Nissan Qashqai & VW Tiguan

Kompakt-freudig

Foto: Achim Hartmann 39 Bilder

Mit Nissan Qashqai und VW Tiguan treten die beliebtesten Kompakt-SUV mit Zweiliter-Dieselmotoren gegeneinander an.

Geht es nur um die Verkaufszahlen, haben Nissan und VW bei Qashqai und Tiguan wohl alles richtig gemacht. Denn beide sind fest etablierte Größen unter den Top 50 und zugleich die bestverkauften SUV auf dem deutschen Markt. Dabei sind sie technisch weder besonders aufwendig noch wirklich geländetauglich. Im Gegenteil.

Beide keine echten Geländewagen

Wer auf der Nissan-Homepage nach dem Qashqai sucht, wird nicht etwa in der Kategorie 4×4 fündig, sondern bei den Pkw. Tatsächlich sind seine Geländewagen-Attribute schnell aufgezählt: Allradantrieb, zuschaltbar – das war’s. Gegen Aufpreis gibt es noch einen Unterfahrschutz für die Front (124 Euro) und das Heck (143 Euro). Immerhin darf bis zehn km/h Geschwindigkeit auf losem Untergrund mit geblockter Lamellen-Kupplung zwischen Vorder- und Hinterachse gefahren werden. Die verteilt im Normalfall die Antriebsmomente variabel zwischen beiden Achsen.

Allerdings ist auch der Tiguan kein Geländewagen. Schon gar nicht, wenn er in der Variante Sport & Style gewählt wird, deren tiefer gezogene Frontschürze den Böschungswinkel (18 Grad) gegenüber der Version Track & Field (28 Grad) ganz erheblich verschlechtert. Der Tiguan kommt von Haus aus mit einem automatisch zuschaltenden Allrad-Antrieb, bei griffiger Straße ist er jedoch als Fronttriebler unterwegs. Wer es ein bisschen rustikaler mag, bekommt für 195 Euro einen Motor-Unterfahrschutz und für 94 Euro ein Offroad-Technik-Paket.

Genauer: Päckchen, denn darin sind lediglich ein Bergabfahrassistent, ein elektronischer Kompass und eine Reifendruck-Überwachung enthalten. Kein überflüssiges Extra bei einem Auto, für das sich maximal ein Notrad ordern lässt.

VW Tiguan Allspace (2018)
Fahrbericht und Preise des SUV

Extra-Preisliste für Tiguan ist lang

Wie üblich ist die Extra-Preisliste für den VW lang. Obwohl der Tiguan in der Version 2.0 TDI schon 30.700 Euro kostet, fehlen viele Ausstattungsdetails, die beim Qashqai 2.0 dCi in der Variante All-Mode 4×4 Tekna für 30.390 Euro an Bord sind.

Ausstattungsbereinigt ist der Nissan stramme 7.000 Euro billiger als der VW. Leder, Xenonlicht, Glasdach, Park-Assistent, Sitzheizung, CD-Wechsler und Multifunktions-Lederlenkrad reißen eine Schneise in das Budget des VW-Kunden, wenn er diese im Qashqai serienmäßigen Extras will. Einig sind sich die Hersteller beim Antrieb der Testwagen. In beiden Motor-Abteilen arbeitet ein Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung, doch trotz sehr ähnlicher technischer Auslegung gibt es einige Unterschiede. Zunächst beim Verbrauch, denn der Nissan ist etwas sparsamer. Im Testmittel konsumiert er 0,2 Liter/100 km weniger als der schon knausrige VW, und die Minimalverbräuche unter sechs Liter/100 km sind für SUV geradezu vorbildlich. Beim Durchzug verhält es sich eher umgekehrt, denn der Nissan wirkt etwas antrittsschwach und im Vergleich rauer. Tatsächlich ist der kräftige VW-TDI in diesem Test das kultiviertere Triebwerk, leiser läuft er obendrein.

Qashqai klingt hörbar nach Diesel

Wo der Qashqai hörbar nach Diesel klingt, ist der VW so gut gedämmt, dass man ihn über weite Drehzahlbereiche kaum wahrnimmt. Auch die lauteren Windgeräusche und das Prasseln von Steinen in den Radhäusern tragen dazu bei, dass der Qashqai akustisch stärker in Erscheinung tritt. Das Geld für die üppige Ausstattung wurde offenbar zum Teil bei der Dämmung eingespart – ein echter Nachteil auf langen Strecken. Den kann der Qashqai beim Thema Federungskomfort nicht ausgleichen.

In Kurven schwankt der Qashqai stärker, ohne dass die weichere Abstimmung auf Querfugen einen Vorteil bringen würde, denn hier wird kräftig gestuckert. Beim Thema Bremsen punktet er dafür mit kurzen Anhaltewegen und überzeugender Standfestigkeit.

Outlander 2.2 vs. Qashqai +2 2.0
Wettstreit der kompakten Diesel-SUV

Der straff abgestimmte VW durcheilt Wechselkurven neutral, bleibt dabei vergleichsweise aufrecht und egalisiert üble Straßenoberflächen so souverän wie eine komfortable Limousine. Auch beladen zeigt er größere Reserven, lediglich das Ansprechen auf Frostschäden und Kanaldeckel offenbart eine leichte Steifbeinigkeit. Seine Bremsanlage verzögert nicht ganz so vehement wie die des Nissan, Fading ist aber auch hier kein Thema. Hohe Lenk- und Kupplungskräfte – fast wie bei einem echten Offroader – kennzeichnen den Qashqai. Damit verschlechtert die an sich präzise Lenkung die Handlichkeit. Ist der Qashqai als reiner Fronttriebler unterwegs, kann auch das Handling nicht voll überzeugen. Dazu ist die Tendenz zum Untersteuern in Kurven zu groß. Mit aktiviertem Allrad-Antrieb wird das Fahrverhalten dann spürbar neutraler.

VW bietet mehr Platz

Beim Platzangebot hat der VW die Nase vorn, denn das flache Dach des Qashqai schränkt die Kopffreiheit ein. Im Fond sitzt man zudem mit stärker angewinkelten Beinen, was schnell unbequem wird. Daneben stören die kurzen Sitzflächen vorn wie hinten und der kleine Öffnungswinkel seiner Heckklappe, an der sich schon Menschen mit 1,75 Meter Größe den Kopf stoßen. Beim Kofferraumvolumen herrscht immerhin annähernd Gleichstand, zu- mindest nach Litern. Die große Heckklappe des VW erlaubt allerdings das Verladen sperrigerer Lasten, was den Tiguan zum praktischeren SUV macht. Komfortabler ist er obendrein. Mit seinen Allround-Eigenschaften gewinnt er am Ende diesen Vergleich. Aber der viel besser ausgestattete Qashqai ist ihm dicht auf den Fersen – in diesem Test und wie im richtigen Leben in der Gunst der Käufer.

Technische Daten
VW Tiguan 2.0 TDI CR 4Motion Sport & Style Nissan Qashqai 2.0 dCi ALL-MODE 4x4 Tekna
Grundpreis 31.550 € 30.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4427 x 1809 x 1683 mm 4330 x 1780 x 1615 mm
KofferraumvolumenVDA 470 bis 1510 l 410 bis 1513 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h 193 km/h
Verbrauch 6,3 l/100 km 6,7 l/100 km
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