Vier Mal Mini

Unter Brüdern

Foto: Achim Hartmann

Vier Mal Mini mit Benzinmotor, vier Temperamente. Mit 90, 115, 163 und sogar 200 PS aus dem Tuning-Kit Works ist die Bandbreite des Erfolgsautos riesig – auch die des Grundpreises: Die Spanne reicht von 14.600 Euro bis 24.900 Euro.

Works, wie sich das schon anhört! Kaum einer kann mit dem kleinen Emblem vorne und hinten an der silbergrauen Rakete etwas anfangen. Mini Cooper, damit konnten früher selbst die Sechsjährigen umgehen, aber Works? Sogar auf dem doppelrohrigen Auspuff steht es klein drauf, und hier wird es sogar zum Zeitwort und das Ganze ein knapper Satz: John Cooper Works. Der alte Cooper, der britische Rennwagen-Konstrukteur, Rennstall-Besitzer und Tuning-Papst, lebt schon lange nicht mehr. Aber Sohn Mike arbeitet am neuen Mini, macht Works. Man kann diesen getunten 200- PS-Mini beim BMW-Händler bestellen, hat Garantie und wird schrecklich geplündert. 25.000 Euro kostet der stärkste Mini aller Zeiten, mit einem komplett neuen Zylinderkopf, einer anderen Übersetzung des mechanischen Eaton-Laders. Sport-Luftfilter und Sport-Auspuffanlage mit den kecken, verchromten Endrohren vervollständigen den Weg zur Bodenrakete. Den Nimmersatten sind die 163 PS des Cooper S ja nicht genug, und auf eine bestimmte Weise haben sie sogar Recht damit. Wer das brachiale Tier im S gesucht hat, der sieht sich ein wenig enttäuscht. Auch wenn der Cooper S ein sehr gut motorisiertes Auto ist, auch wenn er in nur 7,7 Sekunden auf Tempo 100 stürmt – der große Aha-Effekt bleibt doch aus. Auch das Geräusch spielt da eine Rolle. Es ist unspektakulär, ein tiefes Brummen, über das sich bei voller Last ein sanftes Zahnrad-Singen breitet. Works legt hier noch eine ganze Okta-ve zu. Auch hier ist der Ton aus dem Antriebsstrang präsent, ein helles Sägen, das an eine Winde erinnert. Gar nicht so unpassend, der Vergleich. Zusammen mit der guten Traktion fühlt man sich wie von einer Winde gezogen, einer sehr kräftigen. Bei vol­lem Beschleunigen will der Works sogar bei Geradeausfahrt etwas auf Kurs gehalten werden, so ungestüm wirkt das hohe Drehmoment von 240 Newtonmetern auf die Antriebsräder.

