VW Scirocco

Stromschnelle

Foto: Achim Hartmann 26 Bilder

34 Jahre nach dem Start der ersten Generation erlebt der VW Scirocco seine Renaissance. Der Neue ist flach, breit, aerodynamisch ausgefeilt und bei Bedarf richtig schnell, wie die erste Fahrt auf dem Nürburgring zeigt.

Der neue Scirocco kann eigentlich nicht im Trend liegen. Denn derzeit scheint sich alles um kompakte SUV zu drehen, wie die vielen Neuzugänge von VW Tiguan über Ford Kuga und Mercedes GLK bis hin zum Volvo XC 60 zeigen.

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Aber es geht auch anders. Tief geduckt, breit und dynamisch kommt das neue Sportcoupé von VW daher. Nichts für zarte Frauenhände. Richtige Männer sollen ran, so sieht es zumindest das Marketing-Konzept vor. Kein Wunder, dass die letzte Testfahrt über die Nürburgring-Nordschleife führte, mitten in die grüne Hölle.

Das Fahrwerk als Sahnestückchen

„Bis zum Karussell sollte man eigentlich nicht in den ESP-Regelbereich kommen“, schwärmt Karl-Horst Fuhrmann, Leiter der VW-Fahrwerksentwicklung, noch vor dem ersten Probegalopp. Da schwingt ein gewisser Stolz in der Stimme des VW-Technikers, für den das Fahrwerk das Sahnestückchen des neuen Volkssportlers ist. Denn obwohl die Basiskomponenten natürlich aus dem Konzern-Baukasten stammen, deutet schon die ungewöhnlich große Spurweite auf dynamische Ambitionen der Abstimmung hin.

Beste Voraussetzung also für ein hohes Kurventalent, zumal VW mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC noch eins obendrauf setzt. Drei Sensoren messen blitzartig die Aufbaubewegungen, drei weitere überwachen die Räder. Flinke Lenkraddrehungen oder ein harter Tritt gegen das Bremspedal werden augenblicklich registriert, und in Sekundenbruchteilen stemmen sich die Dämpfer gegen bevorstehende Karosserieneigungen oder Nickbewegungen.

Elektronik-Trickkiste noch nicht ausgereizt

Bei flotter Fahrt verändern sich die Dämpferraten, aber auch die elektromechanische Lenkung reagiert mit geringerer Servounterstützung und direkterer Übersetzung. Dabei haben die Ingenieure nicht mal alle Möglichkeiten der Elektronik-Trickkiste ausgereizt, denn auf eine Anpassung der Gaspedal- Befehle wurde bewusst verzichtet. „Ein zu schnelles Ansprechen auf jeden Gasstoß ist gewöhnungsbedürftig, speziell beim Anfahren an der Ampel“, betont Entwicklungschef Ulrich Hackenberg.

Das ändert freilich nichts am Vorwärtsdrang des neuen VW – zumindest wenn der vorläufige Topmotor unter der Fronthaube steckt. Der 200 PS starke Vierzylinder-TSI reagiert spontan und spritzig, die 235er Reifen an der Vorderachse wirken auch bei zügiger Fahrt nie überfordert. Dank elektronischer Traktionskontrolle reicht der Frontantrieb völlig aus. „Außerdem sparen wir dabei noch etwas Gewicht“, verrät Fuhrmann.

Live Abstimmnung 2 Mal abgestimmt
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Nur ein laues Lüftchen
Nimmt den Wolfsburgern den Wind aus den Segeln

Zum Marktstart im Spätsommer rollt der Scirocco mit drei TSI-Benzinmotoren sowie einem Zweiliter-Diesel an. Serienmäßig gibt es ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Als Alternative bekommt der Kunde gegen Mehrpreis das bekannte Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe sowie das neue Siebengang-DSG mit Trockenkupplung für den 1.4 TSI mit 160 PS. Ausgelegt für ein Drehmoment bis 250 Newtonmeter, hat es weniger Ölantriebsverluste und ist im Verbrauch immerhin drei bis vier Prozent günstiger.

