VW ID. Buggy Prototyp Ingo Barenschee
VW ID. Buggy Prototyp
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VW ID. Buggy Prototyp 25 Bilder

VW ID. Buggy

Unterwegs im lässigsten VW

VW stellt sein coolstes Auto vor und es ist sich noch nicht ganz sicher, ob das auch in Serie gehen soll. Wir sind es gefahren.

Der kalifornische Surfer Bruce F. Meyers erfand in den 1960er-Jahren den VW Buggy – und auch heute betont der inzwischen über 90-jährige noch gerne, wofür sein Strandfahrzeug steht: Freiheit und Bezahlbarkeit. VW hat jetzt selbst einen neuen Buggy gebaut – auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB), der auch unter dem kompakten ID. 3 steckt. Kompaktwagen, Bus (als ID. Buzz) und jetzt ein Buggy: Anscheinend möchte VW die vielseitige Einsetzbarkeit seiner Plattform auch für frische Ideen nutzen. Ob der Buggy in Serie geht, ist noch nicht entschieden. Bisher gibt es nur einen Prototyp – und den sind wir am kalifornischen 17-Mile Drive gefahren.

VW ID. Buggy Prototyp
Ingo Barenschee
Kurze Überhänge und ein im Vergleich zum VW ID. 3 um 125 Millimeter verkürzter Radstand: Die Proportionen des knuffigen ID. Buggy passen.

Der Buggy sollte so schlicht wie möglich gezeichnet sein, betont Dzemal Sjenar immer wieder. Er ist bei VW für Studien und Konzepte zuständig und hat jede Menge Herzblut in das Buggy-Projekt gesteckt – er möchte, dass der kleine Strandflitzer unbedingt in Serie geht. Neben dem alten Meyers Buggy sieht der neue groß aus, aber die Verwandtschaft ist unverkennbar. Runde Frontlichter, eine leicht geschwungene und optisch leicht wirkende Karosserie, kein Dach und ein kurzes Heck kennzeichnen beide Fahrzeuge. Der neue ist immer offen, das geplante Notverdeck ist noch nicht fertig entwickelt. Das ist auch nicht schlimm: Der Innenraum verträgt Wasser und das Nass kann durch Ritzen und Löcher ablaufen.

Sitze aus dem VW XL 1

Die Sitze des neuen Buggy kommen aus dem XL 1 – VWs 111.000 Euro teurem Spritspar-Wunder. Von dem Einliter-Auto entstanden nur 200 Exemplare. Dessen Sitze passen super zum Buggy und seien auch gar nicht so teuer, freut sich Sjenar. Für den Buggy hat er sie ein bisschen komfortabler polstern lassen und am Übergang von der Sitzfläche zur Rücklehne sorgt wiederum ein Spalt dafür, dass Wasser ablaufen kann.

VW ID. Buggy Prototyp
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Am viereckigen Lenkrad sitzen kurze Satelliten zum Einstellen der Fahrstufen (rechts) und zum Blinken. Anstelle von riesigen Bildschirmen gibt es nur ein winziges Display, das die wichtigsten Daten wie die aktuell gefahrene Geschwindigkeit und die Aktivierung des Blinkers anzeigt.

In den türlosen Buggy gleiten die Insassen entspannt über die stabilen rundlichen Seiten-Schwellen. Die Rundumsicht ist von der recht hohen Sitzposition in dem luftigen Fahrzeug gut. Die Bedienung ist so einfach wie möglich gehalten. Es gibt kein Armaturenbrett, sondern nur ein Lenkrad mit einer kleinen Anzeige – allein die Abwesenheit von monströsen Flachbildschirmen mit ihren unzähligen bunten Informationen sorgt im Buggy schon für Entschleunigung. Das Einlegen der Fahrstufen vorwärts, Leerlauf und rückwärts erfolgt per Drehknopf über den kurzen rechten Lenkrad-Satelliten, der linke Drehknopf ist zum Aktivieren der Blinker da. Für Rechtsblinken eine viertel Drehung nach vorn, für Linksblinken geht es eine viertel Drehung nach hinten. Daran gewöhnt man sich zwar schnell, dies ist aber trotzdem nichts, was eine Chance auf eine Serienverwirklichung hätte.

Keine klassische Audioanlage

Auf dem Lenkrad gibt es noch eine Laut-Leise-Taste, obwohl der Buggy keine Audioanlage hat. Allerdings sitzt eine Bluetooth-Box zwischen den Sitzen, die gerne Audiosignale von den Smartphones der Insassen empfängt. Die Lautstärke dieser Box lässt sich am Multifunktionslenkrad verstellen. Eine weitere Besonderheit ist die schlanke niedrige Mittelkonsole. Diese beherbergt auf ihrer kompletten Länge ein Staufach, dessen Klappe mit einem wasserdichten Doppel-Reißverschluss verschlossen ist.

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Auf dem Kofferraumdeckel befinden sich zwei Sicherheitsgurte, mit denen sich Zusatzgepäck verzurren lässt. Im Stand hält der Deckel das Gewicht von zwei Personen aus - während der Fahrt sind nur zwei Insassen erlaubt.

