VW Passat W8

Der 275 PS starke und knapp 80.000 Mark teure Achtzylinder ist die neue Alternative für Aufsteiger und Umsteiger.

Mit einem feinen Achtzylinder, Allradantrieb und netten Nobel-Zutaten wird die etwas behäbige Familienlimousine nun ruck, zuck zum Premium-Auto. Verkaufsstart ist am 7. September, und wenn es dann nach dem Willen von VW-Chef Ferdinand Piëchgeht, werden potentielle Oberklasse-Kunden von Mercedes und BMW scharenweise ins Wolfsburger Lager wechseln. Denn der W8 habe, so argumentieren VW-Marketingstrategen, nicht nur überlegene Technik, sondern sei ja auch um Welten preisgünstiger.

Motor mit aufwändiger Technik

Das neue Vierliter-Triebwerk, wahlweise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder fünfstufiger Tiptronic-Automatik (3.374 Mark Aufpreis) ist tatsächlich eine starke Hausnummer. Seine acht Zylinder, sortiert in extrem kompakter Doppel-V-Anordnung (ergibt die W-Form), sind garniert mit Vierventiltechnik, stufenlos verstellbaren Einlassnockenwellen und zweistufig verstellbaren Auslassnockenwellen. Zwei Ausgleichswellen eliminieren Vibrationen. Imponierend sind weniger die 275 PS, sondern eher die brachialen 370 Newtonmeter Drehmoment, die schon bei 2.750 U/min parat stehen. Ein Porsche 911 (mit 300 PS) hat nur 350 Newtonmeter. Allerdings: Bei Tempo 250 wird der Super-Volkswagen elektronisch abgeregelt. Dabei könnte er laut VW sogar gut 275 km/h laufen.

Durchzug wie ein Kraftsportler

Bis dahin hat sein Fahrer viel Freude. Das Triebwerk startet flüsterleise und samtweich, macht aber die mindestens 1.665 Kilo schwere Limousine im Nu zum Sportwagen. Leistung ist unaufgeregt immer da, wenn man sie braucht, Überholmanöver laufen nach dem Motto: kaum gedacht, schon passiert. Tempo 100 ist in 6,5 Sekunden erreicht, beim von uns gefahrenen Automatik-Modell dauert´s 7,8 Sekunden. Die vierte Automatikstufe ist jedoch etwas lang übersetzt, wer da sportlichen Einsatz will, muss kurz in den Tiptronic-Modus wechseln.

Der Sound ist eher verhalten, nur bei Vollgas gibt es mal ein sonores Fauchen aus dem gut sichtbaren vier Auspuffendrohren. Wer das ständig probiert, muss jedoch mit arg hohem Verbrauch rechnen, schon im EG-Norm-Schnitt stehen 13,1 Liter Superbenzin zu Buche, für den Stadtverkehr gibt VW gar 19,4 Liter an. Auf Nachfrage gesteht denn auch Technik-Vorstand Martin Winterkorn, das es hier noch „etwas Verbesserungspotenzial“ gäbe. Schwacher Öko-Trost: Der Motor erfüllt die D4-Abgasnorm.

In Kurven auf Nummer sicher

Der W8, der als Limousine und Variant kommt, federt komfortabel und vermittelt mit seiner satten Straßenlage das richtige Schwere-Wagen-Gefühl. Dank seines serienmäßigen permanenten Allradantriebs mit automatisch sperrendem Torsen-Mitteldifferential und des Antischleudersystems ESP gibt es mit ihm auch in rutschigen Serpentinen keine schweißnassen Hände. Bei fehlender Bodenhaftung, wird die Antriebskraft jeweils zu den Rädern mit dem optimalen Grip geleitet.

In der Praxis funktioniert das völlig unauffällig und problemlos, wie eine Testfahrt in den Schweizer Bergen zeigte. Nur in extrem schnell gefahrenen Autobahnkurven, wo sich das Auto etwas nervös anfühlt und beim Handling in engen Tempokurven bieten Sportwagen mehr. Auffällig: Auch auf argem Pflaster macht die zusätzlich versteifte Karosserie des W8 keine Geräusche, die Verarbeitungsqualität ist hervorragend. Nur der kleine rechte Außenspiegel, eine alte VW-Unsitte, ärgert den Fahrer.

Einstieg bei 79.602 Mark

Genau 79.602 Mark kostet die W8-Limousine, die Kombiversion Variant gibt es ab 81.851 Mark. Inklusive ist eine gute Ausstattung, zu der auch ein verfeinertes Armaturenbrett gehört. Serienmäßig sind 17-Zoll-Aluräder mit 225er Breitreifen und Bi-Xenonscheinwerfer, drinnen bekommt man viel Holzdekor, Leder-Stoff-Komfortsitze und eine Klimaautomatik. Aber Radio, Regensensor, Sitzheizung und Nebelscheinwerfer kosten extra. Für 469 Mark Aufpreis gibt es übrigens ein Sportfahrwerk mit zwei Zentimeter Tieferlegung.

Mal zum Vergleich: Eine Mercedes E-Klasse mit 279 PS kostet 103.909 Mark. Dagegen wirkt der W8 für Leute mit viel Geld fast wie ein Sonderangebot. VW-Chef Piëchist sich sicher: „Der Achtzylinder ist ein Schnäppchen“. Die Wolfsburger spekulieren dabei besonders auf den großen USA-Markt, wo es mit einem Passat keine Imageprobleme gibt und das Benzin immer noch viel billiger ist. In Deutschland sollen pro Jahr 3.000 Exemplare verkauft werden.

Technische Daten
VW Passat W8
Grundpreis 42.475 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4703 x 1746 x 1461 mm
KofferraumvolumenVDA 400 l
Hubraum / Motor 3999 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 202 kW / 275 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 13,1 l/100 km
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