VW Golf

Foto: Achim Hartmann 9 Bilder

Aktuell aus auto motor und sport Heft 20: Erste Fahreindrücke vom Golf der fünften Generation mit Zweiliter-TDI-Motor und 140 PS.

Die Reminiszenzen an die Vergangenheit sind unübersehbar, die wahre Hommage an die Zukunft lässt sich dagegen nur auf einer längeren Entdeckungsreise ausmachen.

Wer glaubt, schon auf den ersten Blick zu erkennen, dass der Golf ein Golf geblieben ist, hat sich von den Designern in die Irre führen lassen. Der von ihnen gewählte Dress verschleiert geschickt die Tatsache, dass es den Golf so, wie ihn eine ganze Generation kennen gelernt hat, nicht mehr gibt.

Es heißt Abschied nehmen von einem knapp geschnittenen, im Fahrverhalten komfortablen, aber gleichzeitig etwas gemütlichen Torkler, der beim Umrunden schneller Kurven schon einmal gerne ein Rad gehoben hat. Die schöne neue Golf-Welt lässt diese mensch-lichen Regungen nicht mehr zu.

Dabei wirkt zunächst längst nicht alles so schön wie in der guten alten Zeit. Früher hat der Golf in seiner Klasse den Maßstab für die Anmutungsqualität gesetzt und damit auch einen wichtigen Teil seines Erfolges eingefahren. Heute tut er das nicht mehr.

Denn während der Vorstand für die aufwendige Lösung der in die Heckklappe hinreinreichenden Rückleuchten Geld locker gemacht hat, wurde bei der Gestaltung der Armaturentafel eindeutig auf die Kostenbremse gedrückt. Die Materialien im Mittelbau präsentieren sich nicht mehr hochwertig ausgeschäumt, sondern aus Hartplastik mit Softlack überzogen – genauso wie jener Teil der

Tür-Innenverkleidung, der die Schalter für die elektrischen Fensterheber aufnimmt.

Damit lässt es sich natürlich auch leben – nur bei einem neuen Golf hätte man hier den Schritt genau in die andere Richtung erwartet. Richtungsweisend ist der Nachfolger dafür in puncto Funktionalität. Es bedarf keiner zwei Minuten, um mit dem Auto so vertraut zu sein wie mit dem eigenen Fernseher, weil alles blindlings bedient werden kann. Lichtschalter links vom Lenkrad, in der Mitte die großen, leicht abzulesenden Tacho und Drehzahlmesser und im neuerdings sehr ausgeprägten Mittelbau Radio, Klimaanlage und Navigationssystem. Besser geht es nicht.

Ungewohnt für Golf-Fahrer ist dagegen die Sitzposition. Da der für die Sitzhöhe entscheidende H-Punkt um wenige Millimeter abgesenkt wurde und die Frontscheibe zudem etwas flacher steht als bislang, hat man das Gefühl, tiefer zu sitzen und von einer höheren Gürtellinie umgeben zu sein. Golfsburg passt als neue Nomenklatur also in doppelter Hinsicht besser als Wolfsburg.

Bequem ging es immer schon zu im Golf, doch jetzt ist es in den neu entwickelten, in ihren Grundzügen vom Polo stammenden Sitzen noch eine Spur kommoder geworden. Die Beine werden von sehr ausgeprägten Wangen gestützt, und der Seitenhalt für den Rücken ist hervorragend – nur Muskelprotze könnten Probleme bekommen, hier ihre Körpermasse unterzubringen.

Wie sehr der gefürchtete Gegner Peugeot 307 bei der Package-Neuauslegung Pate gestanden hat, zeigt nicht nur der Zuwachs in der Länge, sondern vor allem in der Höhe (plus 3,9 Zentimeter). Golf V ist von der kathedralenartigen Form des Beetle zwar noch ein Stück entfernt, aber selbst Männer mit Hüten brauchen sich hier um ihren vermeintlichen Kopfschmuck keine Sorgen mehr zu machen.

Mehr recken und strecken als bislang können sich auch

die Rücksitzpassagiere, die zu zweit sehr gut nebeneinandersitzen können und es – ein freundschaftliches Verhältnis vorausgesetzt – durchaus auch zu dritt eine Zeitlang nebeneinander aushalten können.

