VW Phaeton TDI

Bewegendes Moment

750 Nm Drehmoment und 313 PS aus zehn Zylindern – die stärkste Diesel-Limousine der Welt hat es faustdick unter der Haube. Der erste Fahrbericht klärt, wie Luxus und Geiz zusammen passen.

Eigentlich ist es ein Treffen zweier guter Bekannter: Der Zehnzylinder-Diesel, der aus fünf Litern Hubraum 230 kW (313 PS) entwickelt, hat bereits im Offroader Touareg gezeigt, was er kann, und der Phaeton hat sich bereits mit W12- und V6-Motorisierung in Szene gesetzt. Allerdings haben Sechs- und Zwölf-Zylinder-Antriebsagggregate nach den Worten von Volkswagen Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer, nur einen rund 10-prozentigen Anteil am weltweiten Oberklasse-Absatz. Von der vom VW-Vertrieb lange ersehnten Diesel-Variante erwartet sich Büchelhofer nun ein deutliches Ankurbeln des bislang schleppenden Phaeton-Absatzes.

Der Phaeton trägt den stärksten Pkw-Diesel der Welt

Und wer bislang auf den Diesel-Phaeton gewartet hat, wird für seine Geduld belohnt. Der gewaltige Pumpe-Düse-TDI geht mit einer solchen Vehemenz zu Werke, dass selbst der formal 100 PS stärkere W12 6,0 seine liebe Mühe hat Schritt zu halten. Bereits ab 2.000/min liegt das maximale Drehmoment von 750 Nm an, das die serienmäßige, sehr dezent arbeitende Sechsgang-Automatik an alle vier Räder verteilt. So gerüstet spurtet der immerhin 2.405 Kilogramm schwere Selbstzünder in nur 6,9 Sekunden auf Tempo 100 – der W12 ist mit 6,1 Sekunden nicht wesentlich flotter. Und auch jenseits dieser Marke lässt der Vortrieb bis zum Erreichen der elektronisch gekappten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h nicht spürbar nach.

Im Inneren herrscht Stille

Dass unter der Haube der größte und stärkste Diesel-Motor Platz genommen hat, erkennen die Insassen allenfalls am Typenschild. Motorgeräusche glänzen während der Fahrt zumeist durch Abwesenheit. Es sei denn, der Fahrer fordert dem Biturbo-TDI sein volles Leistungspotenzial ab. Dann produziert der Motor ein wohliges Grummeln, das jedoch eher an einen großvolumigen Otto-V8 erinnert.

Ohne regelmäßigen Blick auf den Tacho verleitet diese Stille den Fahrer aber auch, die eigene Geschwindigkeit zu unterschätzen. Wie schnell der Phaeton tatsächlich ist, wird erst beim Verzögern oder in einer engen Autobahn-Kurve wieder offenbar. Kräftig zupackende Bremsen und ein sehr feinfühlig regelndes ESP sorgen dafür, dass der Luxus-VW dennoch nicht im Abseits landet.

An der Tankstelle bleibt der Diesel-Phaeton sparsam

Das Tollste kommt aber erst, wenn der Phaeton V10 TDI an die Tanksäule muss. Denn hier zeigt er sich – bei aller motorischer Freigiebigkeit – mit einem Normverbrauch von 11,4 Liter pro 100 Kilometer von seiner geizigen Seite. Zum Vergleich: Für den Basis-Phaeton mit V6-Maschine nennt VW in Verbindung mit dem Getriebeautomaten einen Durchschnittsverbrauch von 12,1 Litern Super Plus – für die Zwölfkolben-Maschine sogar 15,6 Liter Super Plus. Zusammen mit dem 90-Liter-Tank ergibt das eine Reichweite von rund 790 Kilometern. Doch im Gegensatz zu den Ottomotoren und zur vier- und sechszylindrigen TDI-Verwandtschaft packt der V10 TDI allerdings nur die Schadstoffnorm Euro 3.

Die Preise sprechen für den Diesel

Bleibt die Frage, was das Sparen aus dem Vollen kostet? Volkswagen berechnet für den Luxus-Diesel mindestens 82.600 Euro – mithin 16.000 Euro weniger als für den Phaeton W12 6,0. Selbst wenn sich die Differenz eingedenk des größeren W12-Ausstattungsumfangs mit Diebstahlwarnanlage (500 Euro), Leder-Holz-Lenkrad (570 Euro), Servoschließung des Kofferraumdeckels (770 Euro), Komfortsitzen (1.500 Euro) und Xenon-Licht (400 Euro) um 3.740 Euro reduziert, ist die Diesel-Variante auch unter Kostenaspekten eine sehr attraktive Alternative zum Top-Modell.

Wenn’s mehr sein darf: reichlich Extras

Wenn es dennoch etwas mehr sein darf, findet sich in der Liste der Sonderausstattung sicher noch das eine oder andere Schmankerl. Wie wäre es mit einer automatischen Distanzregelung (2.300 Euro), einer Fondbedienung für die Klimaautomatik (460 Euro), einem selbstleuchtenden Heckkennzeichen (345 Euro), dem Kommunikationspaket einschließlich Telefon, Navigationssystem und TV-Empfang mit Videotext (5.350 Euro), Einparkhilfe (740 Euro), Glas-Schiebedach (1.300 Euro), Tiptronic-Schaltwippen an der Lenksäule (800 Euro) oder hinteren Einzelsitzen statt einer Rückbank (7.000 Euro)?

Selbstzünder-Freunde, denen der Zehnzylinder aber zu üppig ausfällt, müssen sich noch bis Ende 2004 gedulden: Dann wird es auch einen V6 TDI geben, verspricht Vorstand Büchelhofer. Ansonsten bleibt noch der V8-Benziner – der kommt schon Ende dieses Sommers auf den Markt.

Technische Daten
VW Phaeton V10 TDI 4Motion 5-Sitzer
Grundpreis 89.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5055 x 1903 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 4921 cm³ / 10-Zylinder
Leistung 230 kW / 313 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
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