Tuning-Minis

Giftzwerge im Tarnanzug

Von der Trägheit des Originals mit 163 PS ist weder im 200 PS starken Cooper S von Digi-Tec noch im Kelleners Cooper S mit 208 PS etwas zu spüren.

Die beiden Cooper S von Digi-Tec und Kelleners sind von einer besonderen Art: Giftzwerge im Tarnanzug. Kein vergitterter Kühlergrill, keine zusätzlichen Spoiler, Schweller, Hutzen und keine peinlichen Aufschriften am Heck. Auch im Interieur bleibt – leider – alles beim Alten. Hinter dem verstellbaren Lederlenkrad dominiert das Gehäuse des Drehzahlmessers, der silbrige Kunststoff der Instrumententafel erinnert an die geflexten Blechtresen dunkler 80er-Jahre-Discotheken. Mittendrin der große, eng skalierte Tacho als Urmutter aller übrigen im Innenraum verteilten Kreisformen. Selbst unter der Haube ist ihnen nichts anzusehen, weder dem roten Cooper S von Digi-Tec, noch dem grauen von Kelleners.

Nur das lautere Fauchen und Röhren aus den neuen Auspuffanlagen kündet von der Mehrleistung. Beide Tuner ändern die Übersetzung des Laders, indem sie ein neues Riemenrad auf die Antriebswelle des Eaton-Aggregats schrumpfen. Dessen höhere Drehzahlen steigern den maximalen Ladedruck beim Digi-Tec Cooper S und beim Cooper S von Kelleners auf jeweils 0,92 bar. Im Verbund mit einer modifizierten Motorelektronik erhöht das die Motorleistung gegenüber der 163 PS starken Serie (maximal 0,8 bar) um 37 respektive 45 PS.

Endlich Power in allen Drehzahlbereichen

Vorteil: Während der Cooper S obenraus schon ab Werk eine recht ordentliche Vorstellung lieferte, blieb sein Arbeitswille im unteren und mittleren Drehzahlbereich hinter den Erwartungen zurück. Eine leichte Anfahrschwäche und ein eher zäher Durchzug plagten den immerhin rund 1.200 Kilogramm schweren, und damit zweifellos zu schweren Serien-Mini. Unter 4.000 Touren läuft beim englisch-bayerischen Original nichts.

Anders die beiden getunten Exemplare, die das gebremste Temperament des Serienaggregats vergessen lassen. Sie errreichen ihr höchstes Drehmoment (Digi-Tec 248 Nm, Kelleners 255 Nm) nicht nur früher – bei 3.500, beziehungsweise 3.900/min -, sie streben ihm auch vehementer entgegen. So kommt es, dass sie den Serien-Cooper S in Sachen Elastizität schlichtweg deklassieren.

Leistungsplus vor allem bei hohen Geschwindigkeiten

Ohne etwas von der spontanen Gasannahme und Drehfreude der Serie eingebüßt zu haben, fühlen sie sich dank ihrer homogenen Leistungsentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich kräftiger an. Dabei verbucht der Digi-Tec Mini nicht nur den Werten, sondern auch dem Empfinden nach einen Vorteil. Er reagiert etwas spritziger und fühlt sich noch einen Tick bulliger an als der Kelleners-Motor.

Der spielt sein Leistungsplus bei hohen Geschwindigkeiten aus. Beim Beschleunigen liegt er zwar noch bis Tempo 180 hinten, verkürzt jedoch schon ab 160 km/h den Rückstand, um sich bis Tempo 200 sogar um rund eine Sekunde absetzen zu können.

Die gewachsenen Kräfte machen sich allerdings auch an der Zapfsäule bemerkbar. Zwischen einem und gut zwei Liter mehr vom Teuersten werden von den bearbeiteten Maschinen verdaut. Das geht angesichts der deutlichen Mehrleistung voll in Ordnung. Auch der Maximalverbrauch von beinahe 16 Liter beim Digi-Tec und fast 17 Liter beim Kelleners kann allenfalls auf den ersten Blick erschrecken. Schließlich ist er genauer betrachtet nicht mehr als ein Tribut an den höheren Ladedruck, und ein gar nicht mal unverhältnismäßiger dazu. Denn immerhin vernichtete auch das Serienauto 14,7 Liter Super Plus im gestreckten Galopp. Zudem lassen sich beide Cooper S auch mit weniger als zehn Litern mit einem durchaus hohen Unterhaltungswert bewegen.

Zackigkeit junger Hasen

Und der Unterhaltungswert steigt und steigt mit jedem Abzweig, jeder Biegung, Kurve, Windung. Die direkte Lenkung zwingt die kleinen Autos mit der Zackigkeit junger Hasen durch alle erdenklichen Krümmungen des Straßenverlaufs. Und: Die beiden sind nicht nur richtig schnell im Geschlängel, sie lassen es auch spüren. Ungefiltert findet die Dynamik ihren Weg ins Herz des Fahrers.

Fahrwerkstechnisch fällt der Unterschied deutlicher aus. Das Gewindefahrwerk im Digi-Tec verbessert die Straßenlage bei vertretbaren Komforteinbußen. Der nur mittels kürzerer, härterer Federn tiefer gelegte Kelleners-Mini schlägt auf Bodenwellen schnell mal durch und liegt insgesamt unruhiger. Das von Digi-Tec präparierte Auto ist deshalb die insgesamt harmonischere Alternative. Dazu sei jedoch angemerkt, dass auch Kelleners in Kürze ein Komplettfahrwerk für den Mini anbieten wird.

Und noch eine Anmerkung an beide Adressen: Die Serienbremse hat ein bisschen Zuwendung bitter nötig. Sie liefert warm nur noch eine sehr schwache Vorstellung, die nicht zu dem sonst so hoch angesiedelten Fahrspaß passt.

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