Toyota Camry

Vierter Versuch

Toyota bringt trotz des mäßigen Erfolgs seiner Stufenhecklimousine Camry in Europa Mitte November die vierte Generation auf den Markt. Neue Basismotor ist ein 2,4-Liter-Vierzylinder mit 152 PS.

Im letzten Jahr brachte Toyota in Deutschland gerade noch knapp 800 Camry an den überwiegend älteren Mann (55 +). Über dem großen Teich hingegen ist das Toyota-Modell ein Renner: Im Jahr 2000 war der Camry mit über 440.000 Fahrzeugen zum vierten Mal in Folge der meistverkaufte Pkw in den Vereinigten Staaten. Für Toyota Grund genug, die seit Ende August in den USA auf dem Markt befindliche vierte Generation ab dem 17. November trotz des bisher mäßigen Erfolgs auch den Europäern schmackhaft zu machen.

Das Design ist sachlich nüchtern

Stilistisch ähnelt der nüchtern sachlich gestaltete neue Camry dem kleineren Bruder Avensis, das Heck hingegen könnte auch aus Korea stammen. Erwartungsgemäß bietet das Toyota-Flaggschiff von allem ein bisschen mehr: längerer Radstand (plus fünf Zentimeter), mehr Beinfreiheit (plus vier Zentimeter) sowie mehr Kopf und Schulterraum (jeweils plus zwei Zentimeter). Natürlich wuchsen auch die Außenmaße: Die klassische Stufenheck-Limousine mit Frontantrieb ist 4,82 Meter lang (plus 1,5 Zentimeter), 1,80 Meter breit (plus 1,0 Zentimeter) und beachtliche 1,50 Meter hoch (plus 7 Zentimeter). Das Kofferraum-Volumen wuchs zudem auf für diese Klasse rekordverdächtige 587 Liter.

Die ersten Fahreindrücke bestätigen auch eine Optimierung des Fahrkomforts im Vergleich zum Vorgänger. Trotz geringer Stückzahlen für Europa – für 2002 sind zum Beispiel in Deutschland nur 3.000 Verkäufe geplant – wurde das Fahrwerk speziell auf europäische Bedürfnisse abgestimmt: kürzere Federwege, straffere Stoßdämpfer sowie eine direkter ansprechende Servolenkung vermitteln besseren Kontakt zur Straße als die weicher abgestimmte US-Version. Zu den hiesigen Kunden rollt der Camry außerdem ausschließlich auf 16-Zoll-Leichtmetall-Rädern, die eine größere und leistungsfähigere Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheiben vorn beherbergen.

Ein Vierzylinder und ein V6 stehen zur Auswahl

Neue Basis-Motorisierung des Camry in Deutschland bildet der 2,4-Liter-Vierzylinder, der den alten 2,2-Liter-Motor ablöst. Der Vierventiler arbeitet mit zwei oben liegenden Nockenwellen und variablen Steuerzeiten (VVT-i). Seine Spitzenleistung von 112 kW (152 PS) erreicht er bei 5.600 U/min und ermöglicht damit ein ordentliches Vorankommen. Das maximale Drehmoment von 218 Nm zwischen 3.800 und 4.200/min treibt die rund 1,5 Tonnen schwere Limousine mit manuellen Schaltgetriebe auf eine Spitze von 210 km/h und beschleunigt die Limousine in 9,4 Sekunden von Null auf 100 km/h. Dabei wirkt der Motor nie angestrengt oder gar laut. Der durchschnittliche Benzinkosum beträgt beim Schalter nach Werksangabe 8,6 Liter.

Zweite Variante ist ein leise säuselnder Leichtmetall-V6 mit 3,0 Liter Hubraum. Dieser Motor wird ausschließlich mit einer elektronisch gesteuerten Viergang-Automatik (4ECT-i) ausgeliefert, die ohne spürbare Schaltwechsel durch die Gänge huscht. Eine serienmäßige Traktionskontrolle (TRC) und das Toyota-ESP namens VSC halten den Camry im Zaum. Der 24-Ventiler leistet 137 kW (186 PS) bei 5.300/min. Er beschleunigt die strömungsgünstig geformte Limousine (cw-Wert 0,28) allerdings nur unwesentlich besser als der Vierzylinder-Basismotor: 9,1 Sekunden vergehen von Null auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 225 km/h. Die Drehmomentkurve gipfelt in 273 Nm bei 4.300/min. Besonderheit: Der Sechszylinder besitzt im Gegensatz zur normalen Handbremse im Vierzylinder eine Fußfeststellbremse. Der Durchschnittsverbrauch beträgt 11,0 Liter auf dem Papier. Ein großvolumiger Diesel soll “eventuell mittelfristig“ nachgeschoben werden.

In puncto Ausstattung lässt der Camry kaum Wünsche offen. Eine Klimaautomatik gehört ebenso zur Serienausstattung wie ein automatisch abblendender Rückspiegel, elektrisch einklappbare Außenspiegel, ein Regensensor, eine sensorgesteuerte Automatik für das Abblendlicht, eine Audio-Anlage, elektrisch einstellbare Sitze mit integrierter Heizung vorn, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, ein Sonnenschutzrollo am Heckfenster, ein Bordcomputer sowie elektrische Fensterheber rundum. Gimmicks wie die dimmbaren Make-up Spiegel für Fahrerin oder Beifahrerin stehen jedoch in krassem Gegensatz zu der billig wirkenden Filzauslegware im Kofferraum, dessen Deckel zudem an der Innenseite über keine Zuziehmulde verfügt. Peinlich: im Bereich der Rückleuchtenabdeckung wurde der Filz nur wenig passgenau zusammengetackert.

Dafür stimmt das Sicherheitspaket zuversichtlich: Serienmäßig sind sechs Airbags inklusive Kopf-Airbags vorn und hinten, das Schleudertraumaschutzsystem WIL sowie wasserabweisende Außenspiegel und Seitenscheiben. Sämtliche Sitze sind mit Dreipunktgurten ausgestattet, die vorderen Sitze verfügen zudem über Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer. Für die Sicherheit von Kindern sorgen ISOFIX-Fixierungspunkte an den Außenplätzen der Rückbank. Gebremst wird beim Camry mit ABS-Unterstützung. Hinzu kommen eine elektronische Bremskraftverteilung (EBD) und ein Bremsassistent (BA). Beim V6-Motor sind die Antriebsschlupfregelung TRC und das elektronische Stabilitätsprogramm VSC serienmäßig an Bord.

Ende 2002 soll das Stabilitätsprogramm als Extra auch für die Basis-Motorisierung lieferbar sein. Ansonsten fällt die Liste der Extras erfreulich kurz aus: Wo nicht bereits vorhanden können Lederaussattung, Multivision Audio und DVD-Navigationssystem sowie Metalliclackierung und elektrisches Glas-Schiebe-Hebedach geordert werden.

Der größte Nachteil des Camry ist sicherlich, das er nicht als Statussymbol taugt. Vernunftmenschen finden den neuen Toyota Camry 2.4 zu Preisen ab 28.350 Euro (55.448 Mark) bei den rund 700 Toyota-Händlern. Das Top-Modell Camry 3,0 V6 Executive mit Lederausstattung, Schiebedach, Multivision-Audio und satellitengestütztem DVD-Navigations-System wird für 37.000 Euro (72.366 Mark) angeboten.

Toyota Deutschland rechnet damit, dass 25 Prozent auf das Modell 3,0 V6 Executive entfallen, 20 Prozent auf den Camry 3,0 V6 und 55 Prozent auf die Vierzylinder-Variante. Eine Kombi-Version ist nicht geplant.

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