VW Beetle RSi

Foto: Achim Hartmann

Endlich hat Herbie wirklich das Zeug, ganz groß aufzugeigen: In der Hitze seines 224 PS starken 3,2-Liter-V6 lässt der VW Beetle RSI das Stereotyp vom netten, kleinen Knutschmobil verglühen. Diese Kugel brennt.

Bitte! Nicht! Nicht immer die ollen Kamellen vom seligen Käfer. Nicht angesichts dieses testosteronstrotzenden RSI-Überhammers. Jaja, der New Beetle ist nichts anderes als ein vollkommen unpraktischer Golf. Ein Nichts von Kofferraum, im Fond kloppen sich bereits groß gewachsene Zwölfjährige den Schädel an die Heckscheibe, und im Gegenzug hat das Armaturenbrett nahezu lächerlich ausufernde Dimensionen.

Aber um all das geht es doch gar nicht. Im Standard-Beetle dreht sich nämlich alles um die Blumenvase. Wirklich. Die ist richtig nett. Und ein sozusagen emotionaler Seismograf für den mentalen Zustand des Beetnics. Des Fahrers. Fröhliche Gänseblümchen, gestresste Kugelschreiber, verknallte Trockenröschen, dicke Sieger-Zigarren – jede Lebensphase wird dokumentiert. Nur wirklich trübe Tassen lassen die Vase leer.

Und nun hat der RSI, der Power-Beetle, gar keine Blumenvase. Was allerdings auch wieder als ein ganz starkes Statement durchgehen kann. Pro Querbeschleunigung. Pro Dragstrip. Wer will die Ideallinie denn schon über eine Gerbera hinweg anpeilen? Oder beim fiebrigen Ampelduell durch ein Pusteblümchen ausgebremst werden?

Nun darf zwar bezweifelt werden, dass ein 224 PS aushustender 3,2-Liter- V6 sonnige Naturen über das liebe, kleine Väschen hinwegtrösten kann, nicht ganz so Zartbesaitete sehen im Beetle RSI aber den einzig wahren Neo-Käfer. Erst durch die wie mit dem Zirkel in die Asphalt-Horizontale hineingezogenen Radhäuser und die 235 Millimeter breiten Achtzehnzöller wirkt die karikaturhafte Drei-Bogen-Silhouette nicht mehr allzu kariessüss; der Flügel steht stramm am Heck wie ein feister Tusch am furiosen Finale einer Karl-Moik-Polka. Und das Monster ist außerdem prima zum Taschen-Ablegen, während man in den Hosentaschen nach dem Autoschlüssel kramt.

Volle Alltags-Punktzahl also für den RSI? Na ja. Die Walzen der Waschanlage manuell über den Spoiler steuern zu müssen, kann auf Dauer trist werden. Und der Ein- und Ausstieg über die hohen Kanten der rot belederten Recaros ist schon etwas mühsam. Schlecht gezielt, und der Steiß nimmt schmerzhaft Vollkontakt mit der Kohlefaser-Krempe auf. Komfortabel sind die Sitze trotz mangelnder Lehnenverstellung aber allemal. Die Sitzposition ist rennmäßig tief, für die Augen der Außenwelt wird der bekannte „Zwerg im Beetle-Effekt“ dadurch nur noch verstärkt. Einmal in die Schalen eingelassen, sind Fahrer und Beifahrer dann aber „Ready for G-Force“ – in schnellen Ecken stimmen die Mädels den Achterbahn-Juchzer an, die Jungs kontern mit  gutturalem Karussell-Röhrer. So ist das unbeschwerte Leben im Grenzbereich. Nichts als lauter Freude.

Dass alles so bleibt, dafür sorgen im Beetle RSI das straffe Fahrwerk (ja, ein klein wenig komfortabel ist es auch, aber die Gänseblümchen würden mit zunehmender Trockenheit von selbst schon ziemlich früh den Sie-liebt-mich-nicht-Countdown einzählen), der stoisch in jeder Lage anschiebende Haldex-Allradantrieb, abschaltbares ESP und eine direkte Lenkung.

Lenkung, Lenkrad – Themenwechsel: Die Idee des brutal motorisierten Teddybärs hat man zuletzt im Renault Clio V6 erlebt und ist jetzt noch untröstlich über das ziemlich lieblose Interieur des ansonsten wirklich unterhaltsamen Franzosen. Volkswagen macht es – irgendwo müssen die 135.930 Mark ja bleiben – besser. Schon das Lenkrad – womit man wieder beim Thema wäre – schindet mit den Aluminium-Speichen samt eingezogenen Inbus-Schrauben richtig Eindruck. Aber das ist nur der Anfang: Vom Alcantara-Dachhimmel über die grosszügig verteilten Kohlefaser-Verkleidungen und die schweren Metall-Sonnenblenden bis hin zu den soliden Aluminium-Fensterkurbeln wirkt das Beetle-Interieur fantastisch gut gemacht. Stilvoll, nicht zu karg, sauber verarbeitet. 

Letzteres gilt für das gesamte Auto, die Spaltmaß-Fürsorge des Herrn Piëch schlägt glücklicherweise bis zum auf nur 250 Stück limitierten RSI durch. Keine Kleinserien-Schlampereien. Und die Bedienung passt. Lustig ist das hoch oben in der Käfer-Kuppel untergebrachte Autoradio. Beim Griff zum Lautstärkeregler setzt man unwillkürlich das konzentrierte Gesicht eines Jumbo-Piloten auf.

Der ultrakurze Schalthebel – extrem kurze Schaltwege, aber unglaublich hakelige Sechsgang-Schaltbox – führt geradewegs zum Herzstück des Brenn-Beetle, dem 3,2-Liter-V6. Böse Menschen haben bekanntermaßen keine Lieder, der böse Käfer singt aber. Beim Druck auf den zwischen den Sitzen platzierten Startknopf röchelt der V6 los, sägt, wummert und fräst sich dann je nach Drehzahl unwiderstehlich in Gehör und Herz der Insassen.

Brüllen tut er also, das Jagen überlässt der neue V6 aber anderen: Er ist ein wuchtig antretender Drehmoment-Motor, stemmt viel lieber im großen Gang, als im Kleinen zu reißen – und macht so als relaxter GT-Hammer durchaus Sinn. Energisch – in 6,7 Sekunden geht der RSI von null auf 100 km/h – katapultiert sich der mächtig loslegende Sechszylinder durch die sechs Übersetzungsstufen, jeweils kurz vor dem roten Bereich zählen bunte Leuchtdioden den Schaltpunkt ein, und dann strömt die Kugel mit langen Sprüngen, maximal 225 km/h schnell, dahin.

Wobei sich das Fahrwerk beileibe nicht gegen, sagen wir, aktive Fahrweise sträubt: Der Grenzbereich des allradgetriebenen VW liegt ziemlich hoch, in zu schnell genommenen Kurven baut der Beetle den Überschuss dann durch sanftes Übersteuern, im Extremfall durch rigorosen ESP-Eingriff ab. Das Fahrsicherheitssystem lässt sich allerdings abschalten, und dann wird durch die Macht der 320- Newtonmeter-Maschine unterhaltsames Powersteering möglich. Die Muskeln unter dem Hemd des Herrn RSI werden richtig spürbar, der Kerl tanzt besonders auf nasser Fahrbahn wie auf Steroiden. Kein Platz für Blümchen.

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Technische Daten
VW New Beetle RSI
Grundpreis 69.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4100 x 1810 x 1475 mm
KofferraumvolumenVDA 136 l
Hubraum / Motor 3189 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 224 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 12,0 l/100 km
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