VW Golf Benziner oder Dieselmotor

Trimm zwei

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Volkswagen trimmt den Golf auf mehr Sportlichkeit. Im GT haben Kunden jetzt die Wahl zwischen einem jeweils 170 PS starken Benziner und einem Dieselmotor. Ein Konzeptvergleich.

Stolze 170 PS: Für so viel Leistung brauchen frei saugende Serienmotoren üblicherweise 2,3 bis 2,5 Liter Hubvolumen. Der neue TSI-Motor im Golf GT schafft das mit nur 1,4 Liter. Damit setzt VW die Idee des Downsizing, mit der Motorenentwickler Hubraum und Verbrauch minimieren wollen, derzeit am konsequentesten um. Grundidee des Downsizing ist, Prozessverluste des Motors zu vermindern.

Vier statt sechs Zylinder verursachen weniger Reibung, auch die ständig zu beschleunigende Drehmasse ist geringer. Mit kleinerem Hubraum gehen aber vor allem geringere Ladungswechselverluste einher. Entscheidend ist dabei, dass mit Verschiebung des Betriebs im Kennfeld hin zu höherer Last auch häufiger Bereiche mit niedrigerem spezifischen Verbrauch angesteuert werden können. Ohne Leistungskompensation ließe sich Downsizing freilich kaum als Fortschritt verkaufen. Deshalb bietet sich an, die Frischluft- und damit die Gemischmenge im Brennraum via Turbolader zu steigern. Doch der leidet bekanntlich am Turboloch. Geschickte Auslegung moderner Steuerkonzepte kann es zwar einigermaßen wirksam stopfen, doch variable Lader für Benziner stecken derzeit noch in den Anfängen. Also entschied sich VW zur Harmonisierung des Drehmomentanstiegs für eine spektakuläre und nicht ganz billige Twincharger-Lösung mit Turbolader plus Kompressor (siehe Kasten Seite 66).

Von deren Zusammenspiel merkt der Fahrer praktisch nichts, und das ist die gute Nachricht. Denn es soll ja – ausgehend von einem soliden Sockel – für harmonische Drehmoment- Entfaltung sorgen. Erst die Boost-Anzeige ruft in Erinnerung, dass hier ein sportlicher Ladermotor arbeitet, wenn der TSI auf den schnellen Gasfuß mitunter um Sekundenbruchteile verzögert reagiert. Dabei klingt der 1,4-Liter erstaunlich unangestrengt. Zurückhaltend gefahren lässt sich der Verbrauch sogar auf sechs Liter/100 km eindämmen. Das ist natürlich nicht nur Ergebnis des Downsizing-Konzepts, vielmehr trägt auch die Benzin-Direkteinspritzung ihren Teil dazu bei. Zwar wird bei VW derzeit nicht der verbrauchsoptimale Magerbetrieb ausgereizt, aber auch der DI-Homogenbetrieb schafft mit der systembedingt stärkeren Innenkühlung die Möglichkeit einer vergleichsweise hohen Verdichtung (10:1). Bislang wurde sie bei Turbos oft reduziert, zu Lasten des Wirkungsgrades. Mit der Dieselversion TDI stellt VW dem GT-Benziner den stärksten Diesel-Golf aller Zeiten zur Seite.

Trotz gleicher Leistung wie der TSI ist er freilich von ganz anderem Charakter. Auch er baut auf modernste Technik: Die Brennräume des Zweiliter-Selbstzünders werden von Pumpe-Düse-Injektoren mit bis zu 2200 bar mit Kraftstoff versorgt – auch das ein Spitzenwert. Superschnelle Piezo-Aktoren ermöglichen eine praktisch ideale Formung des Einspritzverlaufs samt geräuschmindernder Voreinspritzung. Ein Partikelfilter ist für den Vierventiler genauso selbstverständlich wie Turboaufladung plus Ladeluftkühlung. Was Benziner jetzt erst anstreben, praktiziertes Downsizing, setzen moderne Diesel längst um. Mit ihrer prinzipbedingt ungedrosselten Ansaugung erleichtern sie bessere Brennraumfüllung durch Aufladung. Deshalb machte sie auch hier zuerst Karriere. Niedrigere Abgastemperaturen erlauben beim Diesel den Einsatz variabler Lader, die das Handikap des Turbolochs entschärfen. Dennoch kann der Golf GT TDI unter 2000/min eine gewisse Anfahrträgheit nicht verbergen. Ist diese Durststrecke allerdings durchmessen, belohnt der Wolfsburger Kraftprotz mit gewaltigem Schub auf einem 350-Nm-Plateau.

Subjektiv erscheint der Antritt des TDI viel druckvoller, obwohl der TSI sogar minimal bessere Beschleunigungswerte vorweisen kann. Den Drehmoment-Überschuss des Diesels haben die VW-Techniker jedoch in einer länger ausgelegten Übersetzung des Sechsgang-Getriebes zur Absenkung der Drehzahl genutzt. Das kommt dem Verbrauch zugute, geht aber in den hohen Gängen zu Lasten der Elastizität. 4,3 Sekunden länger als der TSI braucht der TDI im Sechsten von 60 bis 100 km/h. Im Testschnitt schluckte er 0,9 Liter/100 km weniger, beim Normverbrauch gar 1,3 Liter. Selbst dann müsste man 72 000 Kilometer fahren, um den Aufpreis von 2475 Euro allein über die Spritkosten zu kompensieren.

Aus Gesamtkosten- Sicht brauchen selbst Vielfahrer mit 40 000 Kilometer im Jahr knapp 140 000 Kilometer, um ins Plus zu chauffieren. Sehr beherrscht lässt sich der bullige TDI auch unter fünf Liter/100 km fahren. Doch für Fahrer mit Verbrauchs- und Kosten-Bewusstsein und sportlichen Ambitionen ist der drehfreudige, harmonischere TSI sicher die bessere Wahl.

Technische Daten
VW Golf GT 1.4 TSI VW Golf GT 2.0 TDI
Grundpreis 24.031 € 26.570 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 220 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km 5,9 l/100 km
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