Durchschnittsverbrauch von 6,5 Liter auf 100 Kilometer

Mit dieser Antriebskombination spurtet der Scirocco in acht Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht Tempo 217 - laut VW bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,5 Liter auf 100 Kilometer. DSG-Getriebe sind zwar kein Alleinstellungs-Merkmal mehr für VW, aber Chefentwickler Hackenberg ist sich sicher, dass "Volkswagen auf diesem Gebiet noch über geraume Zeit einen deutlichen Vorsprung haben wird".

Die hier gefahrene Zweiliter-Variante mit 200 PS und 280 Nm muss mit dem Sechsgang-DSG auskommen. Den Spurt auf Tempo 100 absolviert der Fronttriebler laut Werksangabe in 7,2 Sekunden, und erst bei 235 km/h sollen Fahrwiderstand und Leistung den Vortrieb beenden.

Am Ende der Döttinger Höhe auf dem Nürburgring zeigt der Tacho über 220 km/h an. Das Sport-Programm, per Knopfdruck unten auf der Mittelkonsole aktiviert, hat fahrdynamisch gute Dienste geleistet. Aber in den Kurven ist zwischen den einzelnen Abstimmungsvarianten eigentlich kein Unterschied zu spüren. Kein Wunder: Ab einer Seitenkraft von 0,4 g schaltet das Dämpferkennfeld automatisch in Richtung straff.

Karosseriebewegungen werden im Keim erstickt

Nur auf den Geraden wird die Straßenoberfläche unterschiedlich "abgetastet", wie Fuhrmann erklärt. Dabei hat man sich vor allem bemüht, die Karosseriebewegungen speziell über Bodenwellen im Keim zu ersticken und abzufangen. "Stromregler" nennen die Fahrwerksexperten dieses ausgeklügelte System.

Doch natürlich soll der Scirocco nicht nur auf der Rennstrecke überzeugen, sondern auch im Alltag. Er hat Platz für vier Personen und eine große Heckklappe, die einen Kofferraum mit 292 Liter Volumen freigibt. Werden die Lehnen der hinteren Einzelsitze umgeklappt, passen sogar bis zu 755 Liter ins Gepäckabteil.

Angesichts all dieser Vorzüge ist sich VW-Konzernchef Martin Winterkorn sicher: "Mit dem Scirocco werden wir einen Sportwagen in den Showroom stellen, wie ihn sich die Menschen erträumen." Natürlich soll er kein unerfüllbarer Traum bleiben, sondern ein Auto sein, "das sich viele - trotz seiner High-End-Technologien - auch leisten können".

Der Preis startet bei 21.750 Euro

Keine leeren Worte, denn der Preis startet bei 21.750 Euro. Schließlich war schon der erste Scirocco von 1974 - zumindest in der 50-PS-Einstiegsversion - so erschwinglich, dass er bisweilen als Sekretärinnen-Porsche belächelt wurde. Vor allem aber war die erste Generation keilförmig, eckig und vergleichsweise zierlich, während sich der Neue weit bulliger und muskulöser präsentiert.

Der Scirocco wird als Männerauto präsentiert

Der Scirocco soll als Männerauto präsentiert werden. Doch "wenn dann auch Frauen zugreifen, ist uns das natürlich sehr recht", erklärt Hackenberg und legt sich für die Scirocco-Premiere mächtig ins Zeug. Denn parallel zu den letzten Abstimmungsfahrten fanden die ersten Probeläufe für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring statt, wo Hackenberg selbst einen der drei Renn-Scirocco pilotieren wird.

Es bleibt nicht der einzige Auftritt des Entwicklungschefs in Sachen Scirocco an diesem Mai-Wochenende: Parallel zum Nürburgring-Event läuft das GTI-Treffen am Wörthersee. Dort werden der Scirocco und Hackenberg das Wochenende beginnen, am Ring steigern beide dann das Tempo. Eine Premiere ganz für die großen Jungs. Aber so will es das Marketing-Konzept ja auch.

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Technische Daten
VW Scirocco 2.0 TSI
Grundpreis 27.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4256 x 1810 x 1404 mm
KofferraumvolumenVDA 312 bis 1006 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h
Verbrauch 7,6 l/100 km
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