Volvo S40

Echt und recht

Foto: Beate Jeske

Der neue Mittelklasse-Volvo ist ein typischer Vertreter der schwedischen Marke: solide, gut ausgestattet und mit den Fünfzylindern sehr temperamentvoll. Marktstart ist Ende Januar 2004. Im Fahrbericht der Volvo S40 T5.

Sorgenkinder stehen anders da. Von den vielen Töchtern des derzeit etwas angeschlagenen amerikanischen Ford-Konzerns macht Volvo gerade eine sehr gute Figur: Der Mittelklässler S60 ist voll etabliert, der Geländegänger XC90 verkauft sich glänzend, und der neue S40 – das sei schon an dieser Stelle verraten – lässt seinen Vorgänger alt aussehen. Der alte Typ entstammte noch der Liaison mit Mitsubishi und wurde gemeinsam mit dem Carisma im niederländischen Born gefertigt. Mit ihm hat der aktuelle S40, der im belgischen Gent entsteht, nichts gemeinsam. Er baut auf einer neuen Plattform des Konzerns auf, die auch für die nächste Focus- Generation reserviert ist. Sich der Ford-Gene zu schämen, dafür liefert der kompakte Schwede überhaupt keinen Grund. Man sieht sie ihm ohnehin nicht an, denn formal gehört er unverwechselbar zur Volvo-Familie. Das verraten beispielsweise der bullige Bug mit gepfeilter Motorhaube, die coupéförmige Dachlinie und die breiten Schultern über den Hinterrädern. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der S40 – ganz gegen den derzeitigen Trend – kürzer geworden, und zwar um immerhin 48 Millimeter. In Breite und Höhe dagegen hat er um einen ähnlichen Betrag zugelegt. Sein Radstand wuchs sogar um fast acht Zentimeter. Der Zugewinn macht sich in einem ansprechenden Raumgefühl und dem günstigen Platzangebot im Fond bemerkbar. Dort sitzen auch Erwachsene bequem: Sie können ihre Füße unter den Vordersitzen parken und haben trotz des abfallenden Daches genügend Kopffreiheit. Der mittlere Platz aber hat Notsitz- Charakter.

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Vorne findet man dank dem horizontal und vertikal verstellbaren Volant rasch eine entspannte Position auf den bequemen, befriedigenden Seitenhalt bietenden Sitzen. Große, übersichtliche Instrumente und praxisgerecht angeordnete Bedienungselemente forcieren den Entschluss, mit dem S40 Freundschaft zu schließen. Stilistischer Clou im Innenraum: die breite, nur etwa zwei Zentimeter tiefe, hypermodern gestylte Mittelkonsole, die – von der Seite betrachtet – im Raum zu schweben scheint. Hinter ihr ist Platz für ein Ablagefach. Sie beherbergt außer dem Display praktische Drehschalter und ein kompaktes Tastenfeld für die Steuerung von Klimaanlage, Audiosystem, Navigationsgerät und Telefon. Ihre Oberfläche ist wahlweise auch in Holz oder Aluminium lieferbar, was dem solide und gediegen wirkenden Cockpit eine noble Note verleiht. Der Eindruck guter Verarbeitung festigt sich beim Blick auf entlegene Stellen wie unter die leicht umklappbaren Rücksitze oder in den vollverkleideten und glattflächigen, 404 Liter fassenden Kofferraum. Dass der kleine S in der Struktursteifigkeit deutlich zugelegt haben soll (plus 68 Prozent), glaubt man gerne: So bleiben Klapper- und Knistergeräusche auf schlechten Straßen fast völlig aus, und außerdem zeugt das präzise Fahrverhalten von einer soliden Basis. Der Volvo zeigt bei schneller Kurvenfahrt nur dezentes Untersteuern und lässt sich auch durch plötzliche Lastwechsel nicht aus der Ruhe bringen. Stoisch bleibt er auf Kurs und fährt mit einer gewissen Behäbigkeit durch Wechselkurven. Sie resultiert auch aus dem gewichtigen Fünfzylinder im Bug. Gut mit dem Charakter des S40 harmoniert die Abstimmung der Federung. Obwohl straff ausgelegt, schluckt sie kleine Unebenheiten recht gut und meistert lange Wellen mit erstaunlicher Bravour. Ganz so souverän arbeitet die elektrohydraulisch unterstützte Lenkung nicht. Sie ist leichtgängig, lässt aber in Präzision und Rückmeldung Wünsche offen.

Zudem zeigen Antriebseinflüsse, dass sie mit dem kraftvollen Antritt des 220 PS starken, 2,5 Liter großen Fünfzylinder- Turbomotors, mit dem erste Probefahrten absolviert wurden, leicht überfordert ist. Denn Kraft hat das Top- Triebwerk reichlich: 320 Newtonmeter zwischen 1500 und 4800/min sorgen für üppiges Temperament und Sportwagen- Fahrleistungen. Der Motor ist ausreichend leise und mit einem Sechsganggetriebe kombiniert, auf Wunsch gibt es eine Fünfgang- Automatik. Wenn der S40 Ende Januar 2004 auf den deutschen Markt kommt, startet er mit zwei weiteren Fünfzylindern (2,4 Liter, 140 und 170 PS). Der Zweiliter- Turbodiesel vom PSA-Konzern (136 PS), ein 1,8-Liter-Benziner (120 PS) sowie der Allradantrieb mit Haldex-Kupplung im T5 folgen noch im Frühjahr 2004. Im Herbst ergänzen zwei 1,6-Liter-Motoren mit 100 und 110 PS (Diesel) das Programm. Nicht nur in Anbetracht der großzügigen Serienausstattung, zu der unter anderem acht Airbags (die vorderen mehrstufig), Klimaanlage, Radio mit CDPlayer, Bremsassistent und ESP gehören, ist der S40 (ab rund 20 500 Euro für das Basismodell) ein attraktives Angebot. Auch seine ausgewogenen Eigenschaften sowie die solide Machart dürfen als Garanten dafür gelten, dass der S40 Karriere machen wird.

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