Für ihr Gepäck steht ein Kofferraum-Volumen von 350 Litern zur Verfügung, durch Umlegen der Rücksitzlehne wächst das Maß auf 1305 Liter. Einziger Schönheitsfehler: Da die Bank nicht vorklappbar ist, entsteht beim Umlegen eine kleine Stufe, was das Verstauen sperriger Güter erschwert.

Wenn der Golf in puncto Anmutungsqualität nicht mehr im altbekannten Sinne den Maßstab setzt – hinsichtlich der neu gewonnenen Agilität dürfte er zweifellos ganz vorne mitmischen. Das vom neuen Audi A3 und dem VW Touran im Prinzip weitgehend bekannte, hier aber noch einmal neu abgestimmte Fahrwerk mit einer Vierlenkerhinterachse verschafft dem Golf ein völlig neues Fahrgefühl. Agiles Einlenken, ein lange ganz neutrales Kurvenverhalten sowie ein leichter, mit ESP aber gut zu kontrollierender Heckschwenk bei Lastwechseln sorgen für einen Fahrspaß, den man mit der Generation Golf bislang nicht verbunden hat.

Die Handlichkeit des mittlerweile erwachsen gewordenen Kompaktmodells stärkt überdies die elektromechanische Servolenkung, die vergleichbaren Systemen weit überlegen

ist und die im Rangierbetrieb außerordentlich leichtgängig agiert. Da sie geschwindigkeitsabhängig arbeitet, stellt sich bei höherem Tempo eine angenehme Straffheit mit präziser Rückmeldung ein. Nur beim Ein-

lenken in langsame Kurven verhärten jene Antriebseinflüsse das System, die allein Hecktrieblern fremd sind.

Zu dem handlichen Eindruck passt die gute Traktion selbst bei Nässe, der stabile Geradeauslauf und der ansprechende Federungskomfort speziell auf Autobahnen – obwohl der Golf straffer geworden ist als der Vorgänger.

Löblich auch, dass hier nicht jene übertriebene Härte ins Spiel kommt, die einen Audi A3 prägt. Kleine Fahrbahnunebenheiten werden ohne größere Probleme geschluckt, auf langen Bodenwellen wippt der Golf bisweilen ganz leicht nach.

Dass die Diesel-Motoren gut zum Charakter des Autos passen, weiß in Deutschland jedes Kind. Neu ist jedoch die verbesserte Laufkultur der Selbstzünder, bei letzten Erprobungsfahrten in Spanien in Form des 140-PS-Zweiliters. Bei höherem Tempo stören mehr Wind- als Motorgeräusche. Das Triebwerk schiebt kraftvoll an und bietet zwischen 2000 und 4000/

min ein sehr gutes Durchzugsvermögen. Ein gut gestuftes Sechsganggetriebe sorgt für die Kraftübertragung auf die Vorderräder, auf Wunsch gibt es hier später auch das neue Doppelkupplungsgetriebe DSG.

22 625 Euro kostet das Ver-gnügen mit dem Golf 2.0 TDI – stolze Preise also als weitere Reminiszenz an die Vergangenheit.

Zur Startseite
Technische Daten
VW Golf 2.0 TDI Comfortline
Grundpreis 23.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h
Verbrauch 5,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
Mittelklasse Aliexpress China Tuning am BMW 5er e39 2019 BMW 5er (e39) Tuning Made in China Was taugen Billig-Teile aus Fernost? Erlkönig Skoda Superb Skoda Superb Facelift (2019) Erstes Modell mit Hybrid-Antrieb
SUV Cupra Terramar Cupra Terramar (2020) SUV-Coupé mit 300 PS 02/2019 Bentley Bentayga Speed Bentley Bentayga Speed Der schnellste SUV der Welt
promobil
VW Grand California 600 VW Grand California 600 im Test Der Grand California mit Bad Günstig gegen Teuer Markisen, Hubstützen, Sat-Anlagen & Co. Campingzubehör: Günstig gegen Teuer
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken
Gebrauchtwagen Angebote