Tracktest Haribo-Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing

Gas geben im Gummibär-Porsche

Haribo-Porsche 911 GT3 R Foto: Gargolov 16 Bilder

In der letzten VLN-Saison hatte der Haribo-Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing den höchsten Podiumsplatz scheinbar abonniert. Drei Siege in Folge sprechen eine eindeutige Sprache. Grund genug, die Nummer 88 zum sport auto-Tracktest zu bitten.

Wenn man im Dunstkreis des Nürburgrings, etwa an der Frittenbude im Fahrerlager oder an der Touristeneinfahrt zur Nordschleife nach dem Namen Manthey fragt, dann bekommt man spätestens nach zwei Sätzen im Eifelaner Platt ein aufgewecktes „...der Olaf...“ entgegnet. Der Olaf kann hier natürlich nur einer sein – Olaf Manthey, Teamchef, Ex-Rennfahrer, Porsche-Guru, Mann von Renate. Jetzt hockt der Olaf neben seiner Nummer 88. Schwarz, hüfthohe Goldbären auf den Flanken und gelbe Streugläser, die 2010 meist für nervöse Gedächtnisblitze in des Gegners Rückspiegel sorgten.

Der Haribo-Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing fuhr als einziges VLN-Auto einen lupenreinen Hattrick ein und hatte den Platz ganz oben auf dem Podium im letzten Saisondrittel 2010 quasi abonniert. „Daran darfst du gar nicht denken, fahr einfach“, sagt der Olaf lächelnd, während der Gastfahrer ins Cockpit einfädelt. In Box 26, in der sonst Ringschlachten geschlagen werden, Schlagschrauber rattern und dutzende Mechaniker fürs letzte Zehntel schrauben, herrscht heute Ruhe wie im Wellnessbereich des Lindner Ringhotels.

50 Minuten im starken Gummibären-Porsche von Manthey

Nur zum Glück ist hier alles viel rustikaler. Nummer 88, zwei Werkzeugkisten und eine Bierbank, auf der der Olaf und sein Pressesprecher Jan hocken – perfektes Tracktestambiente. Hier fällt kein „Lass die Karre heil“ oder „Dreh nur bis...“. Bei anderen Gastfahrten kann man sichere Wetten abschließen, dass sie einem nach gefühlten 60 Sekunden direkt ins Gesicht sagen, man müsse „die Karre“ ja ohne den kleinsten Steinschlag wieder zurückbringen. Nichts dergleichen bei Manthey.

Die Aufgabe macht der Teamchef mit wenigen Worten klar: „Fahr einfach, wir haben ein Zeitfenster von zehn nach Zwölf bis Eins!“ Genial, 50 Minuten ohne Pause Manthey-Porsche im Tracktest fahren. Ab jetzt wird nie wieder Lotto gespielt, so viel Glück gibt‘s nur einmal im Leben. Olaf Mantheys bodenständig-herzliche Art schafft Vertrauen. Seine klaren Ansagen verlangen aber unmissverständlich nach höchstem Respekt.

Sind die Pferde von der Leine gibt's was auf die Ohren

Ähnliche Charakterzüge sind auch dem Porsche 911 GT3 R auf den Leib geschneidert: Er fordert mit seinem Monsterheckflügel nach Achtung, aber erzeugt schnell Zutrauen, wenn man ihn denn lässt. Dagegen haben erst einmal der Pakt aus linkem Daumen und ein schwarzer Knopf auf dem Lenkrad etwas. Woam, woam, woam, mit stotterndem Motorgebrüll hinkt der Speedlimiter-gezügelte Rennelfer mit maximal 60 km/h wie ein lahmendes Rennpferd aus der Box los.

Boxenampel grün, weiße Linie: Knopf loslassen – Gatter auf für die Wildpferde im Boxerheck. Nummer 88 stürzt sich gierig ins Geschehen. Kein VLN-Training auf der Nordschleife, sondern die GP-Strecke im Rahmen des Pistenclubtrainings steht für den Langstrecken- Triumphator auf dem Programm. Saugen, schnorcheln, scheppern – der Vier-Liter- Sechszylinderboxer kreischt im Tracktest wie die Kettensägen eines Stoßtrupps Waldarbeiter, der die halbe Eifel für eine weitere Ring-Erlebniswelt abholzen will.

