VW Jetta 1.2 TSI im Fahrbericht

Vom Golf-Bruder emanzipiert

03/11 aumospo05/2011 VW Jetta Foto: Karl-Heinz Augustin 21 Bilder

Rucksack-Golf? Das war einmal. Die sechste Generation des VW Jetta hat  sich auf Mittelklasse-Niveau gestreckt – und beseitigt alte Vorurteile.

Im Fahrbericht die 102 PS starke 1.2 TSI-Variante. Ein wenig leid konnten einem die Modell-Verantwortlichen des VW Jetta bisher schon tun. Seit Jahren preisen sie ein gutes Auto an, in dem sich hierzulande allerdings nur die Klientel Ü60 wohlzufühlen scheint; die Jüngeren nehmen lieber einen Golf. Die Vergreisungs-Vermutung soll Generation sechs nicht mehr treffen, denn der neue VW Jetta kommt jugendlich wie keiner zuvor auf den Markt.

VW Jetta mimt den kleinen Passat

Ein ähnlich eigenständiges, markantes und doch zeitloses Design gab es in der Baureihe noch nie. Der Jetta nimmt die scharfkantigen Blech-Bügelfalten des großen Bruders Passat auf, wirkt stämmig, aber nicht pummelig und emanzipiert sich so weit vom Golf, dass ihn VW zu Recht in einer eigenen Klasse sieht – als Alternative zu Ford Mondeo und Opel Insignia sowie in Schlagweite zu Audi A4 und BMW 3er.

Bei den Dimensionen entfernt sich der VW Jetta vom Golf und nähert sich dem Passat. In der Länge (plus neun Zentimeter) und im Radstand (plus 7,3) ist der Stufenheck-Viertürer gegenüber seinem Vorgänger deutlich gewachsen und erfüllt nun alle Anforderungen, die Kunden an einen Vertreter der Mittelklasse stellen. Der Passat ist nur wenig mehr als eine Handbreit länger, was die Frage aufwirft, ob das den kräftigen Aufpreis rechtfertigt.

Sportliche Fahrwerksabstimmung gegen Altherren-Image

Beim ersten Fahren zeigt sich, dass in Sachen Federungskomfort ein Klassenunterschied besteht. Vor allem mit den schicken, aber aufpreispflichtigen 17-Zöllern rollt der Jetta straff ab und mildert Fahrbahn-Unebenheiten nur, statt sie niederzumachen. VW entschied sich für eine sportliche Abstimmung, um das Altherren-Image endgültig loszuwerden. Ein adaptives Fahrwerk wie im Golf und Passat gibt es jedoch nicht. Das Fahrgefühl im VW Jetta selbst erinnert stark an jenes im Golf. Weil der Jetta ähnlich zackig einlenkt und sein Heck bei Lastwechsel willig eindreht, merkt man nicht, dass deutlich mehr Auto um die Kurve bewegt werden will. Auch das leicht geänderte Cockpit samt zum Fahrer hingewendeter Mittelkonsole – eine von BMW übernommene Idee, welche die Dynamik-Bemühungen von VW unterstreichen soll – reicht nicht aus, um eine eigene Erlebniswelt zu kreieren.

Auf den Rücksitzen des VW Jetta manifestiert sich im Fahrbericht der Mittelklasse-Charakter dagegen. Hier fühlen sich Erwachsene erstmals nicht nur geduldet, sondern willkommen; die Kniefreiheit ist langstreckentauglich, der Kofferraum mit einem Volumen von 510 Litern ebenso. Für Sperriges dient sich der VW Jetta dank geteilt umklappbarer Rücksitzlehnen genauso an. Sie sind bereits in der Basisversion Trendline serienmäßig, genauso wie sechs Airbags, Klimaanlage und elektrische Fensterheber rundum.

Basismotor mit ausreichend Kraft

Günstigste Motorisierung ist der aufgeladene 1,2-Liter-Benziner mit 105 PS, der sich bei der ersten Ausfahrt ausreichend kräftig und sehr kultiviert zeigt. Damit kostet der VW Jetta ab 20.900 Euro, als gleich starker Diesel ist er 2.175 Euro teurer. Beide Varianten sind auch mit Blue-Motion-Technologie erhältlich (plus 400 Euro); dann verfügen sie über ein Start-Stopp-System und rollwiderstandsoptimierte Reifen. Außerdem gewinnen sie einen Teil der Brems-energie zurück und speichern diese in der Batterie (Rekuperation). Diese gebündelten Maßnahmen sollen zu einem Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter auf 100 Kilometer führen, was schon sehr effizient wäre.

Für VW-Konzerndesignchef Walter de Silva übrigens ist der Neue eine Art Lieblingskind: „Dieses Auto ist nicht spektakulär, aber es ist sehr wichtig für uns – und extrem gut gelungen.“

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Technische Daten
VW Jetta 1.2 TSI Trendline
Grundpreis 21.725 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4644 x 1778 x 1482 mm
KofferraumvolumenVDA 510 l
Hubraum / Motor 1197 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Verbrauch 5,7 l/100 km
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