Volvo V50

V-Ausschnitt

Foto: Foto: Volvo 6 Bilder

Der neue Volvo-Kombi teilt sich Plattform, die Achsen und die Antriebskomponenten mit dem Ford Focus II, der im Spätherbst 2004 auf den Markt kommt. Erster Fahrbericht.

Kompakte Volvo waren bislang kaum als Modelle der Schweden-Marke zu erkennen. Das war auch beim Kombi V40 nicht anders. Der konnte von hinten betrachtet sogar mit einem Suzuki Baleno verwechselt werden. Dennoch ließen sich in gut sieben Produktionsjahren rund 100 000 V40 in Deutschland verkaufen. An diesen Erfolg soll der V50 genannte Nachfolger anknüpfen. Volvo will auf dem deutschen Markt 19 000 Einheiten jährlich absetzen, weltweit sollen es 74 000 Stück werden.

Das Design des V50 wird dem nicht im Wege stehen, denn wer den Mittelklasse-Kombi V70 oder den allradgetriebenen XC 90 gesehen hat, erkennt im kompakten V50 sofort den Volvo. Hier wie dort finden sich die stark ausgestellten Karosserie- Schultern und die wie ein auf dem Kopf stehendes Komma geformten Rückleuchten. Die Ähnlichkeit der Bugpartien ist gar so groß, dass der kleine und der große Kombi nur von Kennern zu unterscheiden sind.

Entstammte der V40 nach einer Zusammenarbeit mit Mitsubishi, stecken im V50 Kombi Ford-Komponenten. Genauer Plattform, Achsen und Antriebskomponenten des Ford Focus II (Markteinführung im Spätherbst 2004), und weil Ford bei der Diesel-Entwicklung mit Peugeot gemeinsame Sache macht, ist sogar französische Motorentechnik im schwedischen Kombi zu finden. Neben drei bei Volvo entwickelten Fünfzylinder-Benzinern (von 2,4 bis 2,5 Liter und 140 bis 220 PS) bietet Volvo den V50 zur Markteinführung am 17. April auch mit einem 136-PSDiesel und Peugeot-Genen an.

Dieser Zweiliter-Turbodiesel passt zum V50 wie Preiselbeeren zum Elchragout – er überzeugt mit Laufkultur und gutem Durchzugsvermögen. Ein Turboloch ist nicht zu spüren, allenfalls eine Delle. Noch ist kein Rußpartikelfilter zu haben, der folgt erst im Sommer 2004, kommt dann aber serienmäßig. Kunden, die zwar einen Diesel, aber weniger Hubraum und Leistung wollen (1,6 Liter, 110 PS), müssen sich bis zum Jahreswechsel gedulden. Intern wird der V50 als Sportkombi bezeichnet, nicht ganz ohne Grund, wie der erste Fahreindruck offenbart. Kein anderer Volvo-Kombi lässt sich ähnlich agil und handlich bewegen, der Fortschritt zum Vorgänger ist riesengroß.

Erfreulicherweise wurde die Fahrdynamik jedoch nicht mit übertriebener Härte erkauft. Straff gefedert, aber nicht unkomfortabel rollt der Kombi über schlechte Fahrbahnen. Sportfahrer stören sich allerdings an der elektrohydraulischen Lenkung, die Rückmeldung von der Straße vermissen lässt. Das Gros der Kunden wird sich daran aber nicht stören und sich dafür an der angenehmen Leichtgängigkeit erfreuen. Das Thema Sicherheit ist im Volvo-Lastenheft so sicher zu finden wie Holzhütten im schwedischen Hinterland. Selbstverständlich trägt der V50 dieser Tradition Rechnung. 

Provozierte Lastwechsel beeindrucken ihn kaum, und zu schnell angegangene Kurven werden gutmütig, leicht untersteuernd genommen. Eine elektronische Fahrstabilitätsregelung (DSTC) ist ebenso serienmäßig an Bord wie eine Airbag-Phalanx, die bewährten Systeme gegen Schleudertrauma und eine Extraportion Seitenschutz. Daneben bietet der V50 eine Neuheit, die aus der Flugzeugtechnik abgeleitet wurde: Das intelligente Informationssystem (IDIS) sorgt dafür, dass der Fahrer weniger abgelenkt wird. Wenn die Verkehrssituation volle Konzentration erfordert, wie beim Überholen oder beim Bremsen, werden Telefonanrufe, SMS-Meldungen und sekundäre Bordcomputer-Infos unterdrückt, bis sich die Situation wieder normalisiert hat. Gegen diese Neuerung ist der Kofferraum mit einem Volumen von 417 bis 1307 Liter fast enttäuschend normal. Das geht mit der nur durchschnittlich weit öffnenden Heckklappe los und hört beim Notrad im Heck nicht auf. Abdeckungen wirken volvountypisch billig gemacht, und eine in das Kofferraumrollo integrierte Ablage ist aus dem Fahrgastraum nicht zugänglich.

Dennoch hat es Volvo keineswegs verlernt, Kombis zu bauen. Eine sehr einfach umzulegende Fondsitzbank, gute Kofferraumbreite dank schmaler Fahrwerksdome, eine völlig ebene Ladefläche und die nach vorn klappbare Beifahrer-Sitzlehne versöhnen weitgehend mit kleinen Unzulänglichkeiten. Der V50 hat also durchaus das Zeug, die Volvo-Fangemeinde zu vergrößern – nicht zuletzt, weil er aussieht wie ein V70, aber 20 Prozent günstiger ist. 

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