495 PS und 200 cm³ mehr Hubraum machen was her

Im Vergleich zum Serien-R trompetet der Haribo-Porsche 911 GT3 R von Manthey Racing durch eine ab Krümmer geänderte Abgasanlage von Akrapovic so mächtig ins Ohr, als wäre der Fahrerplatz direkt im Motorraum. Dort ist mächtig Qualm an der Kette. Giftig beißt der Renn-Sauger zu und dreht lässigflink bis zur Drehzahlgrenze von 9.400/min. Im Vergleich zu seinen Markenpokal-Brüdern 911 GT3 Cup hat der R nicht nur 200 Kubikzentimeter mehr Hubraum, sondern leistet mit offiziell 480 auch rund 30 PS mehr.

„Je nach Streuung ist die Leistung der Motoren verschieden, schreib 495 PS“, sagt der Olaf später mit schelmischen Lächeln. Früher hätte der Manthey-Teamchef bei solchen Themen bedächtig an den Enden seines Schnauzbartes rumgezwirbelt, doch der wurde schon anlässlich des 24-Stunden- Hattricks 2008 gestutzt. Aber wir wollen das Balance-of-Performance-Fass hier gar nicht aufmachen. Klack, klack, klack. Fünfter, vierter, dritter Gang. Los geht die Kurvenverarbeitung.

„Mit GT3 R ist Porsche ein guter Schuss gelungen“

Zackig anbremsen mit Renn-ABS von Conti Teves: einfach wie in einem Serien-GT3. Am Schalthebel im Schlagstockformat sequenziell mit elektronisch gesteuerten Zwischengassalven runterschalten: spielend, alles ohne Klitschko-Oberarme und Blasengefahr an der Schalthand. Am Kurvenscheitelpunkt lässig Herausbeschleunigen: Dank zwölffach verstellbarer Traktionskontrolle ebenfalls problemlos.

Da, wo andere Rennwagen früher so zickig waren wie Naomi Campbell bei einer Passkontrolle, harmonieren heute Anbremsen, Gangwechsel und Beschleunigen fast so entspannt wie in einem Straßen-Elfer mit Doppelkupplungsgetriebe. Nur dass im Rennwagen beim Runterschalten zur Materialschonung die Kupplung getreten werden muss. „Mit dem 911 GT3 R ist Porsche ein guter Schuss gelungen. Sowohl Amateure als auch Profis sind mit dem Wagen froh“, hatte der Olaf erzählt.

Zwölfstufige Traktionskontrolle im Manthey-Porsche

So kann auf der einen Seite Marc Lieb eine Rekordzeit von 8.07 Minuten hinbrennen, aber andererseits ein routinierter Privatier wie Arno Klasen ebenfalls binnen 8.22 Minuten im Haribo-Porsche 911 GT3 R über die Kombination aus Nordschleife und GP-Kurzanbindung toben. Bestes Beispiel für den gut fahrbaren Allround- Boliden ist die Traktionskontrolle mit einem Verstellfenster von Stufe eins bis zwölf. In der ersten Runde leuchtet im Motec-Display die Ziffer 12: Die Ich-will-ja-nichts-kaputtmachen- Einstellung mit den höchsten Regelimpulsen. In diesem Modus stellen sich zwei Fragen.

A: Ob man dieses Fahrzeug beim Rausbeschleunigen aus engen Ecken überhaupt noch stümperhaft in einen Dreher zwingen kann? und B: Bin ich farbenblind? Antwort: keines von beidem. Selbst bei Digitalveranlagung des Gasfußes zuckt der Renn-Elfer bei voll aktivierter TC nicht mit dem spurstabilen Heck, sondern nimmt unbekümmert Leistung weg, bis den Radsensoren der Lenkwinkel zum Durchladen wieder passt. Während die Traktionskontrolle in den meisten Serienautos ihre Hab-Acht-Stellung gelb flackernd vermeldet, blitzen im 911 GT3 R blaue Leuchtdioden über dem Display bei regelnder Elektronik auf. Die Profis fahren bei Nässe zwischen Stufe 6 und 7 und bei trockenen Fahrbahnverhältnissen zwischen 3 bis 4. Dann ist richtig Musik drin, und der Haribo tanzt mit laszivem Leistungsübersteuern ums Eck.