Im Heck des ID. Buggy sitzt ein Kofferraum. Wer dort einfach seinen nassen Surfanzug reinwerfen möchte, kann dies ohne Bedenken machen: Auch der Kofferraum ist wasserunempfindlich und hat Abflüsse. Auf seinem Deckel kreuzen sich zwei Sicherheitsgurte, unter denen sich weitere Gegenstände, wie beispielsweise Skatebords, befestigen lassen. Ursprünglich sollte der ID. Buggy sogar ein Viersitzer sein – diese Idee verschwand aber im Laufe der Entwicklungsarbeit. Trotzdem wollte Dzemal Sjenar, dass zumindest im Stand auch vier Personen im Buggy sein können. Also ist der Kofferraumdeckel so ausgelegt, dass er es aushält, wenn zwei Personen auf ihm sitzen oder stehen.

Steifstes Cabrio der Welt

Beim Tritt auf das mit einem Dreieck für „Play“ gekennzeichneten Fahrpedal setzt sich der ID. Buggy lautlos in Bewegung. Und lautlos ist keine Selbstverständlichkeit, schließlich rollt hier ein Prototyp über den Asphalt. Es knarzt und knackt nichts – VW hat den Bau des Spaßwagens extrem ernst genommen. Und Verwindungen sind beinahe ausgeschlossen: Der doppelte Unterboden mit der Batterie macht den Buggy extrem steif. Sjenar meint, dies sei zwangsläufig das steifste Cabrio der Welt.

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Übersichtliche Pedalerie: Fahrpedal mit dreieckigem Play-Symbol, Bremspedal als Pausetaste.

Die Lenkung des Buggy ist direkt, leichtgängig und präzise, was den Charakter des Strandläufers bestens unterstreicht. Das Fahrwerk haben die Ingenieure eher straff ausgelegt, was ebenfalls passt – eine schwankende Komfortschüssel dürfte im Sand wenig Freude machen. Der Prototyp steht auf 18-Zoll-Rädern, die grobstolligen Geländereifen vom Typ BFGoodrich Baja Champion sind hinten größer als vorn. Bei Fotofahrten kam der heckgetriebene Buggy mit dieser Bereifung prima durch den Sand. Kurvenwanken kennt er nicht, trotz der hohen Sitzposition möchte der Fahrer den Kleinen am liebsten kartmäßig um die Ecken hauen, so gut macht er die Biege. Der aufgrund des im Unterboden sitzenden Akkupacks besonders tiefe Schwerpunkt hilft dabei nicht unerheblich.

Als Motor kommt im Buggy ein an der Hinterachse platziertes 150-kW-Elektroaggregat (204 PS) zum Einsatz. Falls es zu einer Serienproduktion kommen sollte, wäre auch ein Allradantrieb denkbar – dann säße in der Nähe der Vorderachse ein zusätzlicher 125-kW-Motor (170 PS). Die Achsen sind übrigens 125 Millimeter näher beieinander als beim ID. 3 – den Proportionen zuliebe.

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Der begeisterte kalifornische Surfer Bruce F. Meyers erfand in den 1960er-Jahren den VW Buggy. Auch heute betont er noch die zwei Grundtugenden des Strandfahrzeugs: Freiheit vermitteln und günstig in Anschaffung und Unterhalt sein.

Elektropower für den längsten Strand der Welt

In unserem Prototyp ist die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt – so wollen es die VW internen Vorschriften. Aber die großen Hinterreifen lassen immerhin 35 km/h zu, bergab sind auch schon mal 37 km/h drin. Klar ist das nicht viel, aber darum geht es auch nicht: Der Buggy schiebt sich lautlos über die Straße, Sonne und Wind füllen den Innenraum und der elektrische Antrieb sorgt für einen enormen Antritt, in der Serie soll der Spurt auf 100 km/h in 7,2 Sekunden erledigt sein, als Höchstgeschwindigkeit stehen 159 km/h in Aussicht. Der Fahrer entspannt augenblicklich und ist glücklich eins mit der Natur. Tritte aufs Fahrpedal setzt der Buggy spontan aber nicht hektisch um.

Der ID. Buggy sorgt dort, wo er aufkreuzt, für viel Aufmerksamkeit und gute Stimmung. Die Leute lächeln und winken und hier in Kalifornien empfinden viele den rein elektrischen Antrieb bereits als vollkommen normal. Die Batterie hat eine Kapazität von 62 Kilowattstunden, was in Sachen Reichweite laut Volkswagen für den längsten Strand der Welt reichen soll: 250 Kilometer. Ob es irgendwo auf dieser Welt einen so langen Strand gibt, müsste man wohl noch herausfinden. Den ID. Buggy gibt es – jetzt fehlt nur noch die Serienproduktion. Auf dem Genfer Autosalon stellte VW dafür e.Go aus Aachen als möglichen Partner vor, entschieden und unterschrieben ist allerdings noch nichts.

Fahrbericht VW ID. Buggy im Video (2019)
6:53 Min.

Fazit

Der VW ID. Buggy ist VWs coolstes und frischestes Auto. Die luftige Fahrt entspannt die Insassen genauso wie der geräuschlose Elektroantrieb und die Abwesenheit von zu vielen Bedienelementen und Anzeigen. Die Leute am Straßenrand sind von dem kleinen Strandrenner vorbehaltlos begeistert. Reichweite und Platzverhältnisse sind alltagstauglich und gerade dort, wo sich Wasser und Sand berühren, könnte der neue Buggy zu einer echten Fahrspaß- und Abhäng-Muschel mit Kultcharakter werden – wie sein kleines großes Vorbild, der Meyers Manx Buggy. Die Frage nach der Serienproduktion beantworten wir ganz klar: VW muss den ID. Buggy bauen – auch wenn diese Kleinserie bei Kooperationspartner E-Go vom Band rollen sollte ...

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