VW Golf R im Fahrbericht

Die R-Lösung

VW Golf R, Frontansaicht, Driften Foto: VW 20 Bilder

Ihnen ist selbst der GTI nicht sportlich genug? Nun, wie wäre es denn mit dem VW Golf R, dem stärksten Golf, den Volkswagen bisher gebaut hat – mit 300 PS, Allradantrieb und abschaltbarem ESP.

Es ist verdammt schwer, Vorurteilen zu begegnen – vor allem für einen Golf. Bieder sei er, gar langweilig, und von Sport könne erst recht keine Rede sein. So die gängigen Diffamierungen, denen sich nicht einmal ein GTI entziehen kann. Doch wie sieht es mit dem VW Golf R und seinen 300 PS samt Allradantrieb aus?

VW Golf R der stärkste Serien-Golf bislang

Er ist der stärkste Serien-Golf aller Zeiten, und er präsentiert seine satte Leistung im Fahrbericht wortgewaltig: Vor allem im neuen Race-Modus massiert sein dank Soundsymposer tiefgründiges Grollen das Zwerchfell und täuscht fast fünfzylindriges Brodeln vor. Dass der aufgeladene Zweiliter im VW Golf R in ähnlicher Form auch im zahmer tönenden GTI arbeitet, will man da kaum glauben. Für die zusätzliche Leistung des VW Golf R sind geänderte Auslassventile, Ventilsitzringe sowie -federn und neue Kolben verantwortlich. Zudem wurden die Hochdruck-Einspritzventile sowie der Abgasturbolader überarbeitet.

In 5,1 Sekunden sollen die 300 PS den handgeschalteten VW Golf R aus dem Stand auf Tempo 100 wuchten; noch einmal zwei Zehntel schneller will es die DSG-Version können. Wir hätten das gerne überprüft; doch auf den vereisten Straßen Schwedens, wo VW den neuen Leit-Golf für eine erste Fahrt vorstellte, reichte hierfür die Traktion nicht. Der niedrige Reibwert stellt sich aber in anderer Hinsicht als echter Segen heraus: Auf dem rutschigen Untergrund eines gefrorenen Sees verliert der Allradler nämlich trotz Spikes schon bei verhältnismäßig geringem Kurventempo die Contenance und wirft sein Heck ausgelassen in alle Richtungen – da wird Null-auf-Hundert nebensächlich.

ESP im VW Golf R erstmals abschaltbar

Hing der Vorgänger noch an der Kandare des ESP – es war nicht komplett deaktivierbar -, so lässt sich die elektronische Fangleine nun erstmals in einem Serien-Golf völlig ablegen: Ein lang anhaltender Knopfdruck auf die Taste neben dem Schaltknüppel – und der VW Golf R macht, was der Fahrer will.

Die Haldex-Kupplung der fünften Generation portioniert elektrohydraulisch gesteuert das Drehmoment zwischen den beiden Achsen und schiebt einen Teil der Kraft nach hinten, sobald an der Vorderachse Schlupf droht. Maximal die Hälfte des Drehmoments gelangt auf diese Weise nach hinten – von hecklastiger Auslegung also keine Spur. Man muss etwas zaubern, damit aus dem VW Golf R eine Driftmaschine wird.

In Zeiten der elektronischen Parkbremse klappt der althergebrachte Handbremstrick allerdings längst nicht mehr. Wegen der 50:50-Kraftverteilung bringt auch überschwänglicher Leistungseinsatz alleine nicht das gewünschte Ergebnis. Doch immerhin generiert das fette Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich bei abgeschalteter Fahrdynamikkontrolle konstant-beständigen Schlupf – und das ist eine unabdingbare Drift-Voraussetzung. Und was ist mit dem klassischen Rallye-Stil? Müsste klappen.

Haldex-Kupplung des VW Golf R korrigiert fortlaufend

Wir stellen den VW Golf R also vor der Kurve an, merken, wie er beim Einlenken mit der Hinterachse drängt. Dann öffnen wir die Lenkung leicht, geben forsch Gas – und das Heck kommt herum. Allerdings pfuscht die fortwährend wechselnde Kraftverteilung des Haldex-Systems beim Quertreiben ins Werk und will den Golf wieder gerade ziehen. Man darf also nicht zu lange gegensteuern, muss stattdessen spätestens im Scheitelpunkt wieder in die Kurve einlenken. In diesem Moment transferiert das Haldex-System mehr Drehmoment nach hinten, und der Drift hält bis zum Kurvenausgang.

Wer diese Technik perfektioniert, stellt den Kompakten schon bald so wild an, dass er fast mit dem Heck voraus in eine Spitzkehre hineinrutscht. Der Blick des Fahrers wandert dann über die eigene Schulter, um den Kurvenausgang ins Visier zu nehmen. Und für Zuschauer scheint ein Dreher unvermeidlich. Doch selbst aus dieser extremen Lage kann die Vorderachse den VW Golf R wieder gerade ziehen – typisch Allradler.

VW Golf R erlaubt spektakuläre Drifts

Was der VW Golf R allerdings nicht ist: typisch Golf. Denn von spektakulären Driftwinkeln war der Wolfsburger Bestseller bislang tatsächlich weit entfernt. Biedermann? Langweiler? Davon kann beim Neuen keine Rede sein. Wohl aber vom (Winter-)Sportler. Da werden wohl einige ihre lang gehegten Vorurteile überdenken müssen.

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Technische Daten
VW Golf R R
Grundpreis 40.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4276 x 1799 x 1436 mm
KofferraumvolumenVDA 343 bis 1233 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 221 kW / 300 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km
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