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Null auf 100 in nur 6,9 Sekunden, da ist man schon in besten Sportwagen-Kreisen, null auf 160 km/h in gut 16 Sekunden. Das schaffte vor 40 Jahren ein Ferrari 330 GT mit zwölf Zylindern, 300 PS und vier Liter Hubraum. Works wirkt. Vor allem im oberen Geschwindigkeitsbereich zieht der werksgetunte Mini dem Cooper S davon, aber noch mehr enteilt er ihm im Preis. 5000 Euro liegen zwischen Works und S, mehr Thrill und ein deutlich schlechterer Federungskomfort. Ist es das wirklich wert? Eine solche Frage stellt sich immer wieder einmal. Und wieder verhilft die Relativität der Dinge zu neuen Resultaten. Wer den Mini Works bei der ­Arbeit erlebt hat, sieht im Cooper S plötzlich die Vernunftlösung, die er angesichts einer Leistung von 163 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 220 km/h gar nicht ist. Das Lenk-Vergnügen, das karthafte Angehen von Kurven, das blitzartige Einlenken und fast rechtwinklige Abbiegenkönnen – all dies ist verfeinertes Erbgut aus Ur-Mini-Tagen und lässt sich schon mit dem braven One erleben. So bleibt dem Works nur der Überraschungs-Effekt: kleines Auto, hohe Leis­tung. Es ist wie in alten Cooper S-Tagen, als man mit dem Zwerg die Besatzung eines Opel Kapitän oder 220er Mercedes erstaunen konnte. Heute hat man die schnellen Diesel vor und hinter sich und weit mehr Verkehr. Auch wenn man den Works ganz brav in der Kolonne bewegen kann, der Cooper S emotionalisiert weniger, lässt seinen Fahrer cooler. Das unaufgeregte Motor-Naturell hat sein Gutes in An­betracht der Umstände, in denen sich auch ein Cooper S meist zu bewegen hat. Eigentlich ist er der wahre Cooper und der Works der Cooper S. Doch was ist dann der Cooper? Mit seinen 115 PS könnte er die Mini-Basis sein. Er hat zu­sammen mit dem Mini One den besten Federungskomfort in diesem Quartett, und auch wenn der vierventilige 1,6-Liter-Vierzylinder, der von Chrysler und BMW gemeinsam konstruiert wurde, ein wenig langweilig läuft und tönt, ist er doch ein schnelles Auto. Nur 9,1 Sekunden vergehen von null auf 100 km/h, der alte Mini Cooper mit seinem 55-PS-Tausender-Vierzylinder anno 1963 brauchte dafür rund doppelt so lange. Heute macht der aktuelle Cooper im rasanten Tempo-Umfeld leistungsmäßig nicht viel her. Der Motor, im Gegensatz zu den beiden darüber liegenden Raketen ohne mechanische Aufladung, ist zwar sehr kultiviert, aber gerade auch deshalb so unspektakulär, dass die erwartete Adrenalinausschüttung völlig ausbleibt.

Man könnte sich dieses Triebwerk auch in einem Klein-Transporter oder in jeder braven Limousine vorstellen. Das wilde Wörtchen Cooper steht trotzdem hinten drauf, und so ganz verfehlt ist diese Verheißung nicht. Denn Fahrfreude und Tempo entstehen nicht nur durch den Antrieb, sondern auch durch Fahrwerks-Qualitäten. Schon im ersten Testbericht bescheinigt auto motor und sport dem Cooper ein Handling, das nur von Leichtbau-Sportwagen wie dem Lotus Elise zu schlagen sei. Her mit den Kurven also. Was der Cooper hier kann, ist kaum weniger eindrucksvoll als bei seinen schnelleren Brüdern. Und es bleibt sogar etwas auf der Habenseite, was auf längeren Etappen von großem Wert wird: der weit bessere Federungskomfort. Das Umsteigen vom Cooper in die Mini-Basis, den One, ist ein kleiner Schritt. Der Drehzahlmesser fehlt, ebenso der Stabilisator hinten. Und es fehlen 25 PS. 90 PS sind noch etwas langweiliger, die Fahrleistungen (null auf 100 km/h in 11,6 s) sind gar nicht so schlecht, der Komfort ist passabel. Ein reizvolles Auto mit einem reizlosen Motor, befand auto motor und sport schon vor zwei Jahren. Die Konkurrenz in den eigenen Reihen verstärkt diese Aussage. Aber sie schafft auch neue Relationen. Der billigste Mini liegt nun rund 10 000 Euro unter dem teuersten. Das ist der Reiz des Reizlosen.

Technische Daten
Mini One Mini Cooper Mini Cooper S
Grundpreis 15.250 € 17.200 € 19.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3635 x 1688 x 1416 mm 3635 x 1688 x 1408 mm 3655 x 1688 x 1416 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 670 l 150 bis 670 l 150 bis 670 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 120 kW / 163 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 181 km/h 200 km/h 218 km/h
Verbrauch 6,8 l/100 km 6,9 l/100 km 8,5 l/100 km
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