kurzes Durchstöbern der Ausstattungsliste des Tesla Model S verdeutlicht allerdings, dass der Tesla vielleicht doch zunächst als „gutes Elektro-Auto“ betrachtet werden sollte. Denn wer Interessenten davon abhalten will, einen Mercedes CLS 63 AMG oder einen Porsche Panamera Turbo zu erwerben, der muss ihnen zumindest die Option auf irgendein Fahrerassistenzsystem bieten. Und höhenverstellbare Kopfstützen sowie eine Rückbank, die nicht den Eindruck erweckt, sie sei aus lederbezogenen Mobiltelefon-Verpackungen hergestellt, schätzt diese Klientel sicher auch. Nun gut, da die Produktion der für Europa bestimmten Modelle erst im März beginnt, bleibt ja noch etwas Zeit für Verbesserungen. 

Immerhin: Model S-Fahrer brauchen nicht zu fürchten, bereits kurz nach dem Kauf mit einem alten Auto durch die Welt zu surren. „Technische Verbesserungen können einfach per Software-Download installiert werden“, erklärt Blankenship, noch immer freudestrahlend. So kam der Tesla beispielsweise zur von Automatik-Fahrzeugen bekannten Kriechfunktion bei eingelegter Fahrstufe.

Also los jetzt. Startknopf oder gar Zündschlüssel im Tesla Model S? Meine Güte, die Post nutzt doch auch keine Brieftauben mehr. Per Sitzbelegungserkennung registriert der Model S den Fahrer, der jetzt nur noch auf das Bremspedal treten muss, dann ist der Viertürer startbereit – und wie. Sofort versucht das maximale Drehmoment von 600 Newtonmetern, den Gummi von den hinteren 21-Zoll-Felgen zu ziehen, und das ganz ohne die in dieser Leistungsklasse übliche tosende Geräuschkulisse.

In 4,6 Sekunden sprintet der Tesla Model S auf 100 km/h

In nur 4,6 Sekunden wuchtet der 310 kW starke Elektromotor die 2,1 Tonnen schwere Limousine von null auf 100 km/h, verspricht der Hersteller. Die nötige Energie im Tesla Model S bezieht das Triebwerk aus einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 85 kWh, auf den Tesla acht Jahre Garantie ohne Kilometer-Begrenzung gewährt. Aufgrund des monströsen Schubs fällt es leicht, die Aussagen bezüglich der Fahrleistungen nicht in Frage zu stellen. Da eine Route jedoch höchst selten ausschließlich aus Geraden besteht, sollte der Model S ebenso lässig durch Kurven fegen können.

Tatsächlich wuppt das Tesla Model S diese Aufgabenstellung völlig entspannt, erst beim Anbremsen macht sich das Gewicht deutlich bemerkbar. Die im Fahrzeugboden versteckte Antriebstechnik bedingt einen tiefen Schwerpunkt und eine ausgeglichene Gewichtsbalance, weshalb sich die straff und unadaptiv abgestimmte Limousine mit geringer Seitenneigung und wenig Schwiegermutter-kompatiblem Tempo über arglos dahinschlängelnde Landstraßen feuern lässt.

Im Tesla S gehts durchs www

Die Aluminium-Karosserie des Tesla Model S hinterlässt dabei einen steifen Eindruck, und auch die Inneneinrichtung enthält sich störender Knarzgeräusche. Selbst kurzzeitige Befürchtungen, der riesige, berührungsempfindliche 17-Zoll-Monitor könnte aus dem schlanken Armaturenträger plumpsen, erweisen sich als unbegründet. Mechanische Bedienelemente für Klima und Infotainment hält Tesla im besten Auto der Welt offenbar für unangebracht, weshalb das gesamte Infotainment (natürlich Web-basiert) sowie die Klimaanlage und das Panoramadach (optional) über den, hm, Fernseher bedient werden.

Nonstop München – Stuttgart und zurück

Trotz des monströsen Monitors im Tesla Model S genießen die Insassen zumindest nach vorne dank schlanken A-Säulen einen prächtigen Blick auf jene Umwelt, die sie gerade besonders pfleglich zu behandeln glauben. Nach der im Vergleich zum NEFZ-Zyklus etwas großzügigeren US-Verbrauchsnorm soll das Vergnügen rund 500 Kilometer währen, bevor der Model S an die Steckdose muss. Es stehen übrigens zwei Leistungsstufen (265 oder 310 kW), drei Akkus (40, 60 oder 85 kWh) und vier Ausstattungslinien beim Tesla Model S zur Wahl. Doch Pedale und Lenkrad finden sich unabhängig davon immer am gewohnten Platz.

Technische Daten
Tesla Model S 85D
Grundpreis 94.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4970 x 1964 x 1445 mm
KofferraumvolumenVDA 745 bis 1795 l
Leistung 310 kW / 422 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
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