VW Eos

Der Sommer kann kommen

Foto: Achim Hartmann 23 Bilder

Glattflächig, elegant und gut verarbeitet startet der VW Eos ins Frühjahr. Ohne Überrollbügel und erstmals mit einem Schiebe-Klappdach. Er soll die Sommer-Sehnsüchte der ehemaligen VW-Cabriofahrer stillen.

Der PR-Auftritt im Sonnenblumenfeld auf der letzten IAA hat automobilen Sonnenanbetern den Mund wässrig gemacht auf den Eos. Aber erst ab Mitte Mai werden erste Exemplare des Viersitzers durch echte Blumenwiesen rollen.

Er soll die Sommer-Sehnsüchte der ehemaligen VW-Cabriofahrer stillen. Nach dem Ableben des Golf-Cabrios 2002 verharrte VW eher in der Beobachter- als Vorreiterrolle, zauderte mit offenen Versionen. Doch das Warten hat sich gelohnt: Das Design wirkt schlüssig, der Eos sieht offen wie geschlossen harmonisch aus. Es sollte kein offener Golf werden, auch wenn er sich vieler seiner Komponenten bedient. Mit seinem Stufenheck erscheint er eher als offener, zweitüriger Jetta, wobei Front und Heck stärker an den Passat erinnern. Die stattliche Erscheinung soll auch den Anspruch des Eos begründen, über den Kompakt-Cabrios von Opel, Peugeot und Renault zu stehen.

Werden diese als Konkurrenten ins Spiel gebracht, reagiert VW allergisch. Die Kunden dürften da weniger Berührungsängste haben und den Eos gegen den Opel Astra Twin Top (siehe Test Seite 20) abwägen, wobei unweigerlich der Preis ins Spiel kommt: Bei 23 650 Euro startet der Opel, bei 25 950 Euro der VW. Ohnehin sind diese Tarife nur die halbe Wahrheit, denn die reichlich anderthalb Tonnen des Eos wollen in Schwung gebracht werden. Wer der Agilität nur einige Bedeutung einräumt, sollte mindestens bei der 150-PS-Version (ab 27 950 Euro) einsteigen – die 1.6-Variante dürfte eher ein Cruiser sein. Anders die Drehmomentbullen Zweiliter-Turbo FSI mit 200 PS und TDI mit 140 PS.

Sie bewegen den Zweitürer mit einer Mühelosigkeit, die viel zum beruhigenden Charakter des Eos beiträgt. Den Gipfel des Genusses jedoch werden Kunden besteigen, die sich für den 3,2-Liter-V6 mit 250 PS, Direktschaltgetriebe DSG und tiefem Sechszylinder-Bass entscheiden. Auch TDI und Turbo lassen sich mit DSG kombinieren. Glücklicherweise wollte VW keinen offenen GTI verwirklichen, im Gegenteil: Der Eos bietet Sämigkeit statt Schärfe, lädt eher zum Flanieren als zum Kurvenräubern ein. Schließlich fahren Cabrio-Gourmets nicht gegen die Uhr, sondern der Sonne entgegen.

Wer dennoch das Fahrwerk nachwürzen möchte, bestellt aus der reichhaltigen Aufpreisliste das Sportfahrwerk mit 15 Millimeter kürzeren und härteren Federn oder gleich das Menü aus Tieferlegung und großen Rädern.

Gerade mit 18-Zoll-Bereifung steht der Eos so satt auf der Straße, wie es die Werbefotos versprechen. Ohne Aufpreis wird dagegen der Initiator des Offen-Fahrspaßes geliefert – das Blech- Klappdach. Es befördert das Cabrio von einem saisonalen in ein ganzjähriges Beschäftigungsverhältnis und arbeitet so flink, dass man sogar kürzeste Regenpausen nutzen kann. Ohnehin sind die VW-Ingenieure bis in die tiefsten Tiefen des Allwetter-Gedankens vorgedrungen.

Es scheint, als wäre nach einem Brainstorming jede erdenkliche Idee umgesetzt worden: Schiebedach, akustisch gedämmte Hydraulik- Pumpe, Antennen im Heckdeckel sowie eine Einparkhilfe, die den Platz hinter dem Eos auf Hindernisse scannt, bevor das Dach zum Heckschwenk ansetzt (380 Euro). Nicht zu vergessen die verrückteste aller Ideen, das serienmäßige, elektrische Glasschiebedach.

Im Sinne des Grundgedankens ist es eher nutzlos – offenes Schiebedach bedeutet im Falle des Eos: viel Lärm, wenig Luft. Sein Reiz liegt vielmehr im zusätzlichen Licht, das selbst bei Regenwetter als Stimmungsaufheller ins Auto fällt. Wer mehr Luft möchte, öffnet statt dem Glas- besser das Blechdach und bewundert das Schauspiel, das auf einen Zug am Hebel im Mitteltunnel folgt: Da werden Elemente gehoben, gezogen und geschoben.

Elegant und ohne Verrenkungen. 25 Sekunden lang inszeniert sich der Eos selbst, bevor er dann dem Fahrer die Bühne überlässt.

Die Dach-Kinematik ist so komplex, dass man sich als Kunde darüber besser keine allzu tiefschürfenden Gedanken machen sollte. Gemeinsam mit zwölf Sensoren überwacht das Dach- Steuergerät 250 Parameter – dem Fahrer reicht eins: das Wetter.

Es teilt sich den Insassen im Eos sehr deutlich mit. Und da ist es wieder, das bei Cabrios oft vermisste Gefühl, direkt in der Landschaft statt hinter Glas zu sitzen. Geöffnet vermittelt der Eos Tempo fast so authentisch wie ein Youngtimer-Cabrio. Erinnerung an wehende Schals, wegfliegende Kappen und wild zerzauste Haare – mit seiner relativ steil stehenden Frontscheibe lässt er sie Realität werden.

Natürlich kann ein Windschott dem Treiben Einhalt gebieten. Doch der echte Cabrio-Freund spart sich die Investition von 290 Euro, schließt stattdessen über Tempo 100 maximal die Seitenscheiben. Auch das auf Knopfdruck ausfahrbare Windschild am Frontscheibenrahmen (Serie) bleibt in Ruheposition; es steigert die Windgeräusche, beruhigt die Verwirbelungen aber nur mäßig.

Schon das Basismodell verfügt über 16-Zoll-Aluräder, Klimaanlage, ESP und vier Airbags. Wer sich darüber hinaus etwas gönnen möchte, wählt das Komfortpaket (3030 Euro) oder das Ambientepaket mit Echtholz- Dekor (430 Euro), das den Eos noch eleganter erscheinen lässt. Alle, die nicht bereits vorbestellt, sondern erst jetzt Lust auf die Düfte der Frühjahrsblüte im eigenen Eos bekommen haben, müssen sich leider noch gedulden – je nach Ausstattung und Motorisierung bis September. Das reicht gerade noch, um durch die Sonnenblumen- Felder zu flanieren.

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Technische Daten
VW Eos 1.6 FSI
Grundpreis 26.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4407 x 1791 x 1443 mm
KofferraumvolumenVDA 380 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
Verbrauch 7,6 l/100 km
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