VW Golf GT 1.4 TSI

Starkes Doppel

Foto: Achim Hartmann 10 Bilder

Mit Turbo und Kompressor gleich doppelt aufgeblasen, verspricht der Golf GT 1.4 TSI Genuss ohne Reue. Die erste Probefahrt mit dem 170 PS starken Flitzer zeigt, dass die Operation gelungen scheint.

Vom tollen, aber teuren 200-PSTurbo im GTI einmal abgesehen, macht die Motorenpalette im Golf wenig her. Die Diesel sind zwar stark und sparsam, doch an Laufkultur mangelt es ebenso wie am Partikelfilter. Und die technisch aufwendigen, aber zähen Benzin-Direkteinspritzer (1.6 FSI, 2.0 FSI) machen weder Spaß, noch glänzen sie durch ausgesprochene Enthaltsamkeit.

Der neue VW-Motorenchef Rudolf Krebs hat jetzt das Vergnügen, die Scharte mit einer Weltpremiere auszuwetzen: dem weltweit ersten doppelt aufgeladenen FSI-Motor. „Niedrigen Verbrauch und Fahrspaߓ, verspricht Krebs, soll der neue Golf GT 1.4 TSI gleichermaßen garantieren. Die Idee: Durch die Verkleinerung des Hubraums und damit geringere Reibungsverluste wird ein niedriger spezifischer Verbrauch und somit ein besserer Wirkungsgrad erreicht. Ein Turbolader sorgt obenrum für Power, und ein bei niedrigen Drehzahlen ansprechender Kompressor soll Turboloch und Anfahrschwäche überspielen.

Das 170 PS starke 1,4-Liter-Maschinchen fühlt sich in der Tat ungefähr so wie ein 2,3 Liter großer Saugmotor an, aber mit zehn Prozent weniger Verbrauch. Schon ab Leerlaufdrehzahl liefert der riemengetriebene Kompressor einen Ladedruck von 1,0 bar und sorgt so für viel Anfahr-Power.

Dementsprechend entspannt lässt sich der TSI bewegen: Die Kraft aus dem Keller erlaubt schaltfaules Fahren. Selbst im Sechsten bei 2.000 Touren nimmt der kleine Vierzylinder ohne Murren Gas an und zieht tapfer hoch.

Doch der Golf GT kann auch anders.

Die mit einer stolzen Literleistung von 122 PS gesegnete Maschine reagiert vom Start weg wunderbar spontan aufs Gas, dreht blitzartig hoch, stemmt aber schon bei 1.250/min kräftige 200 Newtonmeter Drehmoment. Auf einem breiten Hochplateau zwischen 1.750 und 4.500 Touren steht dank kräftiger 2,5 bar Ladedruck die maximale Durchzugskraft von 240 Newtonmetern zur Verfügung.

In diesem Bereich übergibt der Kompressor, der nur bis 2.400/min für die Erzeugung des nötigen Ladedrucks gebraucht wird, an den Turbo. Mit vollem Turbo-Druck giert der TSI nach Drehzahl, die Boost-Anzeige schnellt hoch, erst bei 7.200/min riegelt der junge Wilde ab.

Hier liegt Fahrspaß-Vorteil gegenüber der Diesel-Alternative im 140 PS starken 2.0 TDI. Der macht zwar bis 4.000/min mächtig Wind und liefert in der Spitze ein Drittel mehr Drehmoment, wirkt bei höheren Touren aber freudlos und zugeschnürt. Gegenüber dem Diesel, der vom Start weg nur müde in die Gänge kommt und kurz darauf heftig mit den Vorderhufen scharrt, durcheilt der TSI das gesamte Drehzahlband mit wunderbarem Gleichmaß.

Der GTI ist nur noch 1.500 Euro teurer als der GT.

Den ab November lieferbaren 170-PS-TSI gibt es nur in der GT-Version inklusive Sportsitzen, Sechsganggetriebe, 17-Zoll-Rädern, Sportfahrwerk und verstärkter Bremsanlage – für rund 22.500 Euro. Das bringt ihn auf Schlagdistanz zum stärkeren und dank Ausgleichswellen nochmals kultivierteren GTI. Bei vergleichbarer Ausstattung kostet dieser nur noch rund 1.500 Euro mehr.

Zum GTI-Preis lässt sich allerdings auch ein Golf von besonderem Reiz konfigurieren, der im Fahrspaß, der ökologischen Verträglichkeit und dem Schaltkomfort Maßstäbe setzt: ein GT 1.4 TSI mit dem feinen DSG-Doppelkupplungsgetriebe.

Unabhängig von der Kraftübertragung stellt VW mit dem neuen Motor eine Weiche für die Zukunft: Der Benziner ist gegenüber dem Diesel auf einmal wieder attraktiv.

Technische Daten
VW Golf 1.4 TSI GT Sport
Grundpreis 24.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km
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