Porsche 911 GT3 R ist ein Männerauto

In engen Kehren (Mercedes-Arena, Dunlop- Kehre) lenkt der Manthey-Porsche 911 GT3 R mit der Nummer 88 erst messerscharf ein, tendiert dann aber leicht zum Untersteuern. Klar, das Ding soll ja auch auf dem Ring richtig gehen. Dafür baute die Manthey-Truppe wieder einige Teile aus Weissach aus. Das serienmäßige Sachs-Fahrwerk wurde gegen ein spezielles KW-Fahrwerk mit 15 Prozent weicheren Federraten und 30 mm längerem Ausfederweg getauscht. Auch der Schwerpunkt des Manthey-R liegt um 20 mm höher als bei den in der GT3-EM oder dem GT Masters eingesetzten R-Sportskameraden.

Der Grund fürs erfolgreiche Vornewegfahren seien neben der reinen Abstimmung aber vor allem die guten Fahrer, erklärt der Olaf später sein Erfolgsrezept. Hinterherfahren sollte man mit dem Haribo-R besser nicht. Schon gar nicht dicht im Windschatten über Nordschleifenkuppen. Einige Piloten klagten dabei etwas nervös über Unterluft und die in der Luft stehende Vorderachse am Schwedenkreuz. Klingt abseits von E-Zwischengas, ABS und regelbarer Traktionskontrolle richtig nach Männerauto.

Jahrelange Ringerfahrung vs Windkanal

Und außerdem, Jungs, unterhaltet euch doch einfach mal mit David Piper über seinen 917-Ersteinsatz beim 1.000-Kilometer- Rennen auf dem Ring 1969. Wer nur auf der kuppenfreien GP-Strecke seine Runden drehen darf, kann entspannt Sprüche klopfen. Auch der Teamchef sieht das Unterluft-Phänomen jetzt wieder gelassen.

Der ausgebuffte Ringfuchs fand schnell eine Lösung. Der Gurney am Heckflügel des Manthey-Porsche 911 GT3 R wurde von zehn auf sechs Millimeter beschnitten, und an der Front kommt ein 20 Millimeter längerer Splitter sowie ein zusätzlicher Gurney in der Mitte unter der Frontschürze zum Einsatz. „Das hat schon beim 996 geholfen.“ Was sind Aerotests im Windkanal schon gegen jahrelange Ringerfahrung.

Jede Sekunde wird im Haribo-Porsche ausgekostet

Apropos Erfahrung. Kurzer Blick bei Volllast auf der Zielgeraden gen Armbanduhr. Zehn vor Eins – noch zehn Minuten Haribo-Porsche. Da sind noch vier bis fünf GP-Runden drin – ja nichts verschenken. Rechts, links, rechts. Der R pflügt durch den Verkehr aus zumeist straßenbereiften Pistenclubteilnehmern so hemmungslos wie ein Streifenwagen mit Blaulicht durch einen stehenden Rushhour-Stau auf dem Kölner Ring.

Das Gefühl der Manthey-Hauptdarsteller aus der GT3-Klasse SP9 dürfte ähnlich sein, wenn sie zwischen langsameren Fahrzeugen aus kleineren Renn-Klassen durchwedeln wie Skirennläufer zwischen Slalomstangen. Geht noch eine Runde? Erneuter Blick zur Armbanduhr, besser nicht. Einfahrt Boxengasse. Kein Wort, kein Lächeln wegen der schadlosen Nummer 88, sondern eine ernste Manthey-Miene erwartet den Gastfahrer zum Empfang. War ich doch zu lange draußen? Und plötzlich ist sie wieder da, die sympathisch-bodenständige Art, die den Olaf so beliebt macht: „Was war los, du hättest doch noch zwei Minuten gehabt